Heute versuche ich mal Volkswirtschaftlern und Bankern zu erklären, was ein paar Milliarden sind …

Als Basis für mein Rechenbeispiel nehme ich die BayernLB. Der Besitz der Kärntner Hypo Group Alpe Adria von 2007 bis 2009 hat der BayernLB 3,7 Milliarden EURO gekostet (Der Link führt zum Bayerisches Fernsehen und ist sehr lesenswert).

Nichts genaues weiß man noch nicht, aber ab und zu liest man interessante Details. So soll die Alpe Adria 400 ganz besondere Yachten finanziert haben. Doch jetzt stellt sich heraus, dass es die Schiffe gar nicht gibt. Verschwunden, ganz ohne Bermuda-Dreieck.

Darum geht es in meinem Artikel aber nicht. Mich interessiert die Frage: Wie viel sind 3,7 Milliarden EURO?

Und ich möchte nicht berechnen, wie hoch der Stapel von 3,7 Milliarden z.B. in 100-EURO-Scheinen wäre, sondern mal überlegen, wie viele Menschen und Unternehmen es braucht, um den Schaden wieder auszugleichen.

Dazu nehme ich die InterFace AG als Beispiel für ein gut funktionierendes mittelständisches Unternehmen. Sagen wir mal, fürs Rechnen vereinfacht, wir hätten 10 Millionen Umsatz im Jahr (in 2009 war es in der Tat ein deutlich mehr) und einen Ebit von einer Million (über das Ergebnis spricht man nicht). Und nehmen wir weiter an, dass dieses überdurchschnittlich gute Ergebnis von 100 sehr gut ausgebildeten Menschen erwirtschaftet worden wäre.

Dann würden wir, um einen Umsatz von 3,7 Milliarden zu generieren, 370 Firmen wie die InterFace AG benötigen. Das würde bedeuten, dass 37.000 Menschen ein Jahr sehr erfolgreich arbeiten müssen.

Jetzt ist aber der Umsatz nicht geeignet, Verluste wett zu machen. Dafür dürfen wir bestenfalls den EBIT gegen halten. Dann brauche ich in Bayern aber schon 3700 florierende mittelständische Firmen mit 370.000 bestens ausgebildeten und hoch motivierten Mitarbeitern!

Wenn ich weiter rechne, werden die Zahlen noch schlimmer. Denn das Unternehmensergebnis nach Steuern ist immer noch deutlich geringer als der EBIT (und Steuern braucht der Staat auch ohne BayernLB dringend). Zudem stellt ein guter Mittelständler immer einen Teil des Unternehmensergebnis in die Rücklagen ein. Für den Verlustausgleich dürfte also nur ein 1/4 des EBIT übrig bleiben. Also muss man die Zahlen mal 4 nehmen:

Dann brauche ich realistisch 14.800 Spitzenunternehmen mit 1.480.000 hochqualifizierte Mitarbeitern, um den Schaden in einem Jahr zu egalisieren.  Und auf diese Zahl zu kommen, muss ich schon ein paar Städte zusammen fassen: München, Nürnberg, Augsburg, Würzburg, Ingolstadt, Rosenheim …?

Jetzt könnte der Einwand kommen, dass man sich mit dem Schadensausgleich ein wenig Zeit lassen und den Verlust über Jahre in kleinen Raten tilgen könnte. Dann würde ich auf die Zinsen hinweisen, die das ganze kostet. Und darauf, dass die 3,7 Milliarden ja nur ein Teilschaden sind und der wahre Schaden ja allein bei der BayernLB in zweistelliger Milliardenhöhe liegt.

Und dass es ja nicht nur Bayern gibt, sondern auch noch den Bund, für den wir ja auch zu einem wesentlichen Teil aufkommen müssen. Also liebe Bayern, Ärmel hochkrempeln und ab sofort richtig buckeln.

Vielleicht macht diese Rechnung klar, wie viel Geld den Bach runterging und wie wesentlich unsere Schuldenlast wirklich ist.

Was macht unsere Regierung und ihre Kanzlerin? Sie behauptet, Wachstum könnte die Situation retten und macht ein „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“. Und unser Ministerpräsident Herr Seehofer sagte vor kurzem, er gehe davon aus, dass die BayernLB in der Lage sein müsse, die Hilfen des Freistaats in (zweistelliger ?) Milliardenhöhe wieder zurückzuzahlen …

Der Regierung bleibt wahrscheinlich nichts anderes über, denn die Situation ist nun mal, wie sie ist. Vielleicht hätte man das alles bedenken sollen, bevor man die „systemrelevanten“ Banken ohne nachzudenken gerettet hat. Aber wie heißt das Sprichwort: Hätten wir Enten gekauft, wären die Hühner nicht ertrunken.

Und in Kärnten bekommt jeder vom Jahrgang 1991 zweckgebunden 1000 € für eine sinnvolle Verwendung wie z.B. den Erwerb des Führerscheins. Das Geld kommt aus einem Zukunftssicherungsfond, in den ein Teil der Einnahmen aus dem Verkauf der Hypo Group Alpe Adria geflossen ist. Mit 3,7 Milliarden könnte man übrigens genau 3,7 Millionen solcher 1000 EURO Geschenke machen. Wieviel Österreicher gibt es jetzt noch einmal?

RMD

1 Kommentar zu “Zahlenspiele – die Magie der großen Zahl – Am Beispiel der InterFace AG und der BayernLB”

  1. Eilika Emmerlich (Sonntag, der 24. Januar 2010)

    Lieber Roland,
    schade, dass ich nicht in Kärnten wohne und Bayern meine Zukunftsprojekte absichert. Aber leider sind die „Zahlenspiele“ kein nachbarschaftlich-alpenländischer Ringelpietz mit Anfassen, sondern wirken sich auch auf uns in Hessen, NRW, Saarland (noch immer mit Oskar) usw. aus. Weil Bayern jetzt wieder mehr aus dem Länderausgleich braucht, damit in Kärnten der Bergbauernnachwuchs nicht ohne Führerschein Papas Auto zuschanden fährt.

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