Roland Dürre
Dienstag, der 17. September 2013

Was ich nicht mag #32 – Die Verkommenheit der Speaker …

Immer wieder gehe ich auf Veranstaltungen von allen möglichen Organisationen, um Neues zu erfahren. Vielleicht auch um ein wenig zu vernetzen. Dort höre ich mir Vorträge an.

Die Sprecher sind oft schillernde Persönlichkeiten und haben klangvolle Titel. Auf ihren Visitenkarten stehen dann Bezeichnungen wie „Autor und Key Speaker“, „Innovationsmacher uns Instruktor“ oder „Trainer und Referent“, oft auch Professor an einem mehr oder wenig renommierten Institut. Natürlich sind sie Mitglied bei der GSA (German Speaker Association) oder anderen Vereinen dieser Art. Und geben vor, sich zu irgendeinem meist nicht sehr präzisen Thema ganz besonders gut auskennen.

Und dann ziehen sie vom Leder. Mit zu offensichtlich angeübter Rethorik präsentieren Sie Folien, die sie schon zigmal vorgetragen wurden und auf denen sie nur Ort und Datum verändert haben. In ihrer Schau verketten sie altbekannte Psycho-Tricks mit Banalitäten, bringen nur auf dem ersten Blick witzige Karikaturen ein. Dafür vermischen sie eifrig populistische mit vermeintlich provokativen Thesen.

Bei jedem Vortrag wiederholen sie die selben flachen Witze und lachen auffällig routiniert an den immer gleichen Stellen. Die Vorurteile ihrer Zuhörer nutzen sie eifrig zur Bestätigung manch krauser These. Im besten Fall machen sie dann noch ein wenig Kabarett.

Dann nehmen sie ihren Scheck und machen sich vom Acker. Von uns werden sie dann auch noch gefeiert, weil wir ja viel schlechtere Vorträge gewohnt sind. Von Menschen, die es gar nicht können, sich aber die Einladung zum Vortrag mit Sponsoring oder ähnlichem erkauft haben.

Die Schau-Redner unter uns scheinen mir immer mehr zu werden, aber ich mag sie nicht. Ein Vortrag sollte demütig und bescheiden sein. Der Referent sollte authentisch und redlich die Dinge berichten, die ihm wichtig sind. Darüber sprechen, was ihn bewegt, sein Wissen und seine Lebenserfahrung teilen und auf den ganzen Schnickschnack verzichten. Denn letzten Endes lenkt der doch vom Inhalt nur ab. Allerdings auch von den Unzulänglichkeiten.

Mit einem Satz:

Diese selbstverliebte Verkettung von Effekthascherei, Schaueffekten, Halbwahrheiten, mehr oder weniger dezenten Verschwörungstheorien und dem dauernden Spielen mit Effekten aller Art dieser kommerzialisierten neuen Vortragswelt geht mir auf die Nerven.

Und aus eigenem Erleben als Referent weiß ich, dass all das nicht nötig ist.

RMD

Be Sociable, Share!

Kommentar verfassen

*