Roland Dürre
Montag, der 11. März 2019

Wem gehört das Internet … ?

I wonder if he knows the answer?
Römische Kopie eines griechischen Platonporträts, das wohl von Silanion stammt und nach dem Tod Platons in der Akademie aufgestellt wurde, Glyptothek München.

Ich behaupte ja, dass man erst nach Lösungen suchen soll, wenn man die „richtigen“ Fragen gestellt hat. Mich beschäftigt zurzeit, nicht nur in meinen Vorträgen, wie es mit der Digitalisierung weiter gehen wird.

Ich fürchte, dass das Internet auf verschiedenen Ebenen gefährdet ist. Also überlege ich mir zentrale Fragen.

Eine ganz wichtige Frage dazu ist:

Wem gehört das Internet?

Das meine ich genauso, wie ich es schreibe. Mein Smart-Phone wie meine Rechner, die ja auch Teil des Internets sind, gehören mir. Aber wem gehören die ganzen Leitungen und Rechenzentren, die es für das NETZ braucht? Und wer hat die Definitions-Hoheit? Wer beschließt eine Umstellung der Protokolle, wenn dies aufgrund von Nutzer-Veränderung notwendig sein sollte? Wer regelt die Sicherheit? Wer hat die Verantwortung, wenn die Infrastruktur kaputt ist?

Die Frage habe ich jetzt auch schon ein paar Mal gestellt. Weil ich die Antwort nicht weiß. Ich habe sie sehr klugen Menschen gestellt, die normaler Weise alles über Digitalisierung und verwandte Themen wissen. Aber auch die konnten sie mir nicht beantworten.

Aber vielleicht wissen das meine Leser?

Dann beantwortet bitte auch gleich weitere Fragen, wie zum Beispiel:

Wem gehört Wikipedia?

Unsere riesige Lexika-Infrustruktur. Die einzigartig unabhängig und frei ist. Auch frei von Werbung. Die keinem Konzern und keiner Partei gehört. Von Ehrenamtlichen gestaltet und von Spenden finanziert wird. Ein wunderbares Beispiel für „Open Source“. Etwas, auf das die Internet-Community stolz sein könnte.

Was machen wir, wenn es nicht mehr genug Wikipedianer bereit sind, diese immer wachsende Infrastruktur weiter zu pflegen? Wenn die Technologie veraltet und das System verfällt. Wer bekommt oder übernimmt das Wikipedia-Imperium, wenn es zusammenbricht?

Oder habt Ihr da noch mehr so spannende Fragen? Wie z.B. was mir machen, Youtube und ähnliche Dienste abgeschaltet werden?

Freue mich über Antworten und Fragen.

RMD

4 Kommentare zu “Wem gehört das Internet … ?”

  1. oli (Montag, der 11. März 2019)

    Das Internet gehört niemanden. Jeder kann an irgendein „Ende“ ein Kabel hängen und dahinter ein weiteres Netz anbinden. Nimmt man das Kabel wieder weg hat man wieder zwei getrennte Netze. Eines ist halt größer und wird Internet genannt ;-).

    Die beiden Teile müssen jeweils akzeptieren, dass auf der anderen Seite „auch was ist“ und wie man das erreichen kann.

    Wer das Internet schon lange kennt, kann sich erinnern, wie früher oft die Verbindung nach Amerika (nicht nur USA) wegbrach. Dann gab es zwei Internets..

    Rein technisch gehört das Internet also niemanden, weil es nicht nur „ein Internet“ gibt ;-).

    Mir „gehören“ auch 256 IPv4-Adressen (zumindest gibt es ein gemeinsames Verständnis darüber, dass kein anderer diese Adressen nutzen darf). Auch wenn mein Teil kleiner ist, ist er auch nichts anderes, wie der Teil der Internets, den die Telekom so betreibt.

    Rein faktisch/politisch gibt es halt Gremien (die früher einfach mal gewählt waren), die Regeln festlegen und manchmal sogar durchsetzen.

  2. rd (Montag, der 11. März 2019)

    Danke!
    Ich sehe es auch so.
    Nur:
    Sollte etwas, das niemanden gehört, nicht allen gehören? Beim Internet ist es nicht so. Es gehört vielen verschiedenen …
    Dann noch ein paar Fragen.
    Sollte das Internet vom Wesen her „Allmende?“ sein?
    Und wem gehören die Güter der Allmende?
    Wer sind die Gremien und wie funktionieren sie?

  3. rd (Montag, der 11. März 2019)

    Und noch eine Anmerkung. Die Antwort von oli zeigt, was für eine tolle und freie Vision das Internet war. Ich finde es richtig schade, dass diese Vision immer mehr von der Realität eingeholt wurde und bedroht wird.

  4. oli (Montag, der 11. März 2019)

    Die Gremien werden (oder sind) leider immer mehr institutionalisiert, was zum einen eine logische Folge ist und zum anderen natürlich auch sinnvoll für einen stabilen Betrieb.

    Früher hat man eine Mail geschrieben und IP-Adressen bekommen. Ich hab meine zu einem anderen Uplink mitgenommen.. das war dann doch schwierig, weil die jetzigen Gremien gar nicht glauben können, dass das früher einmal so einfach war.

    Aber mit IPv6 gibt’s wieder viel Platz, jeder kann wieder sein eigenes Netz aufmachen. Wenn du es schaffst, genügend auf deine Seite zu ziehen, bist du das Internet und die anderen sind bei dir angeschlossen ;-).

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