Roland Dürre
Sonntag, der 27. März 2016

Wieder eine Erstaufführung im Torturmtheater!

Und das Stück wurde bei InterFace in Unterhaching erarbeitet!

Torturmtheater-Sommerhausen_Auquarell_SpielplanDieses Jahr wird das Torturmtheater 40 Jahre alt. Gleich zum Start in die Jubiläums-Saison startet es mit „einem Stück aus Unterhaching“.

Das freut mich. Schon seit einigen Jahren erstellt das Torturmtheater manche seiner Produktionen in intensiver Arbeit in den Räumen der InterFace AG in Unterhaching. Der Grund ist einfach, die meisten der Mitwirkenden sind häufig aus dem Münchner Raum und Proberäume in München sind nicht leicht zu bekommen. Gespielt wird dann am traditionellen Torturm in Sommerhausen.

Zur Erinnerung: 1976 hat Veit Relin dieses ganz kleine und so wunderbare Theater in Sommerhausen (ganz in der Nähe von Würzburg) nach dem Tod von Luigi Malipiero wieder eröffnet und mit Ur- und Erstaufführungen im Rahmen eines niveauvollen wie außergewöhnlichen Spielplan überregional bekannt gemacht.

Die Saison 2016 eröffnet das Torturmtheater mit der deutschen Erstaufführung
Eine pornographische Beziehung von Philippe Blasband. Die deutsche Uraufführung findet am Mittwoch, den 30. März um 20.00 Uhr statt. Es spielen Zhanna Kalantay und Murali Perumal unter der Regie der einmaligen Eos Schopohl. Für die Auswahl des Stückes, die Ausstattung und vieles mehr zeichnet wie immer Angelika Relin verantwortlich.

Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Ja, sie liebten sich, obwohl sie am Anfang nichts anderes als die Erfüllung ihrer Begierde, ihrer Neigungen ausleben wollten – dafür hatte sie eine Annonce aufgegeben. Sie kennen nichts voneinander; namenlos sind sie durch die Anonymität geschützt, auch voreinander. Die lästigen Details des Alltags fallen weg, das gibt ihnen Freiheit. Doch bald verstehen sie, daß sie sich lieben, vielleicht könnte es die Liebe ihres Lebens werden…

Im entscheidenden Moment fehlt ihnen jedoch der Mut. Zurück bleibt am Ende die bittersüße Erinnerung an eine nicht gelebte Chance, vor allem aber an eine leidenschaftliche Liebe.

Philippe Blasband ist mit dieser Geschichte eines Paares, das keines sein wollte ein kluges, erotisches Kammerspiel mit sensibler Komik gelungen.

Zur Jahresvorschau 2016 schreibt Angelika Relin:

Starten werden wir im Frühling am 30. März gleich mit einer Erstaufführung – Eine pornographische Beziehung! Einer melancholischen Liebesgeschichte, nicht ohne Komik, auf alle Fälle sehr intensiv…
(Dazu habe ich oben berichtet). 

Danach loten wir den ganz normalen Wahnsinn unserer heutigen Konsumgesellschaft aus und bringen den Irrwitz auf den Punkt. Allein schon der Titel Wenn ich was anderes machen würde, würde ich vielleicht nicht immer ans Geld denken ist so skurril, daß man einfach neugierig sein muß. Ein Abend, den Sie auf keinen Fall verpassen dürfen – schrill, bizarr und unendlich komisch, auch wenn die schrägen Wahrheiten des Alltags eigentlich schon wieder traurige Clowns erschaffen.

Der Sommer setzt sozusagen an der Achillesverse unserer Demokratie an, welche die Gesellschaft quer durch alle Schichten spaltet – so wie unsere Protagonisten auf der Bühne, diese zwei Pärchen aus dem Mittelstand, die sich als Nachbarn mit neidvoller Herzlichkeit annähern. Als Barbara eines Nachts einem Flüchtling Asyl gewährt prallen in dieser bitterbösen Farce Wohlstandsängste und die Faszination am Fremden ungebremst aufeinander. Mit rabenschwarzem Humor gehen hier alle im Wechselbad verlogener Menschlichkeit unter. Wir sind keine Barbaren müssen Sie sehen, auch wenn Ihnen das Lachen bestimmt im Halse stecken bleibt.

Im Herbst kitzelt dann noch Das Abschiedsdinner ihr Zwerchfell, in dem es mit seiner perfiden Moral die Idee der Freundschaft versucht ad absurdum zu führen. Aber wie so oft im Leben kommt es anders als man denkt…

Soweit die Jahresbotschaft 2016 von Angelika Relin. Hier geht es zum Spielplan!

Wie seit Jahren werde ich mir auch 2016 wenn irgend wie möglich alle vier Aufführungen im Hofturmtheater anschauen. Nicht nur, weil es jedesmal so tolles Theater ist. Sondern auch weil es für Barbara und mich so zu vier immer ganz besonders schönen Ausflügen nach Sommerhausen langt. Leider kann ich an der Premiere von „der pornographischen Beziehung“ nicht teilnehmen, weil ich da noch in China weile. Aber für den 16. April habe ich schon zwei Karten für uns reserviert. Und freue mich, wenn ich bekannte Gesichter sehe!

RMD

P.S.
Wer nach Sommerhausen will, fährt am besten mit dem Regionalexpreß nach Winterhausen, das gleich gegenüber auf der anderen Seite des Mains liegt. Vom Bahnhof Winterhausen sind es dann zu Fuß über die Mainbrücke zum Theater nur noch ein knapper Kilometer. Den Zug verlässt man übrigens am besten am Ende, wenn man in Richtung Würzburg fährt.

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