Detlev Six
Donnerstag, der 31. Dezember 2009

2010: Minarette sieht man besser.

Für 2010 wünsche ich mir die volle Freiheit für den Bau von Minaretten. Je höher, desto besser erinnern sie mich.

Sie erinnern mich an das Andere. Wie denkt es? Wie handelt es?

Sie erinnern mich daran, dass ein beliebtes Argument nicht sticht. Minarette (und Moscheen) hier, gegen Kirchen dort. Für uns ist Pluralität ein hoher Wert, für die anderen nicht.

Sie erinnern mich daran, dass die Menschenrechte stark individualistisch und westlich geprägt sind. Für uns eine logische, geschichtliche Entwicklung, für die anderen, religiös geprägten, bestenfalls ein Wert der Zukunft.

Sie erinnern mich daran, dass Minarette eine 1500 Jahre alte Rechtsauffassung in die moderne Gesellschaft übertragen. Für uns eine völlig unhaltbare Auffassung, für die anderen Sicherheit.

Sie erinnern mich daran, dass wir diese religionsgeprägte Form der Gesellschaft auch schon einmal hatten und überwanden. Für uns ein Motiv zur offensiven Argumentation, für die anderen vermutlich kein Argument.

Sie erinnern mich daran, dass die radikalen Fundamentalisten nur einen Bruchteil der Muslime ausmachen. Für uns leider kein Ruhekissen, denn fast immer haben wenige Radikale die Mehrheit dominiert. Für die anderen gilt das Gleiche.

Sie erinnern mich daran, dass nicht nur ich die Minarette sehe, sondern auch die staatlichen Sicherheitsdienste. Wie wäre es sonst möglich gewesen, dass ein so brisantes Dokument wie die Hasspredigt des Imam Mohammed Fazazi aus der Hamburger Moschee an die deutsche Öffentlichkeit gelangte? (von Romuald Karmakar im Film Hamburger Lektionen in brutaler Nüchternheit gezeigt)

Minarette stehen für ein offenes Zeigen des anderen Standpunktes. Nicht versteckt in Hinterhöfen, in konspirativen Zirkeln ohne Standort. Die Hoffnung ist, dass der Stolz auf die eigene Symbolik (der Minarette) die Plätze des Austausches öffentlicher macht.

So stehen Minarette für mich nicht nur für den offenen (und auch konfrontativen) Austausch zwischen zwei sehr unterschiedlichen Kulturen, sondern generell für das offene Zeigen des eigenen Standpunktes zur Verbesserung unseres Zusammenlebens.

Bekennen, argumentieren, kämpfen – statt rumeiern. Das wünsche ich mir für 2010.

SIX

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