Roland Dürre
Samstag, der 15. Juni 2019

Von Moskau nach Peking mit der Bahn #2 Der Zug.

Ein Reisebericht der anderen Art (2).

Ich habe ja schon berichtet, dass es unsere erste Bildungsreise war. Und auch die erste Reise mit einem „Schlafwagenzug“ über eine längere Entfernung. Immerhin sollten es ja fast 8.000 km werden.

Das Unternehmen „Lernidee“ hat dazu eine ganze Reihe von Angeboten. Sowohl Teilzüge, die ähnlich Kurswagen mit Regelzügen befördert werden und komplette Sonderzüge. Solche Angebote gibt es nicht nur für Europa und Asien sondern auch Afrika und Amerika.

Wir waren mit einem Sonderzug mit dem Namen „Zarengold“ unterwegs, der auf der ganzen Strecke bis an die chinesische Grenze dieselbe Zugnummer hatte. Dort mussten wir in einen chinesischen Sonderzug umsteigen, der unserem entgegen kam und Gäste aus Peking für die Rückreise nach Moskau brachte.

„Zarengold“ ist nur ein Label, der Zug wird für jede Reise eigens konfiguriert. Unser Zug hatte mit 20 Wagons die maximal mögliche Länge. Dabei waren ein Organisationswagen, ein Gepäckwagen und vier Speisewagen. Die restlichen Wagen waren Schlafwagen mit unterschiedlichen Abteilen (vier oder zwei Betten) und Klassen.

Je nach Belegung der Betten kann der Zug in dieser Konfiguration bis um die 200 Leute mitnehmen. Also soviel wie ein kleines Kreuzfahrtschiff. Bei uns waren es ein paar weniger, so dass in den Speisewagen im „Einschichtbetrieb“ gegessen werden konnte. Das war sehr angenehm, weil man so in Ruhe speisen und am Ende der Mahlzeit genug Zeit für ein Pläuschchen mit Mitreisenden da war.

Wir schliefen in einem  Zweibett-Abteil im Wagen mit der Nummer 10, der sich ziemlich in der Mitte des Zuges befand. Das war in der mittleren Klasse. Wir konnten das aber nicht beeinflussen. Diese Reisen scheinen sehr begehrt, wenn man nicht sehr frühzeitig bucht, dann muss man nehmen, was es noch gibt.

Unser robuster Schlafwagen wurde noch in der DDR hergestellt und in vielen Details renoviert. Der Wagen hatte zwei „europäische“ (und geschlossene) WC’s mit Wasserspülung, ein geräumiges Duschabteil, zwei kleine Schaffnerabteile und dann noch 10 Schlafkabinen, all derselben Kategorie mit jeweils zwei Einzelbetten. Es gab genug Platz für das Verstauen des Gepäcks, war aber trotzdem ein wenig eng. Duschen war nur während der Fahrt des Zuges möglich, dazu musste man sich in eine Liste eintragen und so das Duschabteil reservieren.

Die Kabinen waren üppig mit Samt dekoriert. Jeder Schlafwagen hat zwei Schaffnerinnen, die sich um das Wohl der Passagiere kümmerten. Zusätzlich wurde der Zug von ungefähr 35 Menschen betrieben, allein jeder der vier Speisewagen hatte drei Bedienungen und ein wohl genauso großes Küchenteam.

Die Speisekarte im Zarengold-Express vom 2. Juni 2019.

Das Essen mittags und abends war gut, besonders wenn man bedenkt, wie klein die Küchen in den Speisewagen sind. Es gab immer einen sehr frischen Salat, der schon am Platz stand, wenn man kam.  Dann folgten in der Regel zwei Gänge, oft bestehend aus einer Suppe und einem Hauptgang mit Fleisch oder Fisch. Beides immer frisch gekocht. Abgeschlossen wurde das Essen mit einem Nachtisch. Das Essen war nie „convenient“, damit meine ich vorgefertigt aus dem Plastikbeutel und nur aufgewärmt. Auch übers Frühstück konnte man sich nicht beklagen. Nur der Kaffee schmeckte mir überhaupt nicht, so dass ich komplett auf Tee umstieg. Die Preise für Getränke waren im übrigen kommod.

Zu Beginn der Reise wurden die Reisende in Gruppen eingeteilt. Die Gruppen wurden nach Farben benannt, wir hatten die Farbe BLAU. Im uns zugeordneten Speisewagen gab es einen für BLAU reservierten Bereich, BLAU sollte auch unsere Leitfarbe für alle Aktivitäten werden.

Dazu aber später mehr. Vom Zug kann man noch berichten, dass er mit zwei Ausnahmen abgesehen jede Nacht durchfuhr. Das war ziemlich laut und unruhig.  So haben wir nicht so richtig gut geschlafen, was zu einer gewissen Müdigkeit führte, die durch dreifaches Vorstellen der Uhr – zweimal um zwei und einmal um eine Stunde – noch mehr gefördert wurde.

Und immer wenn der Zug am Morgen ein Ziel erreicht hatte, dann ging es raus und rein in das Programm. So richtig Zeit zum Ausruhen gab es eigentlich nie. Und wenn der Zug mal doch tagsüber auf der Strecke war, gab es interessante Vorträge über das „Zugradio“.

Auch hierzu berichte ich dann mehr in den folgenden Artikeln.

RMD

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