Roland Dürre
Sonntag, der 26. August 2012

Wandel

Ab und zu lese ich hier im Urlaub im wilden Süden Griechenlands (Peloponnes, Mani) ein wenig die „Informations-Seiten“ im Internet. ARD, SZ, Spiegel und ähnliches.

Und bemerke da auffallend häufig ein Gefühl der Ratlosigkeit in den Nachrichten. Zum Beispiel bei der Mobilität. Ich lese:

Sogar der vom VCD prämierte sparsamste PKW mit Verbrennungsmotor produziere viel zu viel Gramm an Kohlendioxid. Elektroautos wären nicht in Sicht. Die Benzinpreise würden steigen …

Und dann kommt die Angst dazu:

Was wird mit dem Rückgrat der deutschen Industrie – der Automobilia?

Zwar erscheinen die Sorgen berechtigt. Aber auch hier gibt es Lösungen. Und wir sollten uns mehr mit den Lösungen auseinandersetzen. Auch in den „Nachrichten“. Wäre schön, wenn die Medien weniger Angst und Ratlosigkeit verbreiten sondern sich um die Zukunft kümmern würden.

Die wird vom Wandel geprägt sein. Denn der Wandel, den wir brauchen, der wird stattfinden und findet schon statt. Dieser Wandel wird und muss in unserem kollektiven und individuellem Bewusstsein vor sich gehen. Wir müssen umdenken. Und wir werden umdenken, weil wir es müssen. Als Teil der Evolution, getragen durch die Vernetzung unserer Welt übers Internet.

Und es fängt an. Schon jetzt versuchen immer mehr Menschen, Arbeiten und Leben besser zusammen zu kriegen. Nutzen vermehrt die öffentlichen Verkehrsmittel und das Fahrrad. Und wahrscheinlich bald den Elektroskooter. Es muss und wird gelingen, ein wenig „Decroissance“ in die Mobilität und unser gesamtes Leben zu bringen.

In vielen Bereichen fällt die Hierarchie und wird sukzessive durch Netzwerke ersetzt. Unternehmerische Initiativen treten an Stelle von systemischer Umsetzung. Strikte Koppelung wird durch lose ersetzt, zentrale Steuerung durch Selbststeuerung abgelöst. Dies wird gerade in den komplexen sozialen Systemen notwendig sein und auch passieren. Dies auch als Hinweis, wie man unsere „aktuellen Probleme“ wie EU und EURO lösen könnte.

Immer mehr Menschen beginnen ihre Lebensgewohnheiten ändern. Entziehen sich der Marketing-Maschinerie. Reduzieren ihren Konsum. Verzichten auf Statussymbole. Ernähren sich gesünder. Gewinnen ihre Lebensfreude aus dem, was ihnen wichtig ist. Ziehen das Sein dem Schein vor. Werden kritischer und autonomer und lassen sich nicht mehr von Religionen und Verbänden die Meinung aufdrücken.

Für den Wandel brauchen wir keine staatlichen Programme. Die können uns nicht helfen, denn es muss aus uns heraus passieren. Auf Subventionen und Verordnungen verzichten wir am besten, die werden uns garantiert nicht voranbringen. Die Weiterentwicklung unseres  Bewusstsein und unserer Werte muss aufbauend auf einem herrschaftsfreien und fairen Diskurs geschehen. Und der hat schon begonnen.

Parallel dazu müssen wir nur noch handeln. Dezentrales Tun ist angesagt. Gemeinsam und jeder für sich muss einfach nur das tun, was richtig ist und sein lassen, was falsch ist. So einfach ist es.

RMD

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5 Kommentare zu “Wandel”

  1. Lutz Wulfestieg (Sonntag, der 26. August 2012)

    Passend zu deinem Artikel haben wir am Samstag an einem Themenabend „Kubas Gemeinschaftsgärten“ im Wandelkino teilgenommen.
    Was wir bis dato nicht wussten, Kuba hat die Entwicklung des Nach-Peak-Oil schon durchlebt.
    Nicht freiwillig. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem Boykott durch die USA war Kuba gezwungen, die Infrastruktur komplett umzubauen. Keine Erdölimporte, der Zusammenbruch fast des kompletten Außenhandels erforderten ein schnelles, drastisches Umdenken.
    Regionalisierung der Landwirtschaft, Einsatz von Ochsen statt Traktoren, Verteilung von Fahrrädern, Einsatz von Bussen (Camel) mit bis zu 300 Plätzen sind nur einige der Maßnahmen, die das Überleben gesichert haben.
    Positive Nebeneffekte: Übergewicht und Diabetes sind drastisch zurück gegangen. Eine starkes Gemeinschaftsgefühl hat sich gebildet.
    Nicht, das es in Deutschland so dramatisch kommen muss. Aber es wäre dumm, vor diesem Beispiel die Augen zu verschließen.
    http://wandelkino.wordpress.com/2011/10/26/wie-kuba-ohne-ol-uberlebte/

  2. Hans Bonfigt (Montag, der 27. August 2012)

    … und nur am Rande ergänzt:
    Das Elektroauto ist genau so eine Nebelkerze wie die „Energiesparlampe“.

    Anstatt „Medienkompetenz“ qua Scheissbook zu erlernen, wäre ein
    bißchen Physik angebracht, vielleicht so ein Jahr Boltzmann-Repetitorium.

    Dann nämlich wüßten die Kids, was Wirkungsgrad bedeutet und
    wie bescheuert die Elektroidee wirklich ist.

  3. Chris Wood (Montag, der 27. August 2012)

    A fine posting, except that throughout „we“ seems to mean German residents, although this is never made clear.

  4. Chris Wood (Dienstag, der 28. August 2012)

    I am no great fan of electric cars, but I cannot entirely agree with Hans. Photosynthesis has an efficiency of 3% to 6%. To drive a car using the result of this will lose two thirds. Fertiliser and tractors will also be needed. So the overall efficiency will be about 1%. An electric car charged up using photovoltaic panels is more efficient. Until thermonuclear power works, this may be the best sustainable way to drive a car. An alternative is to use solar energy to generate diesel fuel, without using normal crops. Experiments are being made with genetically modified algae, etc, but they have a long way to go.
    We are heading for serious trouble, and cars are not the main source of CO2. Whether cars are electric or diesel makes little difference.

  5. Lutz Wulfestieg (Mittwoch, der 29. August 2012)

    In dem Zusammenhang möchte ich auf eine indische Entwicklung hinweisen. Den Airpod. Der Motor wird mit Druckluft betrieben. Ein Tankinhalt mit 175 Liter komprimierter Luft bietet etwa 200 Kilometer Reichweite. Warum nicht?
    http://me-magazine.info/2012/08/17/car-of-the-day-tata-airpod-ein-auto-das-mit-luft-fahrt/

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