Roland Dürre
Freitag, der 2. Januar 2009

Von Ottobrunn nach Unterhaching #5 – Eiszeit = Salzzeit

Der Winter ist fast zur Hälfte vorbei. Und (fast) jeden Tag im alten Jahr war ich mit dem Rad auf der Piste (von Ottobrunn nach Unterhaching und zurück und auf vielen anderen Wegen im südlichen München).

Der Wettergott hat es dieses Jahr gut mit uns Radlern gemeint. Im Münchner Süden gab es im Winter 2008 bis Neujahr kaum Schnee. Auch auf den ungeräumten Feldwegen (über das Gelände des ehemaligen Militärflughafen Neubiberg oder entlang der Rückspeiseleitung der Geothermie Unterhaching) konnte man durchgehend gut fahren.

Auf dem geteerten Fahrradweg entlang der Verbindungsstraße zwischen Ottobrunn und Unterhaching funktioniert der Winterdienst immer dann bestens, wenn es nicht schneit – und folgerichtig wurde dort in den letzten Wochen so richtig viel Salz gestreut. Das Salz wiederum mag ich gar nicht, denn Salz ist Gift für Fahrräder. Autos sind mittlerweile so gut gebaut, dass ihnen Salz nichts ausmacht. Soweit sind selbst hochwertige Fahrräder noch nicht. Einige wenige Fahrten auf stark gesalzenen Wegen bewirken auch beim teueren Edelrad ganz schnell deutliche Rost- und Verschleissspuren. Und so fahre ich im Winter immer mit meinem Uraltrad und leide unter dem zunehmenden Verrosten des Oldies.

Über geräumte Radwege freue ich mich durchaus, und gegen eine Splitstreuung an kritischen Stellen wie Kurven und Unterführungen habe ich nichts einzuwenden. Aber wenn wir eine ausgesprochene Hochdruck-Wetterlage ohne Niederschläge haben, und die Radwege trotzdem weiß vom Salz sind, dass selbst die Ablauffläche der Reifen weiß wird und die Salzkörner gegen die Schutzbleche prasseln, dann ärgere ich mich. Und wenn das Schneechaos dann im Februar doch noch kommt, sind die Radwege die ersten Tage lang gar nicht mehr geräumt.

Salz ist auch Gift für die Umwelt. Es soll ja Länder und Gemeinden in Gegenden geben, wo der Winter noch stattfindet, die komplett auf den Einsatz von Streusalz verzichten. Wäre bei uns doch auch möglich – alle Autofahrer haben ja mittlerweile Winterreifen. Wenn man ein wenig langsamer fährt, kann man auch im Winter gut durchkommen.

Oft habe ich den Eindruck, dass der moderne Individualverkehr viel störanfälliger gegen winterliche Verhältnisse ist, als dies früher war. Mein 34-PS- Käfer hat mir immer problemlos durch den Schnee geholfen. Die großen Boliden mit ESP und elektronischen Anfahrthilfen scheinen da mehr Schwierigkeiten zu haben. Haben Sie vielleicht zu viel Gewicht und zu viele PS?

Als Radler habe ich noch einen Vorteil: Ich kann Spikes aufziehen. Dann habe ich auch bei stark winterlichen Verhältnissen kein Problem. Und im Gegensatz zu den verbotenen Autospikes dürften sie auch die Wege nicht beschädigen, so dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss. So ein Fahrrad wiegt halt auch mit einem schweren Fahrer deutlich weniger als ein Auto und aus hohen Geschwindigkeiten bremsen wir Radler nur selten ab.

Wahrscheinlich könnte man auf den Einsatz von Salz im Straßenverkehr ganz gut komplett verzichten. Aber vielleicht muss der Umsatz der Salzproduzenten hochgehalten werden, sonst bricht uns auch noch dieser Industriezweig zusammen. Und die Umwelt scheint ja angesichts der Weltwirtschaftskrise keine Rolle mehr zu spielen.

RMD

P.S.

😉 In Augsburg Ende der 60iger Jahren hatten wir in unserem Schachverein einen hochgeschätzten Mäzen und Sponsor. Er hieß Horst G., tat viel für unseren Verein und war Salzgroßhändler. Horst hat uns immer 5 DM gezahlt, damit wir von unterwegs aus Telefonzellen (Mobiltelefone gab es damals noch nicht) bei gewissen Telefonnummern anriefen und uns über die mangelhafte Streuung beschwerten.

P.S. 2

Bei den vom Salz weißen Straßen muss ich immer an Klaus Bednarz denken. In einem Vortrag über seine Zeit in der Sowjetunion hat er von den goldenen Straßen in der Ukraine berichtet. Die hießen so, weil im „real existierenden Sozialismus“ die Lkws so marode waren, dass ein beträchtlicher Teil der Getreideernte auf dem Transport verloren ging und zur Erntezeit in der Kornkammer der Sowjetunion die Straßen golden von den verlorengegangenen Getreidekörnern waren. Dann sind mir vom Salz weiße Straßen doch noch lieber.

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