Am 20. Februar habe ich an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Rahmen  der Vorlesungsreihe “Innovation Strategy I” (gehalten von Frau Prof. Möslein, Frau Dr. Bullinger und Herrn Haller) gesprochen. Das Thema war “Das Leben, das Wissen, die Informatik und die Ethik”.

Im Vortrag habe ich den technologischen Fortschritt gegliedert nach „physischen“ Technologien und „informatischen“ Technologien. Unter „physisch“ verstehe ich alle Technologien, die dem Menschen dienen, physische Bedürfnisse (Essen, Trinken, Schutz vor Naturkräften, Reduzierung körperlicher Anstrengung, Mobilität, Gesundheit …) zu befriedigen. Mit „informatisch“ bezeichne ich Technologien, die der Kommunikation, der Verbreitung, Aufbewahren und Verarbeitung von Information, Rechnen und Steuern, künstlicher Intelligenz …) dienen. Ich habe dann über die Beziehung zwischen kulturellen und gesellschaftlichen Errungenschaften wie Aufklärung, Grundrechte, Gleichberechtigung für Geschlechter und Rassen, Demokratie …  gesprochen und versucht herauszuarbeiten, welche kausalen Zusammenhänge zwischen Technologie wie z.B. Mobilität und Buchdruck und Reformen besteht.

Darwin habe ich als den ersten Evolutionisten in einer Welt von Kreationisten erwähnt, allerdings nur um klar zu machen, dass die Welt wahrscheinlich nicht erst vor 6.000 Jahren nach einem intelligenten Design geschaffen wurde, sondern die Entwicklung der Schöpfung zumindest auf unserer Erde eher evolutionär stattgefunden haben dürfte. Und auch als eines von vielen Beispielen, dass die Menschheit schon fast eine „Ewigkeit“, existiert, aber der eigentliche Fortschritt doch gar nicht so lange her ist! Keines Falls wollte ich für das Recht des Stärkeren plädieren, das manche Zuhörer wohl mit dem Namen Darwin assoziert haben (siehe auch den weiter unten erwähnten IS1 Blog).

Dann habe ich die Frage diskutiert, inwieweit Evolution als eine Menge von vielen Innovationen betrachtet werden kann und besonders, ob wir eventuell in der Lage sein können, die Evolution unserer Welt durch gezielte Innovationen zu beeinflussen.  Eine gesteuerte Evolution macht natürlich nur Sinn, wenn wir über klare eine Zielsetzung verfügen. Eine allgemein vertretbare Zielsetzung erfordert wiederum die Fähigkeit zur gesellschaftlichen  Konsensbildung. Soziale Gruppen bis hin zur gesamten Menschheit müssten in der Lage sein, gemeinsam, konstruktiv und friedlich Erkenntnis gewinnen und sich durch demokratisch basierte Mehrheitsfindung auf gemeinsame Ziele einigen zu können. Diese Ziele müssten von einer Qualität sein, die es (fast) allen Menschen ermöglicht, diese sich mehr oder weniger zu eigen machen zu können oder zumindest akzeptieren bzw. tolerieren zu können. Eine Utopie?

Ich habe behauptet, dass anspruchsvolle Konsensfindung nur durch das Einüben von „Ethischem Verhalten und ethischer Kommunikation“ gelingen kann. Dabei habe ich darauf verzichtet, Ethik theoretisch zu erklären. Ethik bedarf keiner Erklärung, jeder Mensch kann in der Regel eine Handlung intuitiv als „ethisch“ oder „unethisch“ bewerten und liegt damit meistens richtig, außer wenn er über ein sehr verschobenes Wertesystem verfügt.

Die Voraussetzungen für ethisches Verhalten habe ich ganz pragmatisch und ohne Anspruch auf Vollständigkeit definiert:

Individuen:
Zuhören können, alterozentriert denken, Kommunikation erlernen,Vermeiden von Bequemlichkeit, Wille und Befähigung zum eigenverantwortlichem Leben (Freiheit), Aufbau eines verantworteten und mit allgemein gesellschaftlichen Normen (Grundgesetz, UNO-Charta, Kern der Religionen „Tue keinem an was Dir nicht angetan werden soll!“ kompatiblen Wertesystems.

Manager:
Nie eindimensional denken, Dinge immer hinterfragen, daran denken, dass Menschen nicht nur rationale Wesen sind, sondern auch emotionales Leben entfalten und ganz persönliche Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse haben, keine stereotypen Menschenmuster anwenden, gesunden Menschenverstand walten lassen, Zivilcourage aufbringen und über „Lebenserfahrung“ verfügen!

Kollektiv:
Einüben von Erkenntnis- und Konsensgewinn durch klassische Techniken wie „dialektische Fahnenbildung“, Disziplinen wie Philosphie pflegen …

Als notwendige Tugenden für ethisches Verhalten habe ich „Toleranz“ und „Zivilcourage“ genannt.

Am Ende des Vortrages habe ich einer überlieferte Indianerweisheit wiedergegeben:

Begegne Deinen Mitmenschen mit Liebe, Achtung und Respekt! Erweitere dies auf alle anderen Lebewesen und die gesamte Schöpfung! Und versuche nur Entscheidungen zu fällen, die auch den nächsten 7 Generationen nutzen!

Ich selbst war mit meinem Vortrag übrigens gar nicht zufrieden. An diesem Tag war ich blockiert, außerdem hatte ich ein Mikrophon in der Hand, das mich verunsicherte und in meiner Wahrnehmung eine Distanz zu meinen Zuhörern schaffte. Trotzdem war ich froh über diesen Vortrag, denn meine Zuhörer haben – quasi als Danke Schön – meine Aussagen in ihrem IS1 Blog verarbeitet, bewertet und kommentiert. Es ist (besonders für mich) sehr spannend zu lesen, was da von meinem Vortrag berichtet wird und welche Überlegungen angestrengt wurden. Da sind soviel gute Impulse dabei!

Als weitere Erfahrung ist mir bewusst geworden, dass die Zuhörer aus einem Vortrag viel mehr herausgehört (oder auch hinein interpretiert) haben, als ich in meiner Wahrnehmung gesagt habe bzw. aussagen wollte. Vielen Dank an das Team um Frau Professor Möslein, Frau Dr. Bullinger und Herrn Dr. Haller für die Gelegenheit bei ihnen zu sprechen und auch für den Frankenwein :-).  Aber vor allem an alle Studenten und Teams, die in ihrem Blog so eifrig Stellung genommen haben, ein ganz großes Dankeschön für das ausgezeichnete und mir sehr wichtige Feedback!

RMD

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