Roland Dürre
Donnerstag, der 24. März 2016

Warum das Projekt Frieden?

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Weiße Taube auf blauem Grund, eine Variante der Friedenstaube: Seit den 1980er Jahren verbreitetes Symbol der westeuropäischen, vor allem der deutschen Friedensbewegung, entworfen im Kontext des Widerstands gegen den NATO-Doppelbeschluss.

Ich beschreibe mal aus meiner Sicht, warum wir dringend etwas für den Frieden tun müssen. Für den großen, alles umfassenden, inneren wie äußeren Frieden.

Den wir mit uns selber und mit der Umwelt schließen müssen. Und zwischen den Menschen und den Völkern. Beides wird immer notwendiger, um Zukunft überhaupt noch zu ermöglichen.

Dazu brauchen wir eine starke Veränderung des Denkens und Bewusstseins.

Weil es nicht sein darf, dass die „Denkhoheit“ von Menschen beherrscht wird, die zum Beispiel fest daran glauben, dass:
Ein böser Mensch mit einer Waffe nur von einem guten Mensch mit einer Waffe gestoppt werden kann.
(NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre 2012)

Auf Staaten umgemünzt würde das heißen, dass
„Ein böser Staat mit einer Armee eben nur von einem guten Start mit einer Armee gestoppt werden kann!“

Man erkennt doch sehr schnell, dass solch eine Denke in moralischen Kategorien wie „gut“ und „böse“ uns nicht wirklich weiter hilft und es besser ist, wenn wir den Weg von Aufklärung und Demokratie weiter gehen.

Das heißt unter anderem, dass wir das Gewalt- und damit das Waffenmonopol eben der Gemeinschaft (dem Staat) überlassen, in der wir leben und dem wir es ja schon als Teil unseres zivilisatorischen Fortschritts schon abgetreten haben.

Dazu muss die Gesellschaft in der Lage sein, einen Unrechtsstaat oder gar eine Diktatur durch öffentliche Kontrolle, unter anderem durch eine klare Gewaltenteilung zu vermeiden. Und ebenso Lobby-Strukturen zurückdrängen können , die nur zu leicht zu einer Diktatur des Kapitals und im schlimmsten Fall zu einem Militär-Wirtschafts-Komplex führen.

Die Voraussetzung für einen solchen Frieden im Staat und zwischen Staaten und Völkern und Ethnien (auch unter Einbeziehung der problematischen Religionen) ist, dass wir ein Bewusstsein entwickeln, dass dies nur gelingen kann, wenn wir auch für uns ganz individuell einen inneren Frieden gewinnen.

So ist Voraussetzung für kollektiven Frieden der innere Friede der Individuen des Kollektivs. Wir müssen also mit uns selber ins Reine kommen. Das mag schwer genug sein, dürfte aber die einzige Chance sein, ein neues Verständnis von Strafe und Gerechtigkeit zu entwickeln. Das uns gesellschaftlich wirklich weiter hilft.

Denn sind Gefängnisse wirklich die einzige Möglichkeit, eine im Inneren friedliche Gesellschaft zu erreichen. Oder bewirken sie nicht eher das Gegenteil? Wie kann eine Gesellschaft zu einem sozialen Frieden gelangen, wenn Armut und Reichtum in einer unzulässigen Polarisierung unterliegen?

So geht es einerseits darum, unsägliche Philosophien wie z.B. die von Ayn Rand (eine der wichtigen Vordenker der Republikaner in USA) zu widerlegen und eine „neue“ Aufklärung 2.0 auf den Weg zu bringen. So müssen wir uns gegen jede Art von Indoktrination wehren, denn eine solche ist der schlimmsten Gegner einer aufgeklärten Gesellschaft.

So versuche ich gemeinsam mit Jolly Kunjappu mit unserem Projekt Frieden einen kleinen Beitrag zu leisten, um den fragilen Spagat von Freiheit und vermeintlicher Sicherheit zugunsten der Freiheit zu stabilisieren.

Ich persönlich möchte die Menschen auch daran erinnern, dass in Konfliktfällen immer der Weg ohne Morden und Töten, Folter und Vergewaltigung der für alle bessere ist und nur dieser Weg in der Regel für stabile und nachhaltige Lösungen sorgt. Und den Optimismus und die Zuversicht stärken, dass dies ganz normal möglich und realistisch ist.

Eher also der Metapher eines „Ghandi“ folgen als der eines Gewaltherrschers.

(Geschrieben in Peking)

RMD

P.S.
Noch mal zusammengefasst:
Die „innere Aufrichtigkeit“ (die uns selbst gegenüber) ist Voraussetzung für „inneren Frieden“, der wiederum Voraussetzung für den „großen Frieden“ ist. So brauchen wir Inspiration und Impulse für „innere Aufrichtigkeit“. Das ist ein Grund, warum Jolly und ich am 28. April zum Kickoff für FRIEDEN ins IF-Forum einladen.

3 Kommentare zu “Warum das Projekt Frieden?”

  1. Joachim Schnurrer (Samstag, der 26. März 2016)

    Der Papst äußert sich zu Brüssel:
    „Muslims, Hindus, Catholics, Copts, Evangelists, but brothers, children of the same god, who want to live in peace, integrated. Three days ago, there was a gesture of war, of destruction, in a city of Europe from people who don’t want to live in peace. Behind that gesture there were arms manufacturers, the arms traffickers who want blood, not peace, who want war, not brotherhood.“
    Hat man ähnliches schon von einer den sog. christlichen Parteien hierzulande gehört? Oder von Klerikalen?
    „Und gib uns unseren täglichen Panzer, damit auch wir den Beschäftigten von Krauss Maffei Wegmann (und anderen) ihr monatliches Bombengehalt geben“. Die jetzige Urgroßelterngeneration (Jahrgänge bis 1930) haben die Panzersegnungen noch selbst bewußt erlebt.
    Vergessen wird schnell. Es leben die guten alten Zeiten! (in denen hieß es: „Unter Adolf hätte es das nicht gegeben!“)

  2. rd (Sonntag, der 27. März 2016)

    Lieber Joachim, aus China vielen Dank für Deinen Kommentar! Seid Ihr am 28. April dabei? Jolly ist ein großartiger Mensch. Wir würden uns freuen!

  3. rd (Sonntag, der 27. März 2016)

    Nachtrag:
    Ich meine immer noch, dass die Wiederaufrüstung einer der großen historischen Fehler war, die die damals noch so junge (und unschuldige?) Bundesrepublik begangen hat.

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