Bild 1Wenn man sich regelmäßig in Twitter bewegt, dann erfährt man viel Neues. Es ist schon stark, wie man in virtuellen Beziehungen, die dann auch schnell real werden können, vernetzt Erkenntnisgewinn sammelt.

Barcamps und Socialcamps habe ich zuerst in meinem Twitterleben entdeckt. Ein Freund (natürlich der Stefan) wollte ein BarCamp für Projekt Management am Bodensee veranstalten. Spontan habe ich ihn (via Twitter) gefragt, was denn das eigentlich wäre, so ein BarCamp.

Bild 2Höflich, wie er nun mal ist, hat er mir geantwortet, dass er gerade unterwegs wäre.

Ich könne aber bei Wikipedia nachschauen, da gebe es auf Deutsch und Englisch eine recht gute Beschreibung.

Obwohl nicht so gemeint, war das für mich eine (schallende) Ohrfeige.

Predige ich doch immer:

Bevor Du (unnötige) Fragen stellst, schau erst mal bei Wikipedia nach!“

Denn dort findet man wirklich (nahezu) alles. Unvorstellbar, dass eine herkömmliche, kommerzielle Enzyklopädie das leisten kann.

Wir finden in Wikipedia auch exzellente Definitionen für Socialcamp und BarCamp und sogar Politics 2.0.

Barcamps haben eine Gemeinsamkeit mit Open Space. Wem diese Begriffe unbekannt sind, der lese sie doch mal nach. Wem nicht, der darf sofort weiterlesen!

Wenn ich an Barcamp und Open Space denke, dann fällt mir „Birds of a Feather“ ein. Das weckt bei mir Erinnerungen an meine Teilnahme an großartigen Uniforums (internationale UNIX-Tagungen) in Washington, Dallas oder San Francisco vor eher mehr als 20 Jahren.

Da gab es die großen Keynotes im riesigen Forum, immer einer gigantischen Halle. Die „Speaker“ konnte man physisch nur erahnen, dafür auf drei Riesenleinwänden nebeneinander auch von hinten in überdimensionaler Größe sehen.

Dann teilte sich die Halle auf wundersame Art und Weise und die Fachgespräche begannen in drei – immer noch gigantischen – Tagungsräumen.

Am Abend gab es Hotelparties, zu denen man persönlich geladen war und die immer genau „getimed“ waren, z.B. von 8 pm bis 10 pm. Das ging dann bis spät in die Nacht. Ich erinnere mich noch ganz gut an die SCO-Party (Santa Cruz Operation – was für ein Name!): Ein weißer Pianist (an einem schwarzen Flügel) und ein schwarzer Pianist (an einem weißen) spielten die großen Schnulzen der Vergangenheit wie „Let it be“ und es gab Harddrinks bis zum Abwinken. Und pünktlich nach 2 Stunden war mit dem Zeigerschlag Schluss!

Aber das beste an den Uniforums war „Birds of a Feather„. Ganz unkompliziert und kurzfristig konnte jeder Tagungsteilnehmer auf Flipcharts im Foyer einen Arbeitskreis, Workshops oder ein Meeting zu einem bestimmten Thema mit konkretem Zeitpunkt und Ort am Rande der großen Tagung vorschlagen.

Das hat gut funktioniert und wir konnten so an ein paar unüblichen Workshops zu aktuellen und spannenden Themen teilnehmen und dabei interessante Menschen kennen lernen.  „Birds of a Feather“ war typisch UNIX! Und mir scheint, da kommt jetzt einiges aus dieser Zeit wieder.

🙂 Und „Vögel gleichen Gefieders“ passt doch auch irgendwie zum „Gezwitscher„!

Den Begriff „Birds of a Feather“ allerdings habe ich  im Deutschen Wikipedia nicht gefunden, im Englischen dann erst durch die Hilfe von Wolfgang Stief, der auch meinen Verdreher entdeckt hat (in meiner Erinnerung hatte sich „Feather of the Bird“ festgesetzt, quasi als das „Gefieder des Vogels“. Ist aber anders (noch Mal Danke an Wolfgang): Der Begriff kommt vm englischen Sprichwort „Birds of a feather flock together„, frei übersetzt vielleicht „Gleich und gleich gesellt sich gern“ oder näher „Vögel vom gleichen Gefieder rotten sich gerne zusammen“.

Uniforum habe ich in Wikipedia auch nicht gefunden (weder im englischen noch im Deutschen), obwohl das über Jahre eine wirklich sehr bemerkenswerte Veranstaltung war. Berichte aus der Computerwoche dazu findet man im Internet, hier ein Beispiel von 1987 aus dem Archiv von dignatz_consulting (dort ganz nach unten gehen).

Hat jemand Interesse (und das Wissen und die Zeit), um für Wikipedia einen Artikel zu „Birds of a Feather und „Uniforum“ zu verfassen?

RMD

P.S.
Und hier wieder der Appell:

Unterstützt Wikipedia – durch Mitarbeit und Spenden. Wikipedia ist wirklich ein ganz besonderes Projekt der gesamten Menschheit.

2 Kommentare zu “Wikipedia und ich #9 – Uniforum, „Birds of a Feather“, Open Space und Barcamp”

  1. Wolfgang Stief (Sonntag, der 2. August 2009)

    Servus Roland!

    Ich vermute, Du meinst im Artikel nicht „Feather of the Bird” sondern eitentlich „Birds of a Feather“ und dazu hat zumindest die englische Wikipedia auch den richtigen Eintrag:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Birds_of_a_Feather_(computing)

    wolfgang

  2. rd (Sonntag, der 2. August 2009)

    Danke – Du hast Recht! War schon lange her – den Artikel korrigiere ich dann auch!

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