Auf folgenden Text – erschienen in der SZ (wohl in der Wochenendausgabe vom 9./10. Mai – nur auf Papier) hat mich ein mit mir eng befreundeter Leser hingewiesen. Er schrieb mir:

Lieber Roland,
am Wochenende hatte ich etwas Zeit in der Süddeutschen zu schmökern. Da sind mir die beiden Artikel aus dem Anhang aufgefallen. Einmal dieser irische Student mit dem gefälschten Wikipedia-Eintrag – dies hat natürlich unser Vertrauen in Wikipedia wieder stark beeinträchtigt …

Der zweite in der E-Mail erwähnte Artikel bezog sich übrigens aufs Bloggen und ist auch sehr lesenswert. Aber zurück zum ersten …

Hier der Artikel vom irischen Studenten (Originalton Süddeutsche):

Shane Fitzgerald, 22, irischer Student, hat Zeitungen wie den britischen Guardian mit einem gefälschten Wikipedia-Eintrag in eine peinliche Lage gebracht. Nach dem Tod des französischen Komponisten Maurice Jarre fügte Fitzgerald im März ein Zitat in das Internet-Lexikon ein, das er sich selbst ausgedacht hat, schreibt die irische Tageszeitung Irish Times. Ohne die Herkunft des Ausspruchs „Wenn ich einmal sterbe, wird in meinem Kopf ein letzter Walzer spielen, den nur ich hören kann“ zu prüfen, übernahmen ihn etliche britische, indische und australische Zeitungen für ihre Nachrufe auf Jarre. Fitzgerald sagte, er habe für eine Studienarbeit in Soziologie ausprobieren wollen, wie sehr Journalisten sich mittlerweile auf das Internet verlassen und wie gefährlich dies sei.

Das ärgert mich:

Seit Monaten versuche ich (nicht nur) meinen Freund davon zu überzeugen, dass Wikipedia eine aufregende, ernst zu nehmende und seriöse Geschichte ist. Und immer wieder, wenn ich ihn ein wenig überzeugt habe, dann kommt wieder so ein Artikel. Und verunsichert ihn und auch seine Frau, die Lehrerin ist. Und viele Lehrer stehen Wikipedia wie dem ganzen Internet sehr skeptisch gegenüber. Das sind aber die Menschen, die den Kindern in den Schulen wissen vermitteln sollen.

Wenn ich über einen Sachverhalt in der Zeitung lese, den ich zufällig mal persönlich kenne, entdecke ich häufig grobe Unrichtigkeiten. In den Zeitungen steht generell viel Falsches oder zu mindest in wesentlichen Teilen Unrichtiges. Wenn dann mal eine Zeitungsente ihre Ursache in Wikipedia hat, wird das dann immer gleich groß herum posaunt und auf die vermeintliche Unzulässigkeit von Wikipedia verwiesen.

Dabei gibt es doch Fälschungen immer und überall. Auch Euroscheine sind ab und zu falsch, und trotzdem nimmt man sie gerne.

Aber mit einem geschickt gewähltem Zitat, dass durchaus zu Jarre passt, zeigen zu wollen, wie gefährlich es ist, sich aufs Internet zu verlassen, finde ich schon frech. Und noch dümmer finde ich, dass die SZ solchen Humbug berichtet, ohne ihn angemessen zu kommentieren. Das ist kontraproduktiv. Viel wichtiger wäre es, Mitstreiter für Wikipedia zu finden, die auch helfen können, solche (leichte) Schwächen zu verbessern.

In Wikipedia habe ich übrigens nur einen Footballer mit dem Namen Shane Fitzgerald gefunden, allerdings als orphan. Der ist auch 22 Jahre alt. Gibt es den wirklich, oder ist das ein zweiter Scherz vom selben Shane?

RMD

1 Kommentar zu “Wikipedia und ich #8 – „Wikipedia und die Presse“ oder „Humbug“”

  1. Chris Wood (Montag, der 18. Mai 2009)

    One should mention that newspapers (e.g. SZ) have good reason to cast doubt on wikipedia, blogs and the internet. They compete with newspapers!

    In my TV magazine (concerning Rosamund Pilcher), I recently read that Cornwall has become poor due to the decline of mining and the textile industry! This gives a very false impression. There was some mining for china clay and tin (going back to Roman times). But agriculture, fishing and smuggling were surely more important (and perhaps even piracy). I never heard about a textile industry there. But of course there were spinning wheels.
    See http://www.cornwalls.co.uk/history/industrial/

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