Roland Dürre
Dienstag, der 2. November 2010

Wikipedia #14 – Wikipedia und die Philosophie

Beim Philosophie-Seminar bei Klaus-Jürgen Grün an diesem Wochenende haben wir beim Versuch, einen Konsens zu finden, auch Wikipedia bemüht. Es ging um offene Fragen zu Heinrich Wilhelm von Kleist und seiner Novelle vom Erdbeben in Chili.

Ich hab die Gelegenheit genutzt und die zahlreich anwesenden Philosophen (Studenten, Doktoranden und einen Professor) zur Qualität von philosophischen Artikeln im deutschen Wikipedia befragt.

Die erstaunlich einhellige Antwort war:

Die Artikel wären in der Regel ausgezeichnet, höchst kompetent und sehr ausgewogen. Deshalb würden die meisten Philosophie-Fakultäten Wikipedia mittlerweile als Referenz anerkennen!

Trotz meiner Begeisterung für Wikipedia war ich da ein wenig verwundert. Gibt es doch in Wikipedia eine ganze Reihe von Artikel zu fachlichen oder historischen Themen aus dem Bereich der Informatik, die zwar prinzipiell nicht falsch aber alles andere als ausgereift sind. Und entdecke ich da doch immer wieder nicht nur Kleinigkeiten, die mehr als verbesserungswürdig sind!

Kein Vergleich mit den obigen Aussagen der Philosophen. Klar, dass mir auch hierzu eine Erklärung einfällt:

Informatiker haben weniger Zeit als Philosophen. Sie haben zu viel zu tun und denken vor allem ans Geld verdienen. Die pensionierten Informatiker haben dann die Nase von der Informatik so gestrichen voll, dass sie „den Griffel komplett weg legen“ und im Ruhestand gar nichts fachliches mehr machen.

Philosophen aber bleiben ein Leben lang Philosophen und können das philosophieren nicht sein lassen!

Die Philosophen haben noch einen Vorteil gegenüber uns Informatikern: Sie haben gelernt, präzise zu formulieren. Wir Informatiker sind die Weltmeister im Lösen von Problemen durch die Kunstsprachen der Programmierung, aber nicht in der Lage, komplizierte Zusammenhänge in Natursprache einfach zu erklären.

Deshalb:

Liebe Informatiker, denkt ein wenig weniger ans Geld verdienen und kümmert Euch mehr um Eure fachliche Disziplin, dies auch in Wikipedia! Macht gerade auch im Ruhestand damit weiter und übt Euch zu diesem Zweck so nebenbei ein wenig in Philosophie!

RMD

4 Kommentare zu “Wikipedia #14 – Wikipedia und die Philosophie”

  1. Chris Wood (Dienstag, der 2. November 2010)

    As a retired IT specialist with little further interest in computers, I agree largely with Roland’s diagnosis. But there are other possible explanations.
    IT moves too fast; I find nothing wrong with the Wikipedia piece on Cobol.
    It is difficult to keep pace with IT above retirement age.
    One should read Wikipedia in English for IT material. Germany does not occupy as prominent a place in IT as in philosophy.

  2. kuhn hans-peter (Dienstag, der 2. November 2010)

    Lieber Roland,

    Bin sicherlich kein Philosoph und vermute zudem immer das schlimmste, das erspart schlechte und bringt oft gute Überraschungen.

    In diesem Sinne: Vielleicht sind die von Dir befragten Philosophen gerade die Autoren der Wikipedia Artikel, die so über den grünen Klee gelobt werden. Erscheint mir eigentlich auch logisch denn Intellektuelle halten meist nicht viel von den Gedanken, die andere zu Papier bringen.

    Aber das rückt natürlich die IT-Artikel keinesfalls in ein besseres Licht.

  3. kuhn hans-peter (Dienstag, der 2. November 2010)

    Herzlichen Glückwunsch zum 900. post!!!

    Meine 101, Grünsixs 77 und Edwins 34 sehen recht bescheiden dagegen aus.

  4. rd (Mittwoch, der 3. November 2010)

    @Hans-Peter:
    Danke! Ist mir aber gar nicht aufgefallen. Ist ja irgendwie beängstigend. Jenseits der 60 und schon bald 1000 Posts. Sieht so das Ende aus 😉 ?

Kommentar verfassen

*