Roland Dürre
Samstag, der 30. Juli 2011

Was ich nicht mag … #6 Texte mit Word schreiben

Bei InterFace haben wir selbst mal ein Textsystem geschrieben. Das war der HIT, bestens angetrieben vom CLOU. Eine klasse Software, die ein großer Erfolg wurde. Der HIT wurde zum Hit, denn er war einfach und leicht zu nutzen. Und es gab die CLOU-Bausteine, die den Menschen bei der Arbeit unheimlich geholfen haben.

Der HIT war aber nicht wysiwyg (What you see is what you get). Microsoft kam und dominierte die Bürowelt. Mit Windows setzten sich die grafischen Oberflächen auch in der Breite durch. Die Anwender meinten, sie müssten jetzt einen Desktop Publisher zum Briefe schreiben haben. So musste der HIT weichen. Und die Welt hat Word bekommen.

Früher habe ich viel programmiert. Am liebsten mit „vi“. Heute schreibe ich keine Programme mehr aber um so mehr Texte. Word oder OpenOffice verwende ich aber kaum mehr. Denn es gibt so viele einfache Editoren. Auf Linux, dem Mac oder integriert in Web-Anwendungen. Google gibt es auch noch. Dort kann man eh alles machen!

So liefere ich mich einem „word processor“ (das Wort ist schon grauenhaft) nur noch aus, wenn ich „prozesskompatibel“ sein muss. Und nutze solche Software nur noch selten, zum Beispiel zum Schreiben eines Protokolls.

Wobei OpenOffice auch nicht viel besser ist als word. Es hat dasselbe generische Problem: Beide Werkzeuge können zwar alles, aber deshalb nichts gescheit. So ist nicht nur Word so etwas von unlogisch, dass es einem ehemaligen Programmierer weh tut.

Beide Werkzeuge sind immer für überraschende Effekte gut. Ganz schnell verfängt man sich in einem Netz von Komplexität, aus dem es nicht immer einfach ist, wieder mit heilem Dokument heraus zu kommen.

Was mag ich nicht?

Selbst mit Word oder Open Office schreiben zu müssen! Oder anderen dabei zuschauen zu müssen. Das Zuschauen tut oft noch mehr weh. Besonders wenn ich mir überlege, wie viel Arbeitszeit da kaputt geht. Auch das Fluchen aus Nachbarzimmern nach einem „Word-Unfall“ finde ich unangenehm. Weil der „wordprocessor“ mal wieder macht, was er will, aber nicht was der Nutzer will.

Was mache ich dagegen?

Wenn ich selbst mit einem „word processor“ arbeiten muss, dann nutze ich immer nur möglichst wenig Funktionen. Ich gehe kein Risiko ein und vermeide Experimente. Und erstelle auch keine großen Dokumente. Mit Minimalismus trotze ich dem Mega-Werkzeug.

Für den schnellen Text verwende ich meistens den TextEdit vom Mac. HTML-Editoren mag ich gerne, wie z.B. den integrierten Editor in WordPress. Der ist zwar nicht frei von Fehlern und auch nicht wysiwyg. Aber zumindest habe ich wenig Stress, ich kann mühelos formulieren und es kommt (fast) immer raus, was ich will.

Beim Fluchen der Word-Nutzer höre ich weg. Wenn ich sehe, wie sich jemand mit word oder OpenOffice quält, verlasse ich den Raum und überlasse das Opfer seinem Schicksal. So vermeide ich auch die zynischen Bemerkungen, die mir auf den Lippen liegen. Auch wenn es mir schwer fällt.

Den alten Werkzeuge trauere ich ein bisschen nach. Selbst der von vielen gehasste „vi“ gemeinsam mit nroff und troff war ein wunderbares und logisches Werkzeug. Damit konnte man damals in unerreichtem Tempe schnelle und präzise Dokumente erstellen. Sogar „doculitity“ (hieß das so?) im BS 2000 unterstützt von EDOR oder EDT (wer kennt sie noch?) war effizienter als word und OpenOffice (das übrigens gar nicht mehr so offen ist).

TeX war und ist das effiziente Werkzeug für anspruchsvolle Diplom- und Doktorarbeiten. Gerade der Einsatz von TeX für die Erstellung von Verträgen oder Angebote würde in Unternehmen viel Zeit sparen und gewaltig den Stress mit großen und aufwändig strukturierten Dokumenten reduzieren. Aber da quälen sich die armen Kollegen mit Word herum und müssen dann manche Nacht unnötig im Büro verbringen oder am Wochenende nachsetzen, um den Termin im Kampf gegen den „word processor“ zu schaffen.

Aber so ein Vorschlag ist wahrscheinlich zu revolutionär. Und bevor ich als Spinner abgetan werde, höre ich lieber auf.

RMD

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