Roland Dürre
Mittwoch, der 13. Juni 2018

WISSEN. SMART. SMART CONTRACT. RPA.

Beim Denken und Wandern auf den Kykladen.

„Alle“ oder „viele“ reden im Kontext der Digitalisierung unserer Gesellschaft von „smart“. Bei smarten Anwendungen spielt der „smart contract“ eine wichtige Rolle.

Ich schrecke zusammen und denke mir mal wieder „Schluss mit den Buzzwords!“. Denn wenn technischer Fortschritt einfach nur noch smart ist, dann ist mir das zu einfach. Denn für mich ist Digitalisierung nichts anderes als technischer Fortschritt. Ich will wissen, was „smart“ an sich heißt und was ein „smart contract“ denn ist?

Der erste Weg zum Wissen ist für mich, dass ich Menschen frage, die sich da auskennen (müssten). Wenn das nicht reicht werde ich mich auf Wissensjagd ins Internet begeben.

Zuerst befrage ich eine von mir sehr geschätzte (deutsche) Vertreterin eines chinesischen Konzerns, der ausschließlich „smarte“ Produkte verkauft. Ihre Antwort auf meine Frage „Was bedeutet smart?“ ist einfach und einleuchtend. Sie sagt mir:

„Für die Chinesen sind alle Produkte smart, die eine WLAN-Schnittstelle haben und ins Internet können.“

Also: Alles was auf IoT (Internet of Things) macht, ist smart. So einfach ist das. IoT ist halt einfach smart. Meine Gesprächspartnerin hat auch ein gutes Beispiel für mich:

„Eine Waage ist eine Waage. Ist sie aber Teil der wunderbaren IoT-Welt, dann ist sie eine smarte Waage“.

Das verstehe ich. Jetzt weiß ich, was „smart“ ist. Zumindest so fast.

Die Erklärung für den Begriff „smart contract“ und welche zentrale Rolle das sogenannte „Orakel“ dabei spielt, liefert mir ein Informatik-Professor. Der kann es mir gut erklären, ich verstehe es und werde es am Ende des Artikels auch verraten.

Ich bin aber noch nicht ganz befriedigt. Ich würde ja auch gerne anderen Menschen erklären, was „smart“ und ein „smart contract“ ist und ich möchte ja nichts Unrichtiges weitergeben. Weiß ich denn, ob die Chinesen Recht haben. Und wie mein Professor zu seinem Wissen kam?

Vielleicht hat er ja nur eine Quelle genutzt, die ihm plausibel erschien, die aber gar keine Relevanz hat? Wie gründlich war er bei der Prüfung dieser Quelle? Oder hat er am Schluss die Erklärung selber erfunden und keiner außer ihm kennt sie?

Und die vielen Chinesen auf dieser Welt verstehen unter „smart contract“ etwas ganz anderes als mein Prozessor?

Also starte ich meinen Streifzug ins Internet und gehe mal wieder auf Wissensjagd. In Wikipedia müsste ja etwas dazu stehen. Wenn nicht im deutschen, dann werde ich sicher im englischen fündig.

Zu Wikipedia wäre anzumerken, dass da auch immer wieder Unsinn drin steht. Das ist nicht weiter verwunderlich. Kenne ich doch kein Lexikon, wo kein Unsinn drin stehen würde. Als Jugendlicher hatte ich zwei Duden – einen aus der BRD und einen aus der DDR. In beiden stand beliebig viel Unsinn drin – in meiner Wahrnehmung als BRD-Gewächs im DDR-Duden noch mehr als im BRD-Duden. Aber das mögen die DDR-Gewächse vielleicht anders gesehen habe.

Es macht mir übrigens immer wieder richtig Spaß, in den schweren mehrbändigen Werken nach „Unsinn“ zu suchen. Da findet ich oft tolle Dinge. Vielleicht ist die verbleibende Aufgabe der alten Lexika, dem Menschen zu zeigen, an wieviel Unsinn er mal geglaubt hat und auch heute noch glaubt.

Ich möchte aber wirklich wissen, was „smart“ heißt und was ein „smart contract“ ist. Also, auf ins Internet! Unter Smart finde ich den Hinweis aufs wiktionary und dort als Bedeutung von „smart“ geschickt, durchtrieben, pfiffig, findig, elegant, hübsch und schneidig, als Synom aufgeweckt, diplomatisch, erfahren, geschickt, gewandt, gewählt, geübt, kultiviert, raffiniert, routiniert, sicher, taktisch, weitläufig, weltgewandt, weltmännisch, wendig, apart, chic, elegant, fein, fesch, piekfein, rassig, schick, schmuck, schneidig, schnieke, schnittig, stilvoll, todschick und vornehm. Ist das nicht schön? Nur – ich stelle mir die sicher dumme Frage, was das mit Digitalisierung zu tun hat?

Also suche ich weiter, diesmal nach smart contract. Und finde gleich im deutschen Wikipedia einen Artikel, den ich jetzt nicht unbedingt komplett als Unsinn aber zumindest als eher unverständlich bezeichnen würde.

An Platz ZWEI in Google finde ich auf einer viel gelesenen Bitcoin-Seite eine konkrete Erklärung vom smarten Vertrag. Die hat als Überschrift:

„Smart Contracts sind das Herzstück von Blockchain-Technologien. Sie sorgen für eine dezentrale Ausführung von „Verträgen“ und sollen für eine Konsistenz im Netzwerk sorgen.“

Und so geht es in dem Artikel weiter. Auweia! Vielleicht ist das doch mehr Unsinn als nur unverständlich. Das ist nicht, was ich gesucht habe.

Mir fällt wieder das Beispiel meines Freundes, dem Informatik-Professor, ein. Er hat es mir so erklärt:


Nehmen wir an, die Partner eines Vertrages sind „eine“ Autoversicherung und ein „KFZ-Halter“. Eine „normaler Vertrag über die Versicherung des Autos“ wird zu einem „smarten“, wenn der Vertrag eine besondere Bedingung enthält, die von einem Dritten – dem sogenannten „Orakel“ – abhängt. Das Orakel ist wichtiges Bestandteil des Vertrages. Es informiert beide Vertragspartner über Veränderungen, seine Bekanntmachung bewirkt dann eine automatische Änderung des Vertragsinhaltes.

Das Orakel könnte das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg sein. Wenn im Vertrag eine Klausel steht, der die Beitragshöhe abhängig von dem Punktstand des Halters in Flensburg macht und die Versicherung nach einer Änderung desselbigen die Abbuchung vom Konto des Versicherten einem festgelegten „Algorithmus“ automatisch verändern kann, dann wäre das ein „smart contract“.


So könnten alle Versicherungsgesellschaften, die in Deutschland Autos versichern, automatisch mit einem Provider und diversen Orakels ihr Geschäft machen und bräuchten keine Sacharbeiter mehr. Sicher ein „smarter Gedanke“.

Das Ganze gibt es aber schon und nennt sich dann RPA (robotic process automation) und könnte helfen Kosten zu senken. Und Mitarbeiter zu entlassen, weil die meisten Kosten verursachen. Und hat eigentlich weniger – wie viele meinen – mit Algorithmen zu tun sondern mehr mit Programmierung.

Jetzt mag ich aber Abkürzungen noch weniger als Buzzwords (wurden diese doch von den Nazis breit eingeführt). Und über RPA und ähnliches mag ich mich jetzt nicht auch noch auslassen. Mache ich dann alsbald. So beende ich diesen Artikel mal lieber an dieser Stelle!

RMD

Kommentar verfassen

*