Roland Dürre
Sonntag, der 15. März 2015

Zwei Wochen mit dem Fahrrad durch Kuba.

Ein persönlicher Reisebericht.

Hier meine privaten Notizen zu unserer Radreise durch einen Teil von Kuba vom 26. Februar bis zum 12. März 2015. Ich habe sie zuerst mal für mich aufgeschrieben. In IF-Blog veröffentliche ich sie, damit auch meine Freunde teilhaben können.

Am Ende der Reise am Flughafen Varadero

Am Ende der Reise am Flughafen Varadero.

Und da wir doch wieder viele Erfahrungen gesammelt habe, teile ich sie auch gerne. Wer also Fragen zu Kuba und unsere Reise hat, einfach melden

Barbara hat auch viele schöne Fotos gemacht (ein paar davon kann man auf Facebook sehen). Die werden wir auch veröffentlichen. Wenn es soweit ist berichte ich es auch hier.

Also – los geht es mit den Reisenotizen vom 25. Februar bis zum 13. März 2015 von unserer Radreise durch Teile von Kuba.

25. 2. 2015 – Mittwoch – Late night check in Munich Airport.

Am Mittwoch Abend so gegen 17:00 geht es zum „late night“ Check am Airport München. Um 18:00 sind wir dort. Es gibt ein paar Schwierigkeiten, so sind die Räder auf einen anderen Flug gebucht. Die Einreisekarten nach Kuba sind ein wenig schlampig ausgefüllt – so dass man am Check-In in Sorge ist, ob die kubanischen Behörden sie akzeptieren. So besorgen wir uns für 50 € noch 2 Ersatzkarten (blanko).

Nach einigem Hin und her und (ungeplante) 50 € leichter sind wir dann auch die Fahrräder und das Gepäck los. Um 20 Uhr wieder zu Hause. Am nächsten Tag wird dann geflogen.

26. 2. 2015 – Donnerstag – Ein langer Flug.

Mit der S-Bahn geht es früh um 7:31 von Neubiberg zum Flughafen. Pass und Sicherheitskontrolle – und wir sind rechtzeitig am Abflug-Gate. Der Flug soll geht um 10:10 losgehen, das Boarding verschiebt sich aber, weil der Flieger nicht fertig ist. Wir starten mit Verspätung und sollen um 15:15 (local time) nach gut 10 Stunden Flug landen, mit einer Zeitverschiebung von sechs Stunden

An Bord gibt es wie üblich zweimal Essen und ein Film, ansonsten schalte ich ab und versuche viel „meditieren“. Die Zeit vergeht gut. Gelandet sind wir dann um 15:35 (mit leichter Verspätung). Und sitzen noch vor 17:00 auf den Rädern.

Die Silbermöwe – Barbaras Rad – hat die Flugreise ohne jeden Schaden überstanden. Bei meinem Roadster ist eine Schutzblech-Strebe vorne leicht verbogen – was aber nicht weiter stört. Also – alles bestens!

Zum Start sind wir im Sol Sirena untergebracht. Das Hotel ist gut 30 km vom Flughafen Varadero entfernt. Varadero liegt auf einer langen und dünnen Halbinsel. Laut Führer ist sie nur für Touristen, stimmt aber nicht. Neben der vorhandenen Altstadt ist sie in verschiedene Viertel eingeteilt. Unser Hotel liegt im Quartiere Las Americanos. Vom Flughafen aus gesehen ein der falschen Richtung (weg von Havanna und nicht in Richtung Havanna). Und wir wollen ja nach Havanna.

Wir freuen uns nach dem langen Flug auf wunderschöne 32 km auf kubanischen Straßen. Trotz leichten Gegenwindes sind wir ziemlich schnell dort. Wir fahren die ganze Strecke Autobahn. Autobahn-Radeln in Kuba macht uns zu diesem Zeitpunkt noch Spaß.

Die vielen Oldtimer sind ein Traum. Später werden sie zum Alptraum, wenn wir immer mehr die dicken Rußwolken bemerken, die sie ausstoßen. Wir werden später auch feststellen, dass an den meisten dieser mobilen Träume doch sehr viel gespachtelt ist.

Wir sind das erste Mal im Leben in Kuba. Das Hotel zu finden ist nicht ganz einfach. Es sind zwei in einem. Zuerst mal sind wir am falschen Eingang. Der eine ist der billige, der andere der teuere. Wir sind im billigen Teil.

Aber das Angebot dahinter ist nicht nur das gleiche sondern dasselbe. Es ist eine Anlage mit zwei Eingängen und vielleicht auch zwei Zimmer-Standards. Man darf aber mit seinem Armband alles benutzen. Alles macht ein wenig den Eindruck von dritter Welt.

Die Freundlichkeit der Menschen gleicht die Unzulänglichkeiten aber mehr als aus. Hier wird auch leidlich Englisch gesprochen.

Aber auch die freundlichen Menschen lassen sich Zeit. An der Rezeption werden von jedem Mitarbeiter immer ein paar Kunden zeitgleich behandelt, das führt ab und zu kleinen Problemen, die mit interessanten Interruptions-und Stack-Techniken gemeistert werden.

Wir bekommen ein rotes Bändchen ans Handgelenk und sind jetzt komplett versorgt, denn es ist ein „all inclusive“ Hotel. Mag ich eigentlich nicht. Aber die freien Cocktails werde ich dann doch genießen.

Unser Zimmer ist groß aber noch nicht fertig (die Bettwäsche wäre so knapp …). Kommt aber gleich, werden wir getröstet. Die Fahrräder sind gut untergebracht. Der Sack mit der Verpackung für die Räder für den Flieger wird im Hotel deponiert. Die letzte Nacht vor dem Abflug werden wir wieder hier schlafen, also möchten wir unnötigen Ballast im Hotel lassen.

Obwohl das „normaler Weise“ nicht möglich, schaffen wir das. Der Sack wird für uns deponiert. Bin mal gespannt, ob er in zwei Wochen noch da ist (Und er war natürlich noch da).

Dann geht es zum Abendessen. Man könnte an manchem Herum-Nörgeln, das tun wir aber nicht. Besonders die Kochstationen mit frischer Zubereitung von Fisch und Fleisch gleichen die eine oder andere Schwäche der Küche mehr als aus. Für mich gibt es Gemüse, Salat und Fisch. Die Qualität würde ich als „kubanischen Standard“ bezeichnen. Damit meine ich: Gut – weil es schmeckt und völlig ausreichend ist.

Wir gönnen uns am Abend noch ein Stündchen am Strand, legen uns auf eine Liege und genießen den Sternenhimmel der kubanischen Nacht. Aus dem Stündchen wird eine traumhafte Stunde. Der „Security Officer“ wacht hinter uns. Er ist ein netter Kerl. Er ratscht gerne mit uns – hält sich aber dezent zurück. Wie wir so viele angenehme Menschen im Lauf der Reise kennen lernen werden.

Dann ran an die Bars. Es gibt Cocktails bis zum Abwinken – und Rum, Rum … Und sehr schöne Musik – vier Frauen und ein Mann. Sie spielen diverse Richtungen von Musik. Vom Frankie Boy bis hin Copacabana und tollem Jazz gibt es hier viel zu hören. Dann geht es ins Bett. Es ist die erste Nacht in Kuba, wir schlafen lang und gut – das Jetlag ist schon weg.

27. 2 2015 – Freitag —  Die erste Etappe.

Frühstück im Hotel und dann geht es los. Der Kaffee im „all inklusive“ ist miserabel, auf der ganzen Reise wird er überall besser sein. Ansonsten gibt es leckere Eierspeisen – und Pfannkuchen. Die sind fein, der Honig schmeckt richtig nach Honig. Und hat ein sehr tropisches Aroma.

Es gibt auch die ersten interessanten Beobachtungen. So bekommt der Junge vom Tisch neben an vom Papi zweimal Zucker in den eh schon so süßen Orangensaft. Vielleicht eine Erklärung für das viele Übergewicht, das überall herum läuft. Aber das soll mich nicht stören, der erste volle Radtag in Kuba kann beginnen.

Geplant haben wir bis nach Jibacoa zu kommen. Es sind um die 80 km. Es geht ziemlich hoch hinauf mit wunderschönen Ausblicken. Wir werden von einem wunderbaren Rückenwind angeschoben, der das „Autobahn-Radeln“ erträglich macht.

Die Höhe weiß ich nicht. Habe ich doch kein GPS-System dabei – weil ich gelesen hatte, dass noch im Dezember 2014 diese beschlagnahmt worden wären. War aber wohl eine der vielen Fehlinformationen, die ich so bekommen habe. Auf unserer Reise werde ich noch öfters fest stellen, dass in Deutschland über das Kuba 2015 doch viel Unsinn erzählt wird.

Wir machen zwei Pausen. Bei der ersten reicht ein Bier, bei der zweiten braucht es dann noch Chips mit Zwiebel-Aroma dazu. Es gibt glücklicher Weise viel Wolken, die Schatten spenden. So brennt die tropische Sonne, nicht ganz so heiß. Das ist gut für die Haut. Zwischendurch regnet es ein wenig. Die ganze Strecke ist „Autobahn Radeln“. Unter anderem fahren  wir auch ein für Radler verbotenes Stück Autobahn, wie ich später feststellen ist das ganz selten auf der Insel.

Am Ende der verbotenen Strecke haben wir eine Begegnung: Uns kommt ein Radler entgegen. Ein junger, charmanter Typ. Mit deutscher Fahne am Rad. Er spricht ein charmantes Deutsch mit einem von mir nicht erkennbaren Akzent, der irgendwie südlich klingt. Er kommt wie wir aus München und wohnt dort in der Nymphenburger Straße. Wie er meint zu teuer.

Er fährt ein Aldi-Rad. Das wird er auf Kuba verkaufen. Mit Gewinn. Und dann für 300 Kubanische Peso (konvertible) nach Madrid zurück fliegen. Hin kam er mit Condor – und musste fürs Fahrrad um die 100 € extra zahlen. Er hat sich geärgert, weil er in Havana dann 3 Tage aufs Fahrrad warten musste. Das hätte ihm Geld gekostet. Er wundert sich, dass wir unsere Räder wieder mit nach Hause nehmen wollen.

Alles ist bestens. Wir machen weiter mit unserem Autobahn-Radeln. Am Abend gehen wir das erste Mal auf Quartiersuche. Das erste Hotel, das wir in Jibacoa finden, ist auch „staatlich“. Und „complete“. Zumindest nach Aussage der Dame an der Reception. Obwohl man förmlich merkt, dass es nicht ausgebucht ist. Aber man ist offensichtlich auf so einen komplizierten Prozess wie eine Direkt-Buchung für zwei gerade mal vorbeikommende Radler nicht vorbereitet.

Da kommt ein Wolkenbruch. Aus heiterem Himmel. Wir haben Glück und finden schnell ein privates Quartier. Mit dem besonderen blauen Zeichen, dass es als „staatlich zertifiziert“ ausweist. Es gibt ein Superessen und einen Kühlschrank voller Bier. Und alles trocknet ganz schnell. Was will man mehr.

Und auf dem Tisch steht die obligatorischen Flasche Rum für den „Cuba libre“! Das Zimmer ist voller Spiegel, komplett in Rot und eigenartig dekoriert. Dann kapiere ich es: Unser Zimmer ist ein „love room“. Dann finde ich auch den Tarif auf dem Nachttisch: drei Stunden kosten 5 Peso (konvertible). Das soll uns aber nicht stören – wir schlafen sehr gut. In der Summe war es ein ein wenig eigenartiger aber trotzdem schöner erster Tag.

28. 2. 2015 – Samstag – La Habana.

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne. Ein schönes Frühstück wartet auf uns und auf geht es … nach (H)abana (das „H“ spricht man nicht) und das „v“ ist ja ein „b“. Das Autobahn-Radeln geht weiter. Wir durchqueren zuerst noch schönste Landschaften – leider auf einer sehr befahrenen und so sehr lauten und stinkenden Autobahn.

Auch das mit den schönen Landschaften ändert sich dann abrupt. Je näher wir an Havanna kommen, desto schlimmer wird es. Immer mehr kleine Öl-Förder-Anlagen und große Raffinerien verpesten die Luft. Dann kommen (nicht nur) nach Schwefel stinkende Raffinerien. Ich fühle mich an eine Radtour in Sardinien erinnert, da hatte ich auch mal so um die 50 ganz schlimme Kilometer.

Das Produkt das in Kuba aus der Erde raus kommt ist zu schlecht für den Verkehr. Das schwefelhaltige Rohöl wird nur zur Stromerzeugung verwendet. So sagt man uns. Ich wundere mich, denn die schwarzen Wolken aus den vielen Auspuffrohren der Oldtimer – PKW, Bus und LKW – lassen meinen, dass das Zeug, dass da verbrannt wird, auch schlimm sein muss. Das wird aber günstig vom Freund-Staat Venezuela geliefert.

Fast beginne ich von Windräder zu träumen. Wie wäre es mit einer bundesdeutsch-kubanischen Kooperation für Elektro-Mobilität? Kuba hat alles, was es braucht: Bildung, eine gute Gesundheitsversorgung, viele tolle Menschen, man bräuchte nur noch ein wenig „deutsche kaufmännisch-technologische“ Tüchtigkeit und schon könnte man aus dem Land so richtig etwas machen. Obwohl es in Kuba eigentlich zu heiß zum Arbeiten ist.

Für uns gibt es wieder zwei Pausen. Die erste mit Piña Colada und Kaffee, die zweite in der Mittagshitze dann wieder mit Bier und Zwiebel-Chips.

Wir wissen, dass der Radler, der aus unserer Richtung kommend nach Havanna will, durch einen Tunnel muss, der die Hafenanlage unterquert. Da darf man aber mit dem Fahrrad nicht einfach so durch radeln. Deshalb gibt es ein öffentliches Transportangebot, das auch für Radler im Minutentakt angeboten werden soll. Angeblich soll der Transport für Mensch mit Rad einen (konvertierbaren) Peso kosten soll (das sind 25 nationale Pesos). Und die Station soll leicht zu finden sein.

Wir aber finden die Station nicht. Macht aber nichts. Wir kommen dem Tunnel immer näher. Freundliche Menschen winken uns, dass die Durchfahrt verboten ist und zeigen uns eine Bus-Station. Da ist ein junger Mann, der organisiert wohl den Privattransport für die Touristen, die sich nicht auskennen.

Und schon sind wir für 10 Kuks (konvertierbare Pesos, die einem Gegenwert von 250 „nationalen“ Pesos haben) zu zweit mit unseren Rädern (mit Begleitperson) in einem typischen LKW, wie er normalerweise zahlreiche Kubaner durch die Gegend befördert. Der offene LKW braust durch den Tunnel. Es ist die Hölle, ich verstehe, warum man da nicht durch radeln darf. Weil dies nahe am Selbstmord wäre.

In Havanna treffen wir Karl. Ich nenne ihn für mich „Carlos, den Lebenskünstler“. Denn wir sind nebenher auch als Geldbotschafter unterwegs und bringen Karl einen Umschlag. Der Inhalt ist für Waisen in Kuba bestimmt.

Karl ist fünf Jahre älter als ich und kommt aus Oldenburg. Er hat Theologie studiert und war eine zeit lang als Religionslehrer an einer öffentlicher Schule tätig. Sein normales Leben hat er Mitte 40 beendet und als zweite Frau eine junge Kubanerin geheiratet. Da war sie 17 und er gut zwei ein halb mal so alt wie sie. Die beiden haben sich in Spanien niedergelassen und gemeinsam Kinder bekommen.

Er hat in seinem Leben viel Zeit auch Südamerika verbracht. Und alle möglichen Arten von Geschäfte gemacht. So konnte er viele Jahre in Saus und Braus leben. Jetzt ist er in  Kuba und lebt von seinen Reserven. Er wohnt in einem sehr schönem Haus im Diplomatenviertel, das er gerade renoviert. Er empfängt er uns gleich mal mit kühlem Bier.

Wir sind doch ein wenig fertig von gut 70 zwar beeindruckenden aber nicht immer ganz einfachen Kilometern. Karl erzählt uns viel von Kuba. Er besorgt uns ein schönes Privatquartier (wieder mit dem blauen Zeichen). Wir duschen uns den Schweiß und den Ruß von der der Autobahn ab und gehen gemeinsam Essen.

Karl erzählt noch mehr von Kuba. Besonders von den schönen Frauen Kubas. Jeder Mann, der hier etwas wäre, hätte neben einer Ehefrau eine Geliebte. Die immer ganz jung sein müsse. Und wie leicht man die Damen hier haben könne. Wie nett und unkompliziert sie wären. Und wie leidenschaftlich.

So berichtet von seinen vielen Erlebnissen mit den kubanischen Ladies. Wie sie denken und fühlen würden. Erklärt uns die anderen Paare im Lokal. Die vielen arrivierten Herren mit den jungen Damen. Und es kling alles eigentlich ganz normal. Irgendie eine ganz andere Welt als die mir bekannte.

Das Essen ist Klasse. Wir laden Karl ein. Er freut sich sehr. Die Nacht ist wieder OK. Allerdings gibt es in unserem schönen Appartement am Morgen kein Wasser. Ist ein wenig doof, nach einer doch sehr warmen Nacht duscht man sich ja besonders gerne. Am nächsten Morgen entschuldigt sich die Wirtin, sie musste wegen einer defekten Leitung das Wasser abdrehen.

1. 3. 2015 – Sonntag – Das Luxushotel in den Bergen.

Heute ist es Sonntag. Tagesziel ist Las Terrazas. Noch in Havanna finden wir ein kleines Café. Es gibt vor allem Wasser. Und dann schlägt der Fehlerteufel zu. Barbaras Hinterrad lässt Luft. Zuerst stellen wir fest, dass der 15er nicht an die Mutter kommt. Also müssen wir das Loch im Schlauch am Rad finden. Bremse ab, Schlauch raus. Luft rein. Und versuchen, die mögliche Schadstelle mit Geduld einzukreisen. Mit Tasten und Fühlen. Es dauert ziemlich lange, dann finde ich es. Flicken rauf und weiter. Eigentlich Routine.

Aber denkste. Nach kurzer Strecke ist der Reifen wieder platt. Das ganz noch mal. Es ist dasselbe Loch. Der Flicken hat sich gelöst. Und weiter. Und dann das ganze nochmal. Wir halten bei einem kleinen Café kurz vor Bauta. Jetzt lasse ich mir Zeit. Und diesmal scheint es zu klappen.

Der Café-Inhaber hat auch einen passenden 15er. Verkaufen oder tauschen will er ihn nicht. Wir sollen ihn mitnehmen und auf der Rückfahrt zurückbringen. Machen wir … Eigentlich wollten wir weiter die Landstraße (CC) fahren. Unser Gastgeber empfiehlt uns aber die Autobahn zu nehmen. Die Landstraße wären zu gebirgig. Später lernen wir und nehmen immer die CC und CN und am besten nur die „kleinen roten Straßen“ in der Landkarte.

Da wir mit der Panne doch viel Zeit verloren haben, folgen wir dem Vorschlag. Und siehe da, die sechs spurige Autobahn ist ziemlich leer. So radeln wir jetzt mit ein wenig Tempo durch eine wieder mal beeindruckende Landschaft. Der Wind ist uns treu und schiebt uns weiter an. Mir schwant schlimmes – nämlich, dass sich das auf der Rückfahrt ändern wird.

Das Wetter ist angenehm. Immer wieder kommen Wolken und spenden Schatten, Ein mal ein kurzer sanfter und warmer Regen. Die Autobahn zieht sich dann aber doch ein wenig dahin. Nach gut 3 Stunden geht es dann runter und hoch nach Las Terrazas. Ziemlich hoch.

Nochmal geht es so 15 km bergauf. Wir haben Glück, im Hotel Moka ist noch ein Zimmer frei. Und was für ein schönes. Abends spielen zwei Bands. Eine davon ist Klasse. Zu dritt machen sie Buena Vista Social Club und ähnliches vom feinsten. Ich habe die Adresse der Musiker. Vielleicht lade ich sie zu meiner Sommerparty ein.

Auch die Drinks sind vom feinsten. Im Hotel Moka lässt es sich gut leben.

2. 3. 2015 – Montag – Wir machen in „Spa“.

Weiter geht es nach San Diego de Los Baños. Früh geht es wieder runter zur „Autopista“. Vom direkten Wege durchs Gebirge raten uns die Einheimischen ab. Es wird ein richtig heißer Tag. Auf der Autobahn das selbe wie gestern. 6 Spuren mit wenig Autos. Der treue Rückenwind. Dann geht es ab auf eine kleine Straße. Mit ein wenig Steigungen und wunderbar zu fahren. Aber keine Wolken. Nach wieder so um die 70 km erreichen wir San Diego.

Ich radle in einem älteren weißen Trikot der deutschen Nationalelf. Das kommt gut an, mir wird laufend zum Gewinn des WM-Titels gratuliert. Tut gut … Und man kommt so leicht mit den Menschen in Kontakt.

Die Quartierversuche ist an diesem Ort unproblematisch. Schon beim Rein-Radeln werden wir angesprochen, ob wir ein Zimmer brauchen. Es gibt eine echte Konkurrenzsituation, viele freie Zimmer, wenig Nachfrage. Wir nehmen wieder ein Privatquartier. Die haben wir mittlerweile schon richtig lieb geworden.

Dem Ort merkt man an, dass er mal bessere Zeiten erlebt hat. Als Vorbild für das Heilbad wird das belgische Spa beschrieben. Immerhin ist San Diego ein Thermalbad, dass in seiner 1952 erbauten Therme schon viele Stars empfangen hat. Aber das ist ein paar Jährchen her.

Wir treffen interessante Menschen. Ein kubanischer Lehrer für Englisch und Sport betreut uns. Das ist wohl sein dritter Job – neben Lehrer an der örtlichen Schule und Kursen an der Uni hilft er Touristen. Und verdient damit ein Mehrfaches dessen was er mit seinen anderen beiden Jobs einnimmt.

Er zeigt uns die Schule und sein Lehrer-Zimmer. Man bekommt einen Eindruck, wie so ein kubanischer Lehrer arbeitet. Wir lassen eine kleine „donation“ für  Fußbälle und sind eigentlich ziemlich sicher, dass das Geld seinem Zweck zugeführt werden wird.

Wir kaufen Zigarren für ausgewählte Freunde (Christian, Gottfried, Klaus Jürgen …), dürfen nach Badeschluss noch in die Therme (zu den normalen Öffnungszeiten von 8-17 Uhr ist dies den Kubanern vorbehalten). Ganz allein sind wir in der großen fast schon monumentalen aber sehr verfallenen Anlage. Das warme Schwefelwasser tut den ein wenig geschundenen Gliedern und meinem Rücken gut.

Das Abendessen in unserer Casa ist in Ordnung. Wie das letzte Mal gibt es zur Auswahl „Chicken“, „Fish“ und „Langoustino“. Wir nehmen mal das dritte.

Abends gehen wir ins Hotel Mirador hören Musik. Auch da sind beliebig Zimmer frei, obwohl eine amerikanische Gruppe von Hochschullehrern zur Verbesserung der US-kubanischen Beziehung dort wohnt. Aber ansonsten ist tote Hose.

Ein wenig Musik, ein paar Cuba Libre und dann zeitig zu Bett, denn morgen gibt es um 7:30 Frühstück. Und dann geht es weiter nach Viñales. Und diese Route soll es in sich haben.

3. 3. 2015 – Dienstag – A really bad road!

Es geht auf nach Viñales. Und es wird die bis dahin härteste Route. Zuerst sieht alles toll aus. Durch ein Tor geht es in den Naturschutzpark. Insgesamt gut 60 km liegen vor uns – mit wahrscheinlich über 1.500 akkumulierten Höhenmetern (Im Führer standen 1750).  Zwischendurch sind die Straßen mit Steigungen und Abfahrten in einem miserablen Zustand. Ist nicht leicht zu fahren und kostet mich meinen Tacho. War nur so ein billiger von Aldi – jetzt weiß ich aber nicht mehr den Fortschritt und die Geschwindigkeit.

Ich tröste mich damit, dass die Mehrzahl der Autos auf Kuba mit Sicherheit auch kein Geschwindigkeitsanzeige und ähnliches hat. Dann brauche ich auch keine. Dafür ist es die schönste Strecke, die wir bisher gefahren sind. In der Mittagssonne gibt es einen kleinen Stand mit geeistem Ananas-Saft. Großartig. Die Landschaft ändert sich. Die kubischen Berge, die im Flachland aus dem Boden ragen, erinnern mich an China. Nur zu trinken gibt es nichts (außer das mitgeführte Wasser).

Und am Nachmittag finden wir dann doch noch eine kleine Bar. Ich hätte es schon nicht mehr geglaubt. Es wieder Mal Bier und Chips. Da sind dann außer uns noch ein zwei deutsche Paare und ein kubanisch-schweizerisches (?). Alle wundern sich über die Radler, die durch Kuba unterwegs sind. Wir müssen unsere Tour berichten und eine junge Dame stellt die Frage: „Wann macht Ihr denn Urlaub?“

Die Quartiersuche in Viñales ist ist unproblematisch. Wir landen wieder in einer privaten Casa. Viñales ist ein richtig touristischer Ort. Wir finden viele Orte, an denen Musik gespielt wird – und überall im Städtchen laufen Musiker mit ihren Geräten durch die Straßen. Alle sprechen von der Salsa. Und hier sind sie auch wieder, die jungen Herren und Damen, die sich um die älteren Damen und Herren aus Europa kümmern. Sehr liebevoll.

Für uns wir es weiter gehen auf die Nordostküste – schon wieder mit Richtung auf Havanna. Dann noch ein Stop, ein Tag in Havanna – und dann noch vielleicht zwei Tage am Meer relaxen, ist das nicht eine wunderbare Aussicht? Und dann geht es schon wieder zurück nach München.

In der Nacht (früh um vier) erreicht mich dann noch ein Anruf der Bank of China aus München. Sie wollen mich zur Eröffnung ihrer neuen GS in München einladen. Auch nicht schlecht, versuche ich doch dann wieder daheim ein wenig Technologietransfer zwischen Bayern und China zu schaffen und für Start-Ups finanzstarke Partner aus China zu besorgen. Und da spielt die Bank of China eine wichtige Rolle.

Aber zuerst mal wird noch ein paar Tage durch ein irres Land geradelt.

4. 3. 2015 – Mittwoch – Es geht zurück.

Heute morgen geht es los nach Bahía Honda. Dort soll es auch ein paar Übernachtungsgelegenheiten geben. Es ist fast noch heißer als sonst. 85 km liegen vor uns durch den Nordwesten Kubas. Und der Gegenwind kommt.

Trotzdem ist es traumhaft. Vielleicht zu viel Sonne. Wir sehen aus wie Segler nach einer Atlantiküberquerung. Aber wir haben keine toten Punkte. Natur pur, viele Pferdewagen und Ochsen-Gespanne auf Rädern wie auch Ochsen-Paare, die einfach nur einen Schlitten oder eine Last wie eine große verrostete Eisentonne ziehen. Wir machen zwei nette Pausen. Gleich kurz vor dem Zentrum in Bahia Honda finden wir Quartier. Diesmal ein besonders schönes. Alles passt mal wieder.

Es gibt ein kultiviertes Abendessen und wir machen Bekanntschaft mit einem französischen Paar im zweiten Zimmer neben an. Die sind mit dem Mietwagen und Riesenkoffern unterwegs. Eine ganz andere Welt.

Ein kurzer Abendspaziergang durch einen Ort, der sich gerade schlafen legt. Die frühe kubanische Nacht verhüllt schnell die Landschaft, die Hunde bellen und wir wissen, dass sie bellen werden bis dann morgen so ab ein Uhr früh wieder die Hähne krähen werden. Also gehen wir auch ins Bett und schlafen. Und wollen morgen Abend ein Hotel dann einen kleinen Ort an der West-Küste vor La Havana erreichen. Wir haben zwei Tipps im Führer: ein Hotel „Cocomar“ und ein paar Kilometer weiter einen Ort am Meer mit Namen Playa Baracoa.

5. 3. 2015 – Donnerstag – Und noch eine Panne.

Es geht weiter in Richtung Havanna. Heute bin ich dran – schwindender Luftdruck im Hinterreifen meines Roadster. Nur ganz schwach, aber doch merklich. Die Heuristik des Unterbewusstsein kennt die Erfahrung und meldet sofort „Loch im Reifen“. Der Verstand will es noch nicht wahrhaben. Es ist zu heiß. Also pumpe nach und fahre weiter. Zweimal – bis sich das Unterbewusstsein durchsetzt. Und natürlich hat es Recht. Das Loch wird schnell gefunden und geflickt.

Das Ziel war der Strand im Osten in angemessener Entfernung von La Havana. Als erstes steuern wir das Cocomar an. Wir finden nur eine kaputte Hotel-Ruine vor und fahren weiter. Fünf Kilometer weiter in Playa Baracoa soll es Privat-Unterkünfte geben. Also noch ein wenig durch die Hitze radeln

Es ist schon ein wenig spät geworden – und so viele Unterkünfte soll es hier nicht geben. Ein junges Mädchen bedient an der zentralen Bar an der Einfahrt nach Playa Baracoa. Ich bitte sie um Unterstützung bei der Quartiersuche. Sie lässt ihre Kollegin allein weiter machen, leiht sich ein Fahrrad und führt uns zu einer ersten Unterkunft. Die ist aber schon belegt. Wir werden weiter gesendet und finden Dank unserer Führerin wieder ein schönes Domizil.

Jetzt sitzen wir auf der Dachtrasse und schauen auf das Meer. Traumhaft. Und trinken unseren wohlverdienten Rum. Ohne Rum geht es nicht in Kuba. Nicht nur wegen der Panne war der Tag sehr anstrengend. Denn auf den 80 km hatten wir permanent heftigen Gegenwind. Wie auch schon gestern. Die Kraft, die wir bei der Hinfahrt gespart haben, bringen wir jetzt vermehrt auf. Und natürlich ging es auch heute wieder fleißig bergauf und bergab.

Morgen geht es dann mit einem kleinen Umweg nach Havanna. Wir überlegen uns, ob wir einen City-Tag einlegen sollen. Oder lieber einen Tag mehr am Meer verbringen wollen.

Denn bald geht es ja zurück ins Ausgangshotel an den Strand – in einer Woche heißt es ja schon wieder den Flieger nach München besteigen …

6. 3. 2015 – Freitag – Back to Havanna.

Es wird eine Spazierfahrt nach Las Havana. Der Gegenwind stört nicht mehr. Wir machen einen kleinen Umweg über Bauta und geben den 15er Schlüssel zurück. Dann wählen wir eine andere Route für die Einfahrt in die Millionenstadt. Und haben wieder 1.000 Eindrücke. Um 12:00 sind wir bei Karl und werden mit kaltem Bier empfangen. Das Quartier, das wir bei der Hinreise hatten – ist frei. Also Einchecken, Auffrischen, ein kurzes Erholen und ab geht es  – jetzt nicht mit dem Fahrrad sondern mit dem Sammeltaxi ins Zentrum der wirklich lebendigen Hauptstadt Kubas.

Es wird ein wunderbarer Nachmittag. Wir sehen die Züge im Bahnhof, die Fähre, die den Hafen überquert und sehen ganz viel vom historischen Havanna. Und hören natürlich auch wieder Musik – und trinken wunderbares Bier und vieles mehr.

Auch die Rückfahrt mit dem Sammeltaxi – wieder ein amerikanischer Oldtimer – klappt hervorragend. Das ist wirklich ein gutes Verkehrs-Modell. Sollte man auch bei uns einführen – könnte die gefahrenen Kilometer drastisch verringern. Es klappt hier in Kuba einwandfrei. Kommt mir vor wie ein pragmatischer Vorläufer von „UBER“.

Bei unserer Rückfahrt zum Quartier steigen zirka 10 Menschen bei uns ein und wieder aus. Dementsprechend kostet die Fahrt dann auch für uns nur 40 kubanische Peso – also weniger als als 2 Euros (das sind gut 50 Peso). Weil es so schön war lege ich nochmal 20 Pesos darauf. Uns bleiben noch 5 Tage in Kuba. Am Mittwoch müssen wir wieder im Hotel Sol Serena Varadero sein, in dem Reise begann.

7. 3. 2015 – Samstag – Bye Bye La Havana

Der Abschied von Havanna und Karl („Carlos dem Deutschen“) fällt nicht leicht. Wir treffen uns bei ihm zum Frühstück und lassen uns Zeit. So kommen wir erst spät weg. Wir haben jetzt genug Zeit, um die nächsten Tage gemütlich nach Varadero zu rollen. Außerdem wissen wir, dass wir bis ans Ziel kräftig Gegenwind haben werden. Der selbe Wind, der uns bei der Anreise nach Havanna so kräftig angeschoben hat, wird uns jetzt kräftig bremsen. Das heißt der gute Schnitt vom Hinweg wird deutlich schlechter werden.

Unsere Erwartung bestätigt sich. Und das aber wie. Deshalb nehmen wir uns nicht so viel vor. Bei Guanabo soll es einen schönen Strand geben. Und bis dahin ist es gar nicht weit.

Bei Losfahren treffen wir in Havanna auf eine organisierte Fahrrad-Reise. Es sind zwei Gruppen auf Belgien und Frankreich. Mit Begleitfahrzeug, Leihrädern, Gepäcktransport usw. Voraus fährt immer Guide mit den Nationalfahnen der Gruppen, das Ende bildet ein Guide mit kubanischer Fahne. Ich bin froh, dass ich mich für entschieden habe, „selbst organisiert“ zu fahren. Glaube , dass ich so doch viel glücklicher geworden bin.

Mit einem netten kubanischen Guide reden wir. Er gibt uns ein paar Tipps. Wieder liegt der Hafen als kräftiger Einschnitt zwischen uns und unserem Ziel. Es gibt drei Möglichkeiten. Wir können die Fähre über den Hafen nehmen. Oder den Bus durchs Tunnel. Oder den Hafen großräumig im Süden umfahren. Die Fähre haben wir gestern angeschaut. Weil vor ewigen Zeiten eine der Fähren mal entführt wurde (mit Kurs auf die USA), gibt es dort strenge Sicherheitsvorkehrungen, sprich Gepäckkontrollen. Das wollen wir unseren vollen Satteltaschen nicht antuen. Um den Bus durchs Tunnel zu nutzen, muss man die Busstation finden. Da es nach Guanao nicht so weit ist, entschließen wir uns für die Südumfahrung.

Das ist ein Fehler, wie sich bald herausstellt. Würde ich niemanden empfehlen. Selten haben wir so stinkenden und dichten Verkehr erlebt wie auf dieser Strecke. Vielleicht in Belgrad und bei Neapel. Aber hier ist es schlimmer, weil fast jedes Auto eine kräftige Rußfahne erzeugt. Der starke Gegenwind macht die Sache noch zäher. Meter um Meter kämpfen wir uns durch Lärm und Gestank in Richtung Ziel. Sogar die ansonsten sehr belastbare Barbara kommt ins Schimpfen. Aber nicht wegen dem Gegenwind, sondern wegen Lärm und Russ.

Wir machen auf der selben Raststelle halt wie auf dem Hinweg und betrachten  den Verkehr auf der Autobahn. Wir sind so ein wenig zwischen fassungslos und irgendwie fasziniert. Oldtimer um Oldtimer, Lada um Lada, Lkws und Busse ziehen an uns vorbei. Alle stoßen ihre Rauch- und Rußschwaden aus. Und Lärmen um die Wette. Es ist irgendwie die Hölle mitten im Paradies. Das ganze wirkt auf mich, als wolle man beweisen, dass Verbrennungsmotoren wirklich ins Museum und nicht mehr auf die Straßen gehören.

Viel später als erwartet kommen wir so erst um 16:00 in Guanabo an und machen uns auf Quartiersuche. Das klappt wieder ganz gut, wir finden eine Privatunterkunft, die direkt am Strand liegt. So habe ich mir das vorgestellt. Und obwohl es spät ist, ist der Strand voll und die Sonne immer noch mehr als heiß.

Das erste Mal auf dieser Reise bade ich im Atlantik. Es ist ein phantastisches Erlebnis – gerade nach dem deutschen Winter. Anschließend bummeln wir durch den Ort, essen in einem interessant organisierten kubanischen Restaurant ein paar Nationalspeisen, diesmal so billig wie noch nie auf dieser Reise. Wir leisten uns noch ein Eis und ziehen uns in unser hübsches Privatquartier zurück.

Morgen wird in Kuba übrigens auf Sommerzeit umgestellt. Interessant, dass ein Land wie Kuba auch diesen Blödsinn mitmacht. Uns stört es aber nicht, sind wir doch frei und ignorieren einfach alles.

So wie ich jetzt bald seit 10 Tagen nicht mehr im Internet war. Ich habe keine E-Malls mehr gelesen und kenne die Ergebnisse der Fußballbundesliga nicht (außer die von Haching natürlich, da werde ich von Hause dank Maresa immer per SMS über alles informiert).

Ich weiß auch sonst nichts von dem, was in der Welt so vor sich geht – denn ich habe auch keine Nachrichten gehört oder gesehen. Außer von einem Franzosen, der mich mal gefragt hat, was ich von der Haltung Deutschlands zu Griechenland halte. Die kannte ich zwar nicht, aber ich konnte sie mir vorstellen und habe mal gesagt „Nichts“.

Wir haben uns gut verstanden, den wir waren beide der Meinung, dass die Überregulierung durch die Kommission in Brüssel den Menschen und Europa nur schaden würde. Wir waren uns auch schnell einig, dass wir unser Europa mögen. Dass wir uns aber ein Europa wünschen, in dem die Regionen auf Augenhöhe zusammenarbeiten und ihre Vielfalt und Besonderheiten erhalten und entfalten können. Kein Europa der Bürokratie dominiert von den großen Nationalstaaten. Und dass man auf den Euro besser verzichtet hätte, denn gemeinsame Werte sind für uns wichtiger als eine gemeinsame Währung.

Morgen ist Sonntag! Da machen wir einen radfreien Tag, weil wir zwei Nächte am Strand von Guanabo bleiben. Nichtstun am Strand. Und am Montag geht es dann weiter zur letzten und ein wenig längeren Etappe nach Matanza.

8. 3. 2015 – Sonntag – Ruhetag am Meer.

Wir sind faul. Als erstes Stellen wir die Uhr eine Stunde vor. Wir sind Europa nur noch fünf Stunden hinterher.

Dann gehen wir auf die Hauptstraße zum Frühstücken. Es gibt Ei mit Zwiebeln mit Toast, eine Fruchtplatte, Kaffee und zwei „lokale Saftgetränke“. Es schmeckt ausgezeichnet.

Ein wenig fühle ich mich wie in Frankreich. In der Tat merkt man hier überall den französischen Einfluss. Der kommt daher, dass die Gegend um Guanabo über Jahre das Ziel französisch sprechender Menschen aus Taiti waren, die hier als Flüchtlinge oder Einwanderer ihr neue Heimat gefunden haben.

Ich merke das unter anderem an den speziellen Türschlössern, die mir noch gut von meiner Zeit Mitte der 60iger Jahre auf der Ile-de-Ré vertraut sind. Bei denen man sich leicht per Knopfdruck aussperren kann. Und vor der Tür unseres Quartiers steht doch tatsächlich noch ein Panhard. Das war das Auto meiner Austauschfamilie 1964 in Frankreich – und das war damals schon ganz schön alt. Panhard war nach dem Krieg eine sehr innovative französische Autoschmiede, die aber Ende der 50iger von von Citroen übernommen wurde. Und der Panhard vor der Tür fährt noch – wie so viele Oldtimer auf der Insel Kuba.

Heute sehe wir kaum ein Wölkchen am Horizont. Deshalb sind mir mit dem Strandgang sehr vorsichtig. Und machen das erst am späten Nachmittag. Das wird ein sehr langer und wunderschöner Spaziergang barfuß am Sandstrand. Wie beim Radeln, auf dem Hinweg beflügelt vom Rückenwind. Der Weg zurück dauert dann mehr als doppelt so lang.

So wird es spät. Wir genießen das „Nachtleben“, schauen in einer Bar einer Runde älteren Franzosen zu, wie sie sich um junge Mädchen bemühen. Da verschwindet dann schon mal der eine oder andere mit einer kubanischen Schönheit. Am Abend gibt es dann noch einmal wunderbare „camerones mit ola“ und ein toller Tag geht zu Ende

9. 3. 2015 – Montag – Die letzte Etappe vor Varadero.

Jetzt waren wir das erste Mal auf unserer Reise zwei Nächte lang in einem Quartier und haben unsere „casa“ schon richtig lieb gewonnen. Im kleinen Ort Guanabo sind wir schon richtig zu Hause. So ist es wie ein kleiner Abschied.

Das Ziel der nächsten Tour ist Matanzas. Bis dorthin sind es gut 70 km, die wir trotz Gegenwind noch schaffen wollen. Und wir wollen dorthin nicht die viel befahrene Straße nutzen, denn wir haben die Nase voll vom Autobahn-Radeln.

Auf der Karte sind ein paar vielversprechende aber sehr dünne rote Linien, die uns glauben machen, dass man durchs Land auch ganz gut durchkommen kann. Wir besprechen das mit dem Wirt, bei dem wir unser Frühstück einnehmen, unterstützt von einem sympathischen Deutschen. Er hatte eine Wirtschaft in Bayern südlich von München im Chiemgau. Jetzt baut er in Kuba eine „deutsche Metzgerei“ auf. Er wird noch einmal zurück nach Deutschland fahren, um alles aufzulösen und will dann bis zu seinem Lebensende in Kuba bleiben.

Der Wirt rät uns drastisch von den roten Linien ab. Kein vernünftiger Menschen würde dort lang fahren. Die Straße am Meer wäre doch so schön. Wir aber wagen es – und wir gewinnen:

Wir folgen den dünnen roten Linien, die mitten durchs Land gehen. Und es wird ein Supertag – fast ganz ohne Lärm. Der permanente Gegenwind drückt uns so zurück, dass schnell fahren zu wollen ziemlich sinnlos ist. So bummeln wir durch die wunderbare Landschaft. Es wird wieder ein „Tag der 1000 Eindrücke“.

Auf der ganzen Strecke ist kaum Verkehr. Wir sehen die gut 70 km eine Handvoll Busse und Lkws, und ganz wenig PKWs, dafür aber viele Pferdewagen und Kutschen. Ab und zu wird die Straße so schmal oder so schlecht, dass wir Sorge haben, dass sie aufhören könnte. Aber es geht immer weiter – wir wissen jetzt, dass wir doch ein paar Kilometer auf der Autobahn besser auf den kleinen Straßen hätten fahren sollen.

Wir brauchen lange für die eigentlich kurze Strecke. Das macht aber nichts, weil wir durch mehrere kleine Orte kommen und dort immer kleine Geschäfte finden, die uns mit kühlen Erfrischungsgetränken und Bier versorgen.

Mittags gibt es das erste mal auf der Tour richtiges Essen – wir gönnen uns zwei Hamburger. Weil es doch ziemlich anstrengend war. Die Preise sind weg von der Autobahn enorm günstig. Wir bekommen für weniger als 50 Peso (die nationalen, also keine zwei Euro) zwei Hamburger inklusive Bier und leckerem Zuckergebäck (wie ein „Ausgezogener“ in Bayern) als Nachtisch.

Wir fahren öfters an Eisenbahnlinien entlang. Die sind sogar elektrifiziert. Bis auf die Hauptstrecke nach Matanzas sind die Strecken stillgelegt. Auch auf der fahren die Züge wohl nur selten, wir sehen so auch keinen.

Kurz vor Matanzas geht es noch einmal steil nach oben. Die Straße führt über einen ziemlich hohen Berg. Und der Wind kommt immer noch von vorne. Das gefällt uns gar nicht. Eigentlich haben wir keine Lust mehr auf eine weitere Steigung. Da findet die Barbara tatsächlich in ihrer openstreet app ein Umgehung. Der Umweg lohnt sich und wir sind am Ziel. Es ist aber schon fast 18:00 geworden.

Matanzas ist eine große Stadt mit weit mehr als 100.000 Einwohner. Jetzt brauchen wir nur noch ein Quartier. Im Reiseführer steht, dass es hier keine Hotels sondern nur Privatunterkünfte gibt. Wir finden schnell einen dunkelhäutigen jungen Mann, der sich auskennt und Englisch spricht. Er führt uns von einer Unterkunft zur anderen. Alles sind belegt.

Kurz hinter dem „parque libertad“ – laut dem Reiseführer der berühmteste Platz in Matanzas mit dem theatro velazco und einer historischen Museums-Apotheke werden wir fündig. Es ist ein Superquartier. Wir freuen uns über einen tollen Tag.

Der Abend wird dann noch besser. Zuerst wechseln wir Geld und merken, dass Euro und der „konvertible Peso“ sich immer mehr annähern. Neben dem theatro velazco entdecken wir ein Luxushotel gleichen Namens. Wir genießen an der Bar des „Velazco“ einen Piña Colada, und stellen fest, dass es da auch genug Zimmer gegeben hätte. Die kosten saisonal 62 Euro, also auch nur das gut doppele von unserer Casa mit 25. Wenn wir das gewusst hätten, wären wir vielleicht im Hotel Valazco abgestiegen.

Das ersparte Geld reicht dann aber gerade so für ein Super-Abendessen mit einer Flasche Chardonnay aus Chile im Hotel Valazco. Wir können es nur empfehlen.  So ist es diesen Montag spät geworden – und wir schlafen wie die Murmeltiere.

10. 3. 2015 – Dienstag – Zurück nach Varadero.

Von Mantazas ist es nur noch ein kurzer Sprung nach Varadero, da bleiben uns dann noch zwei Nächte. Frühstück gibt es um 8:00, dann geht es los, noch ein wenig durch Matanzas. Den Bahnhof will ich mir noch unbedingt anschauen. Und dann geht es auf die Autobahn. Alternativlos.

Das Losfahren ist nicht so ganz einfach. Wir sind schon fertig, da stellt die Barbara fest, dass ein Reifen keinen Luftdruck hat. Diesmal ist es das vordere Rad. Also – erst mal das Rad entladen und reparieren. Nach einer unproblematischen Reparatur geht es los. Wir haben eine schöne Ausfahrt aus Matanzas, aber auf Wegen mit viel Glasscherben.

Und der Gegenwind ist wieder da. Noch stärker als die letzten Tage. Autobahn-Radeln bei Gegenwind macht aber gar keinen Spaß. Das für Radler gesperrte Stück der Autobahn fahren wir so nicht, sondern folgen brav der Umgehung für Radler. Nicht weil uns die Sperrung so gestört hätte, sondern weil wir die Nase voll von dem Verkehr haben (dies im wahrsten Sinne des Wortes).

Die Umgehung ist vielleicht 4 km länger. Es ist aber eine schöne Strandstraße, die eine Art Halbinsel aus fährt – weg von der Autobahn die direkt durchs Land geht. In schöner Einsamkeit fahren wir am Meer entlang zu einem Leuchtturm, kommen an einem Camping-Platz vorbei, der wohl für Kubaner im Sommer reserviert ist. Er hat auch schon seine besten Zeiten hinter sich. Alles ist leer – und ziemlich morbide. Bis auf den Gegenwind aber eine sehr entspannende und schöne Strecke.

Dann überholt uns ein Treck von Touristen-Jeeps. Es sind mindestens 50, es nimmt schier kein Ende. Sie fahren in Kolonne, einer hinter dem anderen. Ein Bus hätte es auch getan, aber wahrscheinlich geht es um das besondere Erlebnis eines Jeep-Ausfluges.

Wir treffen die Jeeps dann wieder an so einem richtig touristifizierten Ort (Coral Place) noch bevor es zurück auf die Autobahn geht. Coral Place ist ein Ort vom Typ „Touristen-Nepp“. Mit Jeeps wird man dahin gebracht. Wahrscheinlich war der Ausflug sündhaft teuer. Das Bier kostet 2 konvertible Pesos. Man kann sich eine Ausrüstung leihen und schnorcheln. Wir erleben eine eigenartige Mischung von Pauschal-Urlaubern aus vielen Nationen – die meisten sind typische Club-Touristen mit dem All-inclusive-Band am Handgelenk. Wir sehen auffallend viele Sonnenbrände. Es wird fleißig eingekauft, obwohl es an den vielen Ständen eigentlich nur unsinniges Zeug zu kaufen gibt.

Dann geht es weiter auf die Autobahn und in Richtung Varadero. Obwohl die heutige Etappe nur 40 km sind, wird sie eine der anstrengendsten. Der Gegenwind ist so stark, dass man auf ebener Strecke schon kaum vorwärts kommt. Bei jeder Steigung wird es richtig schwierig. Aber auch das haben wir dann am frühen Nachmittag geschafft.

Wir finden wieder eine Casa, die Vermieter sind diesmal aus Kanada. Sie haben die Casa selber für ein halbes Jahr vermietet und vermieten sie unter. Deren Empfehlung für ein Restaurant ist ausgezeichnet. Das Restaurant ist voll, wir teilen uns einen Tisch mit einem anderen Paar, auch aus Kanada.

11. 3. 2015 – Mittwoch – Zurück ins Touristenghetto.

Am Morgen geht es zuerst Mal an den Strand. Er ist noch ziemlich leer, die Wellen lassen sogar ein wenig schwimmen zu. Dann gibt es gutes kanadisches Frühstück. Mir fällt auf, dass wir die letzten drei Tage es mit mehr Kanadiern zu tun hatten als in unserem ganzen Leben (außer wie wir mal in Kanada waren unseren Sohn Maximilian zu besuchen). Und wir haben es in Kuba sowohl mit französisch wie mit englisch sprechenden zu tun gehabt. Und alle waren von Kuba begeistert.

Am späten Vormittag brechen wir auf. Wir wollen rechtzeitig im Hotel sein. Es sind dann nur noch gut fünf Kilometer. Und sind Punkt 12:00 Uhr da. Das ist check-in-time. Wir kriegen wieder unser Bändchen und nutzen ab 12:00 das „all inclusive“ Hotel aus. Picken uns die besten Sachen zu Essen heraus, liegen am Strand und tun einfach nichts.

Der schwarze Sack mit dem Verpackungsmaterial für die Räder ist auch noch da. Alles ist bestens. Faulenzen im Hotel, Essen, Strand, Drinks, Strand, Essen usw., so hält man es schon einen langen Nachmittag und Abend aus. Und in der letzten Nacht in Kuba schlafen wir noch so richtig gut. Kein Reisefieber.

12. 3. 2015 – Donnerstag – Bye bye Cuba.

Das Packen geht ganz schnell. Wir genießen den Vormittag im Hotel und verabschieden uns gegen 12:00. Jetzt kommt die letzte Etappe. Es sind die gut 30 km zum Flughafen. Endlich mal wieder mit Rückenwind! So sind die letzten Kilometer mal wieder so richtig schnell.

Am Flughafen stellen wir fest, dass die Maschine aus München von Air Berlin zwei Stunden Verspätung hat. Kaum sind wir beim Check-In kommt auch die SMS von Air Berlin und infomiert uns. Hätten Sie auch ein wenig früher senden können, dann hätten wir die Zeit ein wenig besser genießen können. Aber so gammeln wir halt auf dem internationalen Flughafen Varadero Juan Gualberto Gómez (Aeropuerto Internacional Juan Gualberto Gómez)herum, ein kleiner Imbiss in der Cafeteria des Flughafens und dann nach 20 Uhr geht es zurück nach München.

13. 3. 2015 – Freitag – Back in Munich.

Um 10:30 landen wir. Die Räder kommen ordentlich an. Gepäck wird umgebaut, die Räder beladen. In die S-Bahn zum Ostbahnhof. Umsteigen am Isartor und noch vor 14:00 sind wir wieder in unserem kleinen Häuschen in Neubiberg. Die Temperatur beträgt unter 5 Grad. Aber zumindest lugt die Sonne ab und zu durch die Wolken.

Das war es dann. Ich war begeistert. Vielleicht gelingt es ja, in 2016 noch ein paar andere Gegenden von Kuba mit dem Fahrrad zu erkunden. Diesmal haben wir in zwei wunderschönen Wochen so um die 800 km zurückgelegt und 100.000 und mehr Eindrücke gesammelt. Es war toll.

Wer auch Lust hat, auch in Kuba zu radeln, darf sich gerne an mich wenden. Ich habe viel über Land und Leute gelernt und weiß jetzt auch vieles, was für Radler in Kuba nützlich ist. Und glaube nicht, dass es ein tropisches Land auf dieser Welt gibt, in dem man besser als in Kuba radeln kann.

Insgesamt kann ich nur sagen, wie so oft gelten auch hier die Worte von Seneca:

„Nicht weil es so schwierig ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, erscheint es so schwierig.

Also – auf geht es …

2 Kommentare zu “Zwei Wochen mit dem Fahrrad durch Kuba.”

  1. o1i (Dienstag, der 17. März 2015)

    Toller Bericht, danke dafuer Roland!

    Btw, bei mir ist jeder Urlaub ohne Internet, selbst wenn ich nur nach Oesterreich fahre ;-).

  2. Red15 (Sonntag, der 17. Januar 2016)

    Hallo, danke auch von mir für den ausführlichen Reisebericht! Finde ich toll, wie ihr auf eurer Rundreise durch Kuba so viele Dinge miteinander kombiniert habt. Luxushotel und Privatunterkunft, Fahrradaktivurlaub und Sammeltaxi – toll! Zar werden ja viele ähnliche Rundreisen für Kuba organisiert, aber ihr habt euch ganz in’s Abenteuer gestürzt.

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