Alle reden. Über Nachhaltigkeit. Das Klima. Über die Bedrohung durch die Klimakatastrophe. Das Plastik im Meer. Radioaktivität überall. Alle reden vom drohenden Wassermangel.

Aber viel passiert nicht. Im Gegenteil!

Wasser wird verschwendet.

Und das in Unmengen. Obwohl wir wissen, dass es ein ganz knappes Gut werden wird. Der Garten wird gesprengt, der Schmutz vom Garagenplatz und dem Weg von Haus ohne Eile weggespritzt.

Das Wasser kommt in hoher Qualität aus dem Wasserhahn. Absolut trinkbar und gesund. Wir trinken es aber nur aus Flaschen. Meistens aus Plastikflaschen. Glasflaschen sind auch nicht viel besser. Über Hunderte von Kilometern werden kleinste Mengen Wasser in schweren Glasgefäßen transportiert. Oft über weite Entfernungen und durch mehrere Länder. Obwohl H2O halt H2O ist.

Plastik wird ohne Ende produziert

Wir wissen auch, dass der Plastikmüll eine der größten Bedrohungen unserer Umwelt ist. Aber sogar das Wasser trinken wir aus Plastikflaschen, die extra für die einmalige Nutzung produziert werden. Um unser Gewissen zu beruhigen, nennen wir diese dann Pfandflaschen. Obwohl das Pfand nur das Ziel hat, dass diese Flaschen nicht in der Natur landen bzw. von Flaschensammlern wieder eingesammelt werden.

Aber nicht nur die süße und pappige (und spottbillige) chemische Brause kommt aus der Plastikflasche vom Discounter. Auch das Joghurt, viele Milch- und Kunstgetränke, oft in Kleinstpackungen, alles kommt „in Plastik“ daher.

Das gilt für die meisten Nahrungsmittel und Produkte. Es findet ein „Verpackungs-Overkill“ statt, einfach um die Logistik möglichst billig hinzukriegen. Und weil das nicht genügt, ver(sch)wenden wir ungeahnte Mengen an Plastikbeuteln – pro Bürger in Europa sollen im Jahr über 500 verbraucht werden.

Bequemlichkeit ohne Ende

In der zur Schau gestellten weißen Villa läuft morgens der große Fernseher, obwohl das Wohnzimmer leer ist. Die Bewohner müssen immer viel unterwegs sein – trotzdem läuft die Umwälzpumpe und jagt das warme Wasser durch die Rohre, damit an allen Hähnen und Duschen im Haus immer sofort warmes Wasser verfügbar ist.

Geduscht wird mindestens zweimal am Tag. Die Außenwände der weißen Villa leuchten Tag wie Nacht im LED-Kleid, um das moderne Design zu unterstützen. Licht brennt in vielen Zimmern, obwohl man ja immer nur in einem sein kann. Licht schalten wir sowieso gerne ein, aber nicht aus.

Die Wege werden – meistens ganz alleine – immer mit dem Auto zurückgelegt. Ist der Weg länger als der Karren so wird gefahren. Aus Sicherheits- und Prestigegründen schleppen wir so immer ein bis zwei Tonnen schönstes Blechkleid mit uns herum – für den Transport unserer 60 – 95 Kilo. Obwohl es eigentlich ganz unpraktisch ist. Aber was soll es, das in der Produktion so wichtige Prinzip Kaizen, das dort besonders an menschlicher Arbeit spart, spielt im privaten Leben keine Rolle.

Alle paar Jahre leisten wir uns ein neues Monstermobil. Noch stärker und größer als das alte. Mehr Chrom, mehr Funktionalität. Aggressives Licht, ohne Rücksicht auf Fußgänger. Das Design der Monsterkisten strahlt jedes Jahr noch mehr die egozentrierte Ignoranz und Arroganz des Autofahrerlebens aus.

Wir können uns das leisten, weil es uns so gut geht, denn wir sind ja so tüchtig!

Dummerweise stimmt das gar nicht. In Summe – kollektiv und oft auch privat – müssen wir uns dafür gehörig verschulden. Aber wir gehören zu der Minderheit von Menschen auf diesem Planeten, die halt Kredit kriegen. Von wem eigentlich?

So können wir uns voll und ganz um unsere „Luxus-Probleme“ kümmern. Wie können wir uns selbst verwirklichen? Wie werden wir uns heute Abend amüsieren? Wie können wir unseren Wohlstand weiter mehren und absichern.

Jeden Tag müssen wir schwere Entscheidungen fällen: Gehen wir italienisch, indisch oder doch lieber Bayerisch essen? Gehen wir in die Kneipe oder ins Fitness-Studio, in die Oper oder ins Kino.

Das alles mag so sein wie es ist. Aber ich ärgere mich, wenn wir so leben und handeln und dann von Nachhaltigkeit reden. Und das noch möglichst nachhaltig (Ab und zu ärgere ich mich dann auch über mich).

Was tue ich dagegen?

Ich versuche mein Leben in kleinen Schritten zu ändern. Trinke kein Wasser oder Limo aus Plastikflaschen vom Discounter mehr. Versuche Autofahren wenn irgendwie möglich zu vermeiden. Nichts Sinnloses mehr zu kaufen und Energie nicht mehr zu verschwenden. Nicht in die vielen Fallen unserer Konsum- und Versorgungswelt zu fallen. Die einfachen Dinge zu genießen, die die Natur mir täglich schenkt. Schritt für Schritt ein wenig bescheidener werden und mich auf meine Wurzeln zu konzentrieren. Ist zwar nicht einfach, gelingt aber immer ein wenig besser.

Und ab und zu schreibe ich einen Artikel wie diesen.

RMD

1 Kommentar zu “Was ich nicht mag … #5 Nachhaltig von Nachhaltigkeit reden, aber nichts tun.”

  1. Chris Wood (Samstag, der 23. Juli 2011)

    I am a follower of Roland. Unless it is raining hard, I cycle daily 15 km instead of driving. I drink tap water. My daughters are slightly „green“, although I have not managed to convince them properly. In other ways, I try to live economically. This eases my conscience slightly regarding the people of the world who live in poverty, while we waste resources. Despite sustained pricks of conscience, I do little for the poor. But I pay my taxes and hope that Germany will do something for the poor of the world.
    In one way I am greener than Roland; I have caused less population growth.
    I can answer Roland’s question about where we borrow money from. Mostly Germans and Germany borrow money from banks and Germans. This is still so, although things have become rather more international in recent decades. (For instance German bank-lending to the Greek state is only about 5€ per German head). The poor and the state borrow from the rich. The young borrow from the old. The very poor hardly borrow because they cannot offer security.
    For instance IFAG, (effectively its shareholders), has money deposited at (lent to) the bank, ready for hard times. The banks lend out much more money than they borrow, (perhaps a factor 10). They operate on the principle that their creditors will not all demand their money at once. They give promises of payment, which are regarded by all as „real“ money. They offer higher interest rates to those who commit their loans longer. If the banks all crashed, all the creditors would lose their money, while the borrowers would not (could not) pay back their loans. To extreme socialists, this may seem OK, spreading wealth more equally. But it would destroy the (capitalist) system, undermining the way we live, and producing extreme poverty. Only a few people with guns would profit, and most people would starve.
    It may be objected that most people survived the Russian revolution. But things have progressed since then. Of course, if a complete bank crash could be limited to one country, things would not be so bad, but this seems impossible.
    It used to be rather unfair that the rich got richer by lending money. But that hardly happens now. The interest and dividends are usually consumed by inflation and taxes. Moderate wealth gives a sense of security, (the money is there when needed), but it hardly permits sustained luxury and idleness over generations.
    (I invite corrections).

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