Roland Dürre
Freitag, der 21. November 2008

Vom lieben Geld und gutem Öl – Hoch lebe die Spekulation!

Vor ein paar Wochen bei einem Vortrag von Franz-Josef Bierbrauer habe ich erfahren, dass nur 2 % des Handels mit Währungen wie € oder $ dem Warenaustausch dienen. Die restlichen 98 % des weltweit gehandelten Währungsvolumen erfolgt ausschließlich aus spekulativen Methoden! Ich habe die Zahl nicht nachgeprüft, ich glaube da einfach Herrn Bierbrauer. Und:

🙂 Die Zahl paßt auch in meine Vorurteils-Struktur …

Spekulation stelle ich mir so vor: Ein schweres Pendel hängt von der Decke. Es gibt zwei Gruppen: die eine versucht, das Pendel möglichst weit und mit aller Kraft in eine Richtung zu bringen. Die Teilnehmer wechseln dabei sogar noch dynamisch die Gruppen. Wenn das Pendel auf einer Seite ganz oben ist und man kaum mehr hinkommt, dann schwingt es in die andere Richtung, die andere Gruppe gewinnt immer mehr die Überhand und irgendwann ist dann das Pendel auf der anderen Seite soweit oben wie es gerade nur möglich ist. So schwingt das Pendel hin und her. Man weiß aber nie, wann es ganz oben ist und es wieder umschlägt. Das kann Monate, Jahre oder auch Jahrzehnte dauern.

Wie das Pendel hin und her schwingt, so geht der Kurs der Währungen auf und ab. Und damit wollen alle Teilnehmer des Spiels Kasse machen. Es ist aber ein Nullsummenspiel, es kann immer nur soviel „verdient werden“ wie andere „verlieren“. Und da zusätzlich Gebühren anfallen, ist es nicht einmal ein Nullsummenspiel. Manche erhöhen die Nebenkosten, indem sie mit geliehenem Kapital spekulieren und deshalb Zinskosten haben. Im Sinne einer Wertschöpfung erscheint das Ganze sinnlos. Nutzen kann es nur Teilnehmern, die klüger als andere sind (?), besonders viel Glück haben (?) oder in der Lage sind, erfolgreich zu manipulieren (!).

Jetzt würde ich gerne wissen: Wie sieht es beim Öl aus? Wieviel des gehandelten Öls landet am Schluss tatsächlich beim Verbraucher und wird dort verbrannt oder verwendet? Vielleicht kann ein Leser diese Frage beantworten?

Ich kann mir gut vorstellen, dass – wie bei den Währungen – die tatsächlich verbrauchte Ölmenge nur ein kleiner Teil des gesamten Handelsvolumen mit Öl ist. Und dann wäre mir klar, dass der Preis des Öls mit dem realen Wert des Öls (sofern der überhaupt bezifferbar ist) oder mit Szenarien wie dem „oil peak“ genauso wenig zu tun hat, wie der Wert einer Währung mit ihrer Kaufkraft.

Das wäre dann auch eine Art von „Virtualisierung“!

RMD

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