Roland Dürre
Freitag, der 31. Oktober 2008

Weltfinanz(wirtschafts-)krise und Gehälter ♫

Vor gut einem Jahr wurde mir ein junger Doktor der Mathematik aus guter Quelle sehr empfohlen, der von der Universität in die freie Wirtschaft wechseln wollte. Natürlich habe ich ihn sofort zu einem Gespräch eingeladen. So habe ich die Bekanntschaft eines jungen Mannes gemacht, der so ziemliche alle Talente hatte, die man sich vorstellen kann: Sympathisch, selbstbewusst, vertrauenswürdig, verbindlich, hoch intelligent, kompetent, zielorientiert und sichtlich mit guter Allgemeinbildung. Er konnte genau zu hören und war präzise in seinen Aussagen. Er verstand klug fachliche und vertriebliche Themen abzuwägen, sprach perfekt Englisch und sah auch noch gut aus. Wenn er einen Nachteil hatte, dann den dass er mit 29 Jahren nicht mehr so ganz jung und an Erfahrungen noch ziemlich “grün” war. Studium, Doktorarbeit und dann noch ein Jahr an der Uni, das kostet halt auch Zeit.

Allerdings hatte er außer LaTex und ein wenig Office keine IT-Erfahrung (sein Nebenfach war Physik, da schien er sehr beschlagen zu sein). Da ihm unser Unternehmen empfohlen wurde, wollte er die InterFace auch gerne kennen lernen und unser Unternehmen hat ihm gut gefallen. Trotzdem stellte sich schnell heraus, dass seine Zukunftspläne und unser Bedarf nicht zusammen passten. Trotz seiner vielen Qualitäten hätte es einige Zeit gebraucht, um aus ihm einen qualifizierten IT-Berater zu machen. Er wiederum wollte ein “richtiger” Unternehmensberater werden und nicht in die IT gehen. Da wir uns gut verstanden, blieben wir eine Zeit lang in Kontakt.

So habe ich erfahren, dass er (wohl aufgrund seines Alters) bei den Unternehmensberatungen wie McKinsey oder BCG nicht zum Zuge kam. Dafür gelang es ihm, bei einem kleinen Finanzdienstleister mit einem ganz “innovativen” Produkt unterzukommen. Und sein Gehalt dort war ungefähr 2,5 mal so hoch wie das, was ein Berufsanfänger bei einem Informatik-Unternehmen verdienen kann. Ich habe mich dann erkundigt, wie die Gehaltsstrukturen für universitäre Berufsanfänger aussehen und ich musste lernen, dass junge “Highperformer” tatsächlich bei den Unternehmen, die jetzt unter den Milliarden-Schutz-Schirm der Bundesregierung flüchten, Startgehälter erreichen, die 2 – 3 Mal so hoch sind, wie das eines guten Informatikers oder Ingenieurs. Bei den berühmten Beraterfirmen ist nach meinen Kenntnissen “nur” das 1,5 bis 2 Fache drin.

Allerdings musste er bei seinem neuen Arbeitgeber dann an sechs Tagen eher 14 als 12 Stunden arbeiten. Und als Dankeschön sind sie dann auch gelegentlich am Samstag auf Kosten des Unternehmens kurz mal nach London geflogen und haben dort beim prominenten Abendessen einen besonders guten Abschluss gefeiert.

Für junge Leute, die an so etwas interessiert sind, hier noch kurz die Gehaltssystematik der InterFace AG. Unsere Kollegen sind in der Regel unbefristet angestellt. Wir haben drei Gehaltskomponenten, eine davon fix und zwei variabel:

  • Das Grundgehalt (GG)Thomas Vallon, verantwortlich bei uns für das Geschäftsfeld “IT-Organisation” und unser Personalvorstand, sagt es so: “Das GG sollte auf jeden Fall eine Höhe haben, die hoch genug ist, um die Basisbedürfnisse gut erfüllen zu können”.
  • ein individuelles Leistungsgehalt (iLG)Das iLG ist eine konservative Gehaltskomponente und berücksichtigt auf einfache Art und Weise die individuelle Wertschöpfung des Kollegen
  • eine individuelle Erfolgsbeteiligung (iEB)Die iEB ist eine innovative Gehaltskomponente. Sie wird durch einen Basisbeitrag definiert, der abhängig von der Höhe des Ergebnisses skaliert wird. Das Besondere ist, dass der Grundbetrag schon bei einem (hoffentlich auch in Zukunft eher theorethischen) Null-Ergebnis ausgezahlt wird.

Die Definition der einzelnen Gehaltskomponenten wie das Verhältnis von “festem zu variablen Anteil” werden im Gehaltsgespräch festgelegt und einmal im Jahr gemeinsam überprüft und angepasst. Das hat sich ganz gut bewährt und wir hoffen, dass wir so gemeinsam die ja von so vielen erwartete Rezession ordentlich bewältigen werden.

RMD

P.S.

Hier fällt mir auch ein passendes Lied (Vorsicht: Musik!) ein!

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3 Kommentare zu “Weltfinanz(wirtschafts-)krise und Gehälter ♫”

  1. JUS (Samstag, der 1. November 2008)

    Zu “innovativem Produkt” eines Finanzdienstleisters fällr mir nur folgendes ein (nicht von mir)

    Der junge Chuck will mit einer eigenen Ranch reich werden. Als Anfang kauft er einem Farmer ein Pferd ab.

    Er übergibt dem Farmer seine ganzen 100 Dollar und dieser verspricht, ihm das Pferd am nächsten Tag zu liefern.
    Am nächsten Tag kommt der Farmer vorbei und teilt Chuck eine schlechte Nachricht mit: “Es tut mir leid, Kleiner, aber das Tier ist in der Nacht tot umgefallen.” Meint Chuck: “Kein Problem. Gib mir einfach mein Geld zurück.

    “Geht nicht”, eröffnet ihm der Farmer. “Ich habe das Geld gestern bereits für Dünger ausgegeben.”
    Chuck überlegt kurz. “Na dann”, fängt er an, “nehme ich das tote Biest trotzdem.”

    “Wozu denn?” fragt der Farmer.
    “Ich will es verlosen”, erklärt ihm Chuck. “Du kannst doch kein totes Pferd verlosen!”, staunt der Farmer.
    Doch Chuck antwortet: “Kein Problem! Ich erzähl’ einfach keinem, daß es schon tot ist…”

    Monate später laufen sich Chuck – fein in Anzug und schicken Schuhen – und der Farmer in der Stadt über den Weg.

    Fragt der Farmer: “Chuck! Wie lief’s denn mit der Verlosung des Pferde-Kadavers?” – “Spitze”, erzählt ihm Chuck.
    “Ich habe über 500 Lose zu je 2 Dollar verkauft und meine ersten 1000 Dollar Profit gemacht.” – “Ja… gab’s denn keine Reklamationen?” – “Doch – vom Gewinner”, sagt Chuck. “Dem habe ich dann einfach seine 2 Dollar zurückgegeben.”

    Heute verkauft Chuck strukturierte Finanzprodukte bei Goldman Sachs.

  2. Chris Wood (Sonntag, der 9. November 2008)

    I know a young man who fell into the burnout trap. Now he has not worked and has avoided most social contact for a couple of years. I do not understand how this can happen to somebody from a good happy family background. I am very glad that it did not happen to me.

  3. Thomas Elstner (Dienstag, der 13. Januar 2009)

    Ja mit Betrug kann man besser leben.
    Der Gedanke ging mir schon beim jungen Mathematik-
    Doktor, der Finanzdienstleister wird, durch den Kopf.

    Wenn alle gleich betrügen, hätte ich damit kein Problem. Aber wenn Wenige derart betrügen und die ganze Welt auf der Kippe steht, dann schon.

    Thomas Elstner

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