Detlev Six
Dienstag, der 8. Juli 2014

Der Gutachter und der Bösachter in uns.

Viele Fussballfans waren gerührt.

Als der brasilianische Verteidiger David Luiz das Publikum aufforderte, den heulenden James Rodriguez des Verlierers Kolumbien zu feiern und zu trösten. Anschließend nahm er ihn sogar noch auf die Siegesrunde der Brasilianer mit.

Was für ein guter Mensch.

Der Sportreporter meines Heimatblattes wunderte sich. Er hatte David Luiz aus dem Supercupfinale 2013 als einen Typen in Erinnerung, der fies foult und provoziert. Irgendwie brachte er das nicht zusammen.

Vermutlich kommt das von der ewigen und elenden Frage, ob der Mensch von Natur aus gut oder böse ist.

Richtige Antwort: Er ist von Natur aus nix, fängt aber an zu lernen, gut und böse strategisch einzusetzen. Er entscheidet, ob er gut oder böse handeln will. Je nachdem, womit er seine Ziele besser erreicht. Das Böse ist der Preis der Freiheit unseres Entscheidens.

Natürlich gibt es Hirn-Deformationen, bei denen „böse“ nicht gelernt, sondern angeboren ist. Aber auch dann ist das Hirn nicht böse, es weiß noch nicht einmal, was das ist, sondern der hirnbedingte Mangel an Alternativen und Optionen führt immer zu der einen „bösen“ Handlung.

Was lernen wir daraus? Es gibt weder gute noch böse Menschen, es gibt nur Menschen, die gut und böse sind. Dass dies nicht eine so üble Binse ist, wie es sich jetzt anhört, zeigt der überraschende Erfolg der Serie „Unsere Väter, unsere Mütter“. Darin waren die Nazis genauso gut und böse wie ihre Gegenspieler. Das war für das deutsche Fernsehen neu. Normalerweise stecken die einen in der bösen und die anderen in der guten Schublade fest.

Jeder von uns kann jederzeit von gut nach böse wechseln, wenn der Kontext danach ist. Wenn David Luiz heute Abend gegen Deutschland spielt, ist im Spiel eher wieder der fiese Verteidiger zu erwarten. Aber vielleicht gibt er dem Verlierer Neuer anschließend generös ein Trost-Küsschen auf die Stirn.

Aufruf!

Dies ist ein post aus der google+ Community „Strategische Moral
Wir suchen noch Autoren (Roland Dürre ist schon einer) und Kommentatoren.

Wer will an der neuen Moral mitschreiben?

six

1 Kommentar zu “Der Gutachter und der Bösachter in uns.”

  1. rd (Dienstag, der 8. Juli 2014)

    Hi – ich kann die Mitarbeit in der Google+-community strategische Moral nur empfehlen und danke Detlev für diesen wichtigen Hinweis!

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