Ein paar Thesen ….

Wir reden gerne von schlechten oder guten Menschen. Es gibt aber keine schlechte oder gute Menschen, es gibt nur Handlungen, die schlecht oder gut sein mögen. Richten sollte man also nur Handlungen und nicht Menschen.

So habe ich es in etwa in Ethik und Philosophie gelernt.

Mit dem Wissen ist es ähnlich. Es gibt kein gutes und schlechtes, nützliches und unnützes Wissen. Erst die Anwendung von Wissens kann „wirken“ oder etwas „bewirken“. Das Wissen an sich ist nichts wert. Es muss leben, dann kann es nutzen – beim Lösen von Problemen oder auf dem Weg zum Fortschritt oder Innovation.

Dazu muss man Wissen teilen, denn dabei wird es noch mehr. Nur wie kann man das Teilen von Wissen organisieren? Denn Wissen ist etwas dynamisches und immer kontextabhängig. Kontextabhängige Dynamik kann man schlecht in Konserven stecken. Das ist das Problem des Wissens-Management.

Mit dem Begriff „Wissen“ verwandte Worte mögen sein:

Ausbildung • Bildung • (Lebens-)Erfahrung • Erkenntnis • Können • Üben

So komme ich zu Gedanken wie Handwerk bzw. Craftsmanship. Wir entdecken den Meister und den Lehrling. Verstehen, wie wichtig Weitergeben, Vormachen, Lernen und Üben sind! Und wie man solche Prozesse durch ein Vieraugen-Prinzip und p2p-Reviews (peer-to-peer) fördern kann. Und dies nicht nur bei der Entwicklung von Software.

Und es stellen sich mir neue Fragen:

Wo nutze ich Wissen? Wer nutzt Wissen? Sind es die „weißen“ Kragen? Kann man die wirklich „Wissensarbeiter“ nennen?

Und:

Wie wirken Menschen in Organisationen und Unternehmen, die ich soziale Systeme mit einem ökonomischen Ziel nenne?
Wie kann man so ein System erfolgreich und erträglich gestalten?

Ich komme dann auf Ideen wie Selbstorganisation und Selbstbestimmung. So dass das Wissen und die Erfahrung von Vielen auf redliche und herrschaftsfreie Art und Weise zusammen kommen und so Zukunft gestalten kann.

Aber auch in selbstorganisierten Systemen wird es Rollen oder Tätigkeiten geben, die man folgendermaßen bezeichnen kann:

Entscheiden • Führen • Kommunizieren • Managen • Verantworten

Aber was ist das dann in einem solchen System? Hier ein paar Vorschläge:

Entscheiden
Entscheiden findet unter Unsicherheit statt und muss eine wesentliche Auswirkung haben. Sonst ist es keine Entscheidung. Ein „guter“ Entscheider kann versuchen, durch eine sittlich verantwortete Güterabwägung mehr Nutzen als Schaden zu stiften. Aber die Unvorsehbarkeit von Zukunft darf er nicht in Frage stellen und auch nicht versuchen, auf andere Schultern zu legen.

Führen
Führen bedeutet, Voraussetzungen zu schaffen, die es ermöglichen, dass sich im verantworteten Umfeld das personale Leben der betroffenen Menschen in seinen vielen Dimensionen eher entfaltet als reduziert. So wie z.B. einen Angst freien Raum. Und das in Demut vor der Aufgabe des Führens.

Kommunizieren
Voraussetzung für gutes Kommunizieren ist, bereit sein, sich auf Augenhöhe begeben, Zuhören können, über Emphatie zu verfügen, alterozentral denken können und Respekt aufbringen.

Managen
Das heißt eigentlich nur verantwortet mit Veränderung umzugehen. Befindet sich ein Unternehmen in einem stabilen Zustand, macht es in der Regel sehr gute Geschäft. Nur: Zu viel Stabilität bedeutet irgendwann mal des Ende. Veränderung macht das Weiterleben möglich. Wiederrum nur: Veränderung schadet in der Regel den Zahlen. Diesen Spagat immer und immer wieder zu bewältigen nenne ich „Managen“.

Verantworten
Das von mir verantwortete Umfeld ist das, auf das meine Entscheidungen eine Auswirkung haben. Also muss ich mir die Folgen meiner Entscheidungen klar machen. Und darf diese nicht Ignorieren.

Menschen, die Entscheiden, Führen, Kommunizieren, Managen und Verantworten nenne ich Unternehmer.

Unternehmer
Ein guter Manager ist ein Manager, der öfters mal das Richtige denn das Falsche entscheidet. Und der öfters mal korrekt bewerten kann, was gut und was schlecht ist.

Das alles steht im Widerspruch, zu dem, was ich offiziell gelernt habe. So komme ich jetzt zum

Klassischen Irrtum

Viel zu viele Menschen meinen immer noch, dass die Welt planbar ist. Ihr Weltbild ist mechanistisch und tayloristisch. Wissen & dominante Logik halten sie in dieser Kombination als den Garanten für den Erfolg.

Ich glaube das nicht mehr. Das Zeitalter einer stark arbeitsteiligen (tayloristischen) Arbeitswelt mit mechanisierten Prozessen über Menschen hinweg ist im Schwinden. Es war ein sehr vereinfachendes Weltbild, das zwar Wohlstand gebracht hat. Aber zu Grenzkosten, die viel zu hoch war. Um jetzt zu überleben, müssen wir AGIL sein.

RMD

P.S.
Bei InterFace hatten wir mal eine junge Frau zu Gast. Daniela Blettner (mittlerweile Hochschullehrerin) hat für HSG (Hochschule St. Gallen) ihre Doktorarbeit erarbeitet. Das Thema war „Dominante Logik bei der Gründung von Unternehmen“. Und das Ergebnis war erstaunlich: Alle der untersuchten und sehr erfolgreichen Unternehmen waren in ihrem Gründungsprozess frei von „dominanter Logik“. Noch schlimmer, ein paar davon wären fast an „dominant logischer Strategie“ gescheitert.

P.S. 1
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

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2 Kommentare zu “Unternehmertagebuch #89 – Wissen, Führen, Organisation & Managen”

  1. Chris Wood (Dienstag, der 6. August 2013)

    Roland, maybe there is some sense in this, but the start is rubbish.
    Whether something is good or bad is just a point of view.
    Healing is good from the patient point of view, but not from the virus view.
    Shakespeare already wrote „There is nothing either good or bad, but thinking makes it so.“, (Hamlet).
    If behaviour can be good or bad, so can a person, and so can knowledge.
    People are prepared to pay for information.
    http://if-blog.de/en/cw/ethik-nach-dem-humanismus/#more-215 argued the idea that knowledge is a reasonable candidate for the basis of universal ethics. Then of course knowledge could only be good (by definition). But people have a more selfish view.

  2. rd (Dienstag, der 6. August 2013)

    Lieber Chris, kann aber auch anders herum sein: Dass der Start das einzig richtige und der Rest „rubbish“ ist 🙂 .

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