Roland Dürre
Samstag, der 12. April 2014

Von 280 auf 400 … !?

Letzte Woche stand in der SZ, dass wir die 400 jetzt endgültig hinter uns gelassen haben …

Vor vielleicht 100 Millionen Jahren hat unser Planet einen Zustand erreicht, der die Entwicklung von Säugetieren ermöglichte. Dieser Zustand hat sich für längere Zeit stabilisiert. Zwar in einer Situation „at the edge“, aber erstaunlicherweise hat es funktioniert.

Bis der Mensch kam und sich in die industrielle Revolution stürzte.

Denn ab diesem Zeitpunkt hat er oder besser haben wir in unvorstellbarem Tempo an einem der wichtigen Parameter des Ökosystems unseres Planeten gedreht, nämlich dem Kohlenstoffdioxidgehalt in unserer Atmosphäre. Dieses bedeutsame Treibhausgas ist ein natürlicher Bestandteil der Luft und wurde in den letzten wenigen hundert Jahren, also in einem verhältnismäßig sehr kurzen Zeitraum durch die Verbrennung fossiler Energien vom „ewigen“ Wert der mittleren Konzentration von 0,018 Volumenprozent (280 ppm) auf satte 0,040 Volumenprozent (400 ppm) erhöht.

In 2014 lag dieser wegen der Sommer-/Wintersituation auf der größeren Landhälfte südlich des Äquator pulsierende Wert dann schon permanent über dem Wert von 400 und mittlerweile geht es wohl rasant auf die 500 zu.

Von 180 auf 400, das ist eine Steigerung um 66 % oder präziser 2/3. Und auf 500 dann noch mal ein plus von 25  %, also vom Basiswert  die Verbrennung fossiler Energien auf 277,77…  %!

Aufgemerkt – es geht um das Ökosystem unseres Planeten, die Basis unseres Lebens.

Jetzt sollte jedem aber klar sein, dass
wenn man an solch einem System,
das massiv-komplex ist,
das sich dauernd auf dünnster Kante bewegt
an einem der zentralen Parameter dreht
und diesen um das 2 – 3 fache verändert,
dass dies zu einer wesentlichen Veränderung des Systems führen muss!

Es erscheint auch sehr plausibel, dass diese Veränderungen zeitlich verzögert und nicht unbedingt linear sondern in unterschiedlicher Ausprägung stattfinden werden. Dies macht es noch schlimmer – denn wir können die Reaktion auf unsere Maßnahmen immer erst stark verzögert, dafür umso heftiger wahrnehmen. Und zu lange „Feedback-Zyklen“ erschweren die Bereitschaft für notwendige Entscheidungen und Maßnahmen.

Um das zu erkennen, ist doch nur ein wenig technischer Verstand von Nöten. Und den sollte jeder haben, der nach Aufklärung und industrieller Revolution naturwissenschaftlich und ingenieursmäßig im 20. sozialisiert wurde. Natürlich bedarf es des guten Willens, negative Erkenntnisse nicht einfach weil störend zu ignorieren.

Klimamodelle und Computersimulierungen in die Zukunft zeigen, dass etwas passieren wird und weisen darauf hin, wie dies stattfinden könnte. Wahrscheinlich sind die Modelle noch lange nicht ausreichend, um die Realität zu erkennen. Aber die auf dieser Basis berechneten Vorhersagen sollte man zumindest als sehr reale Zukunft-Szenarios ernst nehmen. Besonders wenn die Entwicklung diese laufend bestätigt

Insofern ist die ganze Diskussion um das Ende der fossilen Energien müßig. Es geht doch gar nicht darum, wo wir noch Erdöl und -gas finden, sondern dass wir ganz schnell das massenhafte Freisetzen von Kohlendioxid beenden.

Denn der Kohlenstoffdioxidgehalt der Atmosphäre muss wieder unter die 400!

Neue Förderungsmethoden, die bei der Produktion schon oft mehr Kohlendioxid generieren als anschließend bei der Nutzung der gewonnen Energie freigesetzt wird verbieten sich so erst recht von selbst. Als Argument dagegen ist allein schon der steigende Kohlendioxidgehalt der Luft hinreichend. Die bei der Förderung entstehenden Zerstörungen und Risiken für die Umwelt sind da nur noch eine Ergänzung. Auch fossile Energien wie Kohle dürfen nicht mehr genutzt werden, ganz gleich wie reichlich sie noch vorhanden sind.

Es gibt nur eins: Soweit irgendwie möglich das Verbrennen von fossiler Energie zu vermeiden und beenden. Dies muss jeder Mensch für sich persönlich entscheiden. Ich habe vor, in den letzten Jahren meines Lebens definitiv  den Verbrauch von fossiler Energie für mich persönlich radikal zu reduzieren und habe damit auch schon begonnen.

Nicht weil ich meine, damit die Welt retten zu können.

Sondern weil ich so wieder ein wenig zufriedener und glücklicher werde. Ich weiß mittlerweile, dass der Verzicht auf unangemessen viele und zu warme Räume, die absolute Minimierung von Flugreisen, der Verzicht aufs Autofahren wie das aktive Vermeiden von Plastik-Müll und manches mehr dieser Art und dafür das Setzen auf „aktive Mobilität“ zu Fuß und mit dem Fahrrad und die langsame öffentliche Mobiliät meine Lebensqualität genauso erhöhen wird wie wenn ich bewusster esse und weniger konsumiere.

Ich nehme an, dass wir in eine große „Wirtschaftskatastrophe“ geraten würden, wenn viele Menschen so handeln würden wie ich. Die Hälfte unserer „Wirtschaft“ würde zusammen brechen. Und „schwere Zeiten“ inklusive von „sozialen Umbrüchen“ und „großen Veränderungen“ sehr schnell auf uns zu kommen würden. Wahrscheinlich würde unser politisches und ökonomisches System zusammenbrechen.

Das würde ich billigend in Kauf nehmen. Zuviel steht auf dem Spiel. Und ich habe doch jetzt 60 Jahre wie die „Made im Speck“ gelebt.  So muss ich jetzt vielleicht auch 10 nicht so tolle Jahre der Transformation aushalten. Innovation ist nun mal kreative Zerstörung. Und mal fällt diese massiver oder weniger massiv aus.

Noch sehe ich – dies auch wieder rein gefühlt – die große Chance die Dinge halbwegs vernünftig drehen zu können, sprich aus dem beschriebenen Zusammenbruch, der vielleicht noch nicht ganz so grausam ist etwas Neues und Besseres zu starten. Wer weiß, ob das in 50 Jahren auch noch möglich sein wird.

Also – lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken mit Ende.

Die nächsten Generationen werden die unsere und so manche davor sowieso verfluchen, wenn sie mit den angerichteten Zerstörungen leben und unter den Folgen leiden müssen. Denn unsere Nachfolger werden gegen sich erwärmende atomare Überreste als Spitze des Eisberges unserer Hinterlassenschaft von verschmutzten Meeren, degradierten Böden, versiegelten Flächen und versiegenden Flüssen, steigendem Meeresspiegel und zusätzlichen von uns verursachten Umweltkatastrophen aller Art kämpfen müssen. Und dabei nur den Kopf schütteln und besser nicht auf ihre Väterväter zurückschauen. Weil sie sonst im Zorn untergehen würden.

Für den Fall, dass in 50 Jahren es noch einen Leser dieses Artikel geben sollte, möchte ich diesen hier schon mal um Verzeihung für mein Verhalten in den letzten 50 Jahren bitten.

RMD

P.S.
Ich bin mir nicht sicher, ob meine Zahlen alle korrekt recherchiert sind oder auch immer richtig gerechnet wurden. Halte das aber auch für gar nicht so wichtig, denn der Trend ist gut begründet, mehr als plausibel und ist schon sichtbar und fühlbar. Und in so einer wichtigen Sache nicht es nicht erlaubt, auf große Irrtümer bei der Vorhersage oder auf ein Wunder zu hoffen …

Die Ursachen für diesen Trend bestärken doch auch die Annahme der Richtigkeit der aktuellen Gedanken. Die sind stark ausgelebte sozial-ethische Unwerte wie Gier, Verschwendung, Rücksichtslosigkeit, maßloser Egoismus, die mangelnde Demut und Bescheidenheit.

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