Roland Dürre
Sonntag, der 16. Januar 2011

Wie schnell ist man mit dem Auto wirklich?

Immer mehr erkenne ich, dass Autofahren eigentlich ziemlich sinnlos ist (außer als männliches Spielzeug fürs Ego. Und natürlich, um bei schönen Frauen Erfolg zu haben). Heute geht es zum Kosten- bzw. Aufwandsaspekt.

Vor kurzem kam in Bayern 2 ein lustiger Beitrag. In dem wurde berechnet, welche Durchschnittsgeschwindigkeit man mit dem Auto schafft, wenn man alle Aufwände einbezieht, die man fürs Autofahren erbringen muss. Heraus kam in diesem Beitrag eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6 km/h. Das ist immerhin 50 % schneller als zu Fuß.

Ich habe mal die Gegenprobe (über die Kostenrechnung) gemacht und komme zu folgenden Zahlen:

Dabei gehe ich davon aus, dass die Gesamtkosten für einen PKW der Golfklasse bei einer Kilometerleistung von 15.000 – 20.000 im Jahr so ungefähr 500,- € im Monat kostet. Das wären im Jahr 6.000 EURO. Bei 15.000 km Fahrleistung im Jahr ergibt sich ein Wert von 40 cent/km bei einer Tagesleistung von durchschnittlich 41 km.

Wie ich das am Stammtisch vorgetragen habe, hat mein Freund Walter gleich eingewandt, dass meine Rechnung falsch wäre. Sein Dreier-BMW koste ihm zwischen 60 und 70 Cent. Walter ist im Zivilberuf Geschäftsführer und ein sehr guter Kaufmann. Aber weiter mit der Rechnung …

Nehmen wir an, der Fahrer ist ein City/Umland-Fahrer, dann dürfte er maximal einen Schnitt von 40 km/h schaffen. Er muss also täglich mindestens eine Stunde im Auto verbringen.

Jetzt gehe ich davon aus, dass unser Muster-Autonutzer 40.000 € brutto verdient. So schlecht ist das gar nicht. Dann muss er 10.000 € seines Bruttogehalts (alles mal so grob überschlagen), also ein Viertel fürs Auto abzweigen.

Der Walter vom Stammtisch bräuchte für seinen BMW ja gut 50 % mehr, das wären dann über 15.000 € im Jahr. Da er aber besser verdienen sollte, wird das Verhältnis auch hier wieder passen. Aber zurück zur Rechnung …

Wenn ich davon ausgehe, dass die Arbeitszeit am Tag brutto (inklusive Arbeitsweg, Mittags- und Zigarettenpausen) 10 Stunden (entspricht 50 Stunden in der Woche) beträgt, dann macht das Viertel fürs Auto 12,5 Stunden aus. Das sind dann bezogen auf den Werktag 2,5 Stunden, auf die Woche knapp 2 Stunden fürs Auto.

Man muss also zwei Stunden arbeiten, damit man eine Stunde im Auto sitzen darf. Eine grauenhafte Vorstellung. Und dann muss man auch noch viel von seiner Freizeit fürs Auto einsetzen: Scheiben vom Eis befreien, Auto im Parkhaus suchen, Parkschein bezahlen, Tankstellenbesuche, Reifenkontrolle, Reparaturen und Werkstattbesuche, Rechtsstreit mit Unfallgegner, Bußgelder bezahlen, Krankenhausaufenthalte nach Unfällen … Und am Sonntag dann auch noch Auto waschen und polieren.

Ja – jetzt sind wir schon bei deutlich mehr als 3 Stunden für die 41 km. Ist aber immer noch viel besser als die 6 km/h vom Bayerischen Rundfunk. Irgendwo muss bei mir noch ein Fehler sein.

Das Leben ist natürlich auch hier ungerecht (wie das Fallbeispiel Walter zeigt). Wenn der Autonutzer z.B. 100.000 brutto verdient, dann ist das nur ein Zehntel seiner Arbeitszeit. Allerdings dürfte er sich dann auch keinen popeligen Golf leisten, sondern einen rassige Luxuslimousine oder einen SUV von AUDI, BMW, Mercedes oder gar einen Porsche. Die aber wiederum kosten schnell das doppelte pro km wie so ein Golf, 80 Cent bis 120 Cent pro Kilometer sind da schnell erreicht. Und schwupp die wupp, schon muss auch der reiche Mann wieder ein Viertel oder mehr seiner Zeit fürs Auto arbeiten.

Wobei mein letzter Schluss jetzt doch wieder ein Blödsinn war. Wer in Deutschland einen großen SUV, die S-Klasse oder einen Porsche fährt, der fährt und versteuert diesen natürlich als Geschäftsauto. Und dann zahlen die restlichen Bürger doch einiges dazu.

Komme so immer mehr zur Überzeugung, dass Autos geniale Instrumente zur Ausbeutung der Menschen sind. Fahre also nicht mehr Auto. Und fühle mich viel wohler, seitdem ich nicht mehr Auto fahre. Weil eines verwehrt mir das Auto – ich kann mich nicht aus eigener Kraft fortbewegen – und darum geht es ja im Leben. Dazu müsste ich das Auto ja vor mir herschieben – wäre zwar gut für die Kondition – aber das ist mir wirklich zu blöd … Dann doch lieber übers Auto blödeln.

RMD

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