Roland Dürre
Mittwoch, der 2. Mai 2012

Vorsorge-Untersuchungen

Was man doch alles für Vorsorge-Untersuchungen machen soll!?

Der menschliche Körper ist so etwas von kompliziert wenn nicht komplex. Das muss natürlich alles gecheckt und gewartet werden. Regelmäßig.

Mit dem Blutbild fängt es an. Da muss ein wenig Körperblut regelmäßig ins Labor.

Dann gibt es so viele Organe, die erkranken können. Und auch regelmäßig auf ihr ordnungsgemäßes Funktionieren überwacht werden sollen.

Herz und der Kreislauf sind immer wieder auf ihre Leistungsfähigkeit zu testen. Wie schnell könnte sich da ein Infekt oder Defekt entwickeln. Und natürlich: Immer droht der Infarkt.

Die Lunge dürfen wir nicht vergessen. Auch Leber und Niere sind permanent bedroht. Der Darm soll regelmäßig gespiegelt werden. Und die vielen Drüsen, ob Bauchspeichel- oder Schilddrüse bedrohen unser Leben. Nicht zu vergessen das Lymph-System mit seinen vielen Knoten.

Wir dürfen auch die Knochendichte nicht vergessen und müssen sie regelmäßig vermessen. Und  Vorsicht – die Wirbelsäule ist permanent vom Bandscheibenvorfall bedroht.

Rheumatische Entzündungen und die Gicht lauern auch auf uns…

Natürlich ruft auch der Augenarzt immer wieder. Ist der Druck noch im grünen Bereich oder haben wir schon den grünen Star?

Und fast vergessen – die Haut – ein ganz wichtiges Organ. Sie ist von ganz besonderer Empfindlichkeit. Besonders seit dem Ozon-Loch.

Denn aus allen Ecken bedroht der Krebs uns Menschen. Ob die Prostata oder die Geschlechtsorgane, alles ist gefährdet und muss regelmäßig kontrolliert werden.

Das alles muss „Vorsorge untersucht“ werden. Gesundheit kostet anscheinend viel Zeit und Geld. Eigentlich müsste man viele Tage im Jahr bei Vorsorge-Untersuchungen verbringen und alles möglich kontrollieren lassen. Und dann aufwändig therapieren und viele Medikamente nehmen.

Ob das uns gut tut, glaube ich nicht. Es ist aber gut für die Volkswirtschaft, denn ist es doch eine Art von „hochwertigem Konsum“. Und genau das brauchen wir für unser Wachstum – wir wollen doch alle weiter gut verdienen und konsumieren. Auch wenn uns der Konsum krank macht. Wie zu viel Wachstum (z.B. um den Bauch herum).

Trotzdem beschleicht mich immer wieder ein schlechtes Gewissen. Mein Überich meldet sich, weil ich gar nichts dieser Art tue. Jede Arztpraxis umfahre ich (mit dem Fahrrad) in großem Bogen. Gehe nur zum Arzt, wenn ich es für nötig halte – wie bei einem vereiterten Fingernagel oder einer Warze.

Habe einfach das Rauchen aufgehört.  Versuche möglichst maximal viel Zeit in der frischen Luft zu verbringen und mich viel zu bewegen. Lärm vermeiden. Negativem Stress aus dem Wege zu gehen. Möglichst nie Autofahren sondern nur noch Radeln. Und bemühe mich, mich möglichst wenig zu ärgern. Lieben und nicht Hassen. Zufrieden sein.

Was bei mir immer noch nicht so recht klappen will, ist weniger und gesünder zu essen. Und weniger Bier zu trinken. Da habe ich noch Reserven, aber auch da stimmt der Trend.

Dafür klappt ein anderes Ziel ganz toll:

So nehme ich keine Medikamente mehr ein. Ich kann mich nur noch an ein Antibiotika erinnern, dass ich nach einer ganz schweren Grippe als Folge der CeBit einnehmen musste. Bin mir aber bis heute nicht sicher, ob das Medikament dann geholfen hat oder ich von selbst wieder gesund wurde. Und das ist auch schon Jahrzehnte her. Und bin mir sicher, dass ich zumindest mal keine Nierentransplantation brauchen werde …

Mein Rezept kennt Ihr ja jetzt. Aber auch ich habe Sorgen. Was wird sein, wenn ich so richtig alt bin? Wo wird es dann mich erwischen? Meine Mutter ist dement. Ein Arzt hat mir schon vor Jahren gesagt, dass ihr Gehirn nicht mehr die ursprüngliche Größe hat. Und das man da nichts mehr tun könnte, besten Falls und das mit großen Anstrengungen des Patienten den Zustand stabilisieren.

Lauert diese Gefahr auf mich? Könnte ich da eine erbliche Anlage haben? Bin ich doch auch schon bald 62. Zwar merke ich noch nichts, aber man kann doch gar nicht misstrauisch genug sein?

Vermute eh, dass aufgrund der massiv steigenden Anzahl von Demenz-Kranken demnächst dann auch eine Vorsorge-Untersuchung fürs Gehirn eingeführt wird. Die Vorsorge für Demenz oder gegen Gehirnreduktion kann man bestimmt gut verkaufen. Das bringt dann auch gut Kohle und erst recht die in Folge angesagte aufwändige Behandlung bzw. Medikamentation. Auch wenn sie gar nichts hilft.

Nur – macht das alles wirklich Sinn? Entweder leidet man an der Behandlung und stirbt trotzdem. Oder man hat Erfolg, verlängert das Leben künstlich und erhöht so die Wahrscheinlichkeit, als dahin siechender Pflegefall zu enden?

Ich weiß es nicht.

Das einzige, was man vielleicht sinnvoll tun kann, ist sich aufs Sterben schon ein wenig mehr vorzubereiten. Denn einmal kommt es – und dann gibt es eh keinen Ausweg mehr. Aber bis dahin möchte ich es mir doch möglichst gut gehen lassen.

RMD
The illustration
was made by
Luc Viatour (Luc Viatour / www.Lucnix.be)

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3 Kommentare zu “Vorsorge-Untersuchungen”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 3. Mai 2012)

    Gibt es eine unterschied zwischen „komplex“ und „kompliziert“? Natürlich, in Mathe sind komplex Nummern relative einfach. Sonst vielleicht suggeriert „kompliziert“ das etwas so gemacht ist, wehrend komplex Sachen sind bloß so. Aber das passt hier nicht. Roland, was hast du gemeint?

    Marlon Brando hat gesagt dass wann man alt wird das Essen den Sex ersetzt. Hinsichtlich des Spaßes, hat er vielleicht Recht. Aber hinsichtlich den Interessen, ist es ehe Krankheit.
    Junge Leute können gut zusammen über ihren gemeinsamen Erfahrungen reden. Mit 40 oder 50, sind Leute in weit auseinander Richtungen gegangen, so das Kommunizieren erschwert sich. Mit 80, können sie wieder alle zusammen über ihren Krankheiten nörgeln.

    Traue keinem Arzt. Nach 5 Jahren erfolglosen Behandlung, habe ich mittels des Internets mein Prostata-Problem selbst korrigiert. Ärzte in Deutschland verschreiben immer noch pflanzlichen Substanzen die wirkungslos sind.

    Falls dieser Kommentar grammatisch Richtig ist, habe ich den Microsoft zu verdanken.

  2. rd (Donnerstag, der 3. Mai 2012)

    Kompliziert ist ein System, wenn es zwar für den Beobachter undurchschaubar ist, aber in sich determiniert bleibt. Komplex wird es, wenn die Zusammenhänge nicht mehr determinierten Regeln folgen.

    Man kann auch sagen: Tote Materie kann kompliziert sein, lebendiges komplex.

  3. rd (Donnerstag, der 3. Mai 2012)

    Natürlich ist an diesem Artikel grammatisch nichts richtig (Microsoft ?) 🙂

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