Roland Dürre
Sonntag, der 11. September 2011

Was ich nicht mag … #13 Sachzwänge und Alternativlosigkeit

Nur zu oft höre ich:

Das geht nicht weil ….

Ein oberflächlich überzeugendes Argument widerlegt scheinbar eine Aktivität, Maßnahme oder Entscheidung. Die Angst vor der eigenen Courage hilft, eine Ausrede zu finden, warum etwas nicht geht.

Meistens muss man aber nur ein klein wenig nach denken und schon findet man genug Gründe, dass es sehr wohl geht.

Noch schlimmer ist es, wenn die Aussage heißt:

Wir haben keine andere Wahl, wir müssen es so machen …

Aus der (scheinbaren) Widerlegung durch ein einzelnes Argument wird dann plötzlich ein „Argumentationstrichter“. Die Summe von Gründen dafür und dagegen scheint so massives Gewicht zu haben, dass jede Widerrede als Nörgelei eines Quertreibers oder dumme Phantasie eines gestrigen Idealisten abgetan wird. Das habe ich schon häufig erlebt. Nur zu oft wäre die scheinbar unsinnige Alternative zumindest besser gewesen als der „Wir haben keine Wahl“-Weg.

Der führt gelegentlich in die Katastrophe. Nur weil eine Mischung aus Mutlosigkeit, mangelnder Kreativität gepaart mit dem Wunsch, es sich selbst einfach zu machen und kein Risiko eingehen zu wollen oder gar mangelndes Interesse fürs Projekt eine offene Lösungsdiskussion nicht zugelassen haben.

Die Katastrophe ist perfekt, wenn es heißt:

Die Entscheidung ist alternativlos!

Wie das auch unsere Kanzlerin in den ganz wichtigen Dingen zu sagen pflegt. Und da geht mir dann der Hut hoch.

Schon der Begriff Entscheidung ist hier falsch. Wenn etwas „alternativlos“ ist, dann hat das nichts mit Entscheiden zu tun. Denn Entscheiden heißt ja gerade, dass man unter Unsicherheit – weil man halt nicht wissen kann, was wahr und richtig ist – sich aus verschiedenen Varianten für eine entscheidet. Mit Mut, Umsicht und nach gewissenhafter Schadens- und sittlich verantworteter Güterabwägung.

In meinem Weltbild gibt es keine Alternativlosigkeit. Ich kann mich an keine einzige wirklich perplexe Situation in meinem Leben erinnern, in der ich (auch im nach hinein) keine Handlungs-Alternative gehabt hätte.

Alternativlosigkeit ist das Ergebnis des Versagens. Das Eingeständnis von Alternativlosigkeit ist das Eingeständnis von Versagen. Wenn ein Politiker diesen Punkt erreicht hat, dann bleibt ihm nur noch der Rücktritt.

Also – all das mag ich nicht:

„Geht nicht weil“, „Wir haben keine andere Wahl“ und vor allem „Alternativlosigkeit“.

Was mache ich, wenn ich so etwas höre?

In meinem Herzen fühle ich:

Geht nicht, gibt’s nicht!

Und sage das ganz laut.

Denn dann gibt es auch keine Alternativlosigkeit. Wenn ich in eine (meistens ja nur scheinbare) „alternativlose Situation hinein gerate, dann mache ich es wie beim Programmieren. Wenn ich mich da in ein Stück Code hinein verrannt habe, wo ich gemerkt habe, es geht nicht weiter – dann schmeiße ich es weg und beginne von vorn. Und zwar auf einem ganz anderen Wege. Auch wenn es sehr weh tut.

Aber gute Entscheidungen sind oft sehr schmerzhaft.

RMD

 

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