Detlev Six
Dienstag, der 24. August 2010

Das Ende vom Ich.

Wenn ich in der Schule schlecht bin,
schlagen meine Eltern den Lehrer.

Wenn ich fett werde,
berufe ich mich auf meine Gene.

Wenn ich zu dünn bin,
sind die falschen Vorbilder schuld.

Wenn ich Alkoholiker werde,
ist das Suchtzentrum im Hirn verantwortlich.

Wenn ich Heroin drücke,
dann ist meine Familie schuld.

Wenn ich Täter werde,
schiebe ich es auf meine Determiniertheit.

Wenn ich Opfer werde,
schiebe ich es auf den Täter.

Wenn es mir schlecht geht,
bitte ich Gott um Hilfe.

Wenn Gott nicht hilft,
ist der Teufel daran schuld.

Wenn ich als Politiker nichts mache,
dann ist die Faktenlage dafür verantwortlich.

Wenn ich als Manager versage,
muss die Firma für mich sorgen.

Wenn ich Einwanderer bin,
sind die Einheimischen für alles zuständig.

Bitte fortsetzen.

Es gibt einen klaren Trend in Deutschland.

Von der Ent-Ichung zur Ver-Ihrung.

Das ist nur konsequent.

Denn auch das großartige, das einzigartige,
das hoch autonome Ich war eine Erfindung der Deutschen.

Der deutschen Romantik.

Wirklich, sehr, sehr romantisch.

SIX

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2 Kommentare zu “Das Ende vom Ich.”

  1. Chris Wood (Dienstag, der 24. August 2010)

    Dass die Einheimischen an fast allem schuld sind, kann ich als Einwanderer nur zustimmen. Das ist überall in der Welt so.
    Das einzigartige ich war viel früher erfunden; spätestens mit Adam und Eva.

  2. kuhn hans-peter (Montag, der 30. August 2010)

    Das ist wahrhaft eine fulminante Aufforderung zum Paradigmenwechsel. Mit das Beste, was seit Gründung des blogs veröffentlicht wurde.

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