Detlev Six
Mittwoch, der 28. Januar 2009

Ein Lob dem Einheits-Manager

Die FAZ hat am 13. Januar 2009 einen Artikel veröffentlicht: Die Einheits-Manager. These: Die Manager werden sich aufgrund des gleichen Werdegangs und der gleichen Berufsstationen immer ähnlicher. Unbedingt lesen und dann unbedingt den Zustimmungsreflex verweigern. Denn die Wahrheit hat eine kleinere Brennweite.

Der Einheitsmanager ist eine rhetorische Kampffigur und in Wahrheit der effiziente Manager.

Zur Erinnerung: Peter Drucker, der große Managementphilosoph, definiert die Unterschiede zwischen dem effizienten und effektiven Manager so: effiziente Manager machen das Richtige richtig, effektive Manager machen das Richtige. Der eine führt das perfekt aus, was er vorgegeben bekommt, der andere  muss das Vorgegebene in Frage stellen und selbst vorgeben. Die Verteilung dürfte 98,5% zu 1,5% sein und wenn der 1,5%-Effektiv-Manager nach Deutschland einreist, dann ist das wahrhaftig keine Urlaubsgegend für ihn. Denn hier herrscht Effizienz-Kultur und das ist jetzt keineswegs negativ gemeint. Damit lassen sich Krisen abmildern und der Weg daraus lässt sich bei Effektiv-Kulturen abschreiben.

Was zeichnet eine Effizienz-Kultur aus?

Eine inkrementelle Innovationsbereitschaft. Stückchenweise werden Produkte und Dienstleistungen verbessert und meist im Konsens mit dem Kunden erreicht. Die deutsche Maschinenbauindustrie ist ein gutes Beispiel dafür.

Was zeichnet eine Effektiv-Kultur aus?

Eine revolutionäre Innovationsbereitschaft. Die Lust, das völlig Neue zu wagen, zeichnet sie aus. Neu und revolutionär. So wie die MBOs, CDOs und CDSs. Also die ganzen Finanzderivate, die uns jetzt zu neu sind. Oder die Atombombe. Oder, um ein angenehmes Beispiel zu erwähnen: MP3.

In beiden Kulturen werden effiziente Manager benötigt und zwar im übergroßen Maße, denn nicht jeder Tag ist ein „guter Tag um Geschichte zu schreiben“ (Motto der Bayernfans beim Champions-League-Finale 2001), aber Effektiv-Kulturen huldigen ihren Effektiv-Stars (Steve Jobs ) und bilden sie anders aus.

Zum Beispiel am St.John’s College in Annapolis und Santa Fé. Dort gibt es keine Vorlesungen, keine Wahlfächer, keine Lehrbücher, keine Examina. Dort lernt man die prägenden Denker des Abendlandes aus den letzten 2500 Jahren in den Originalwerken (Sekundärliteratur streng verboten) und in den Originalsprachen kennen: in griechisch, lateinisch, französisch, deutsch. Und diskutiert sie. Kein Wort über irgendein Fachgebiet des angewandten Lebens. Oder einer Vorform dazu.

Kommen wir zu einem entscheidenden Punkt, der Ethik. Ethik verstanden als verantwortungsbewusstes Handeln. Der effiziente Manager ist da in großer Sicherheit, er bekommt ja „das Richtige“ vorgegeben, braucht ja nur innerhalb dieser „Richtig“linien zu entscheiden. Ethik ist hier ein reines Bequemlichkeitsprodukt. Der effektive Manager handelt je nach Selbstsicht entweder in Freiheit oder ist zur Freiheit verdammt. Logischerweise muss er sich sehr viel mehr um verantwortungsbewußtes Handeln Gedanken machen, denn er steht für „das Richtige“ , er handelt, ohne dass andere ihm „Richtig“linien vorgegeben haben.

Hat er das bei den völlig neuartigen Finanzprodukten gut getan? Nein, das hat er nicht. Während der inkrementelle Manager brav an der stetigen Verbesserung unser aller Wohl gearbeitet hat, griff sich der revolutionäre Manager die schöne Seite seines Tuns, die Lust am Risiko, nebst erstklassiger Bezahlung und machte sich keinerlei Gedanken um die weniger schönen Auswirkungen seines Handelns.

Also ein Lob dem Einheits-Manager, der mehr verwaltet, als gestaltet. Der nie Geschichte schreibt, weder im Guten, noch im Bösen. Der in guten Zeiten auch immer gelobt wird und nur in bösen Zeiten einen Leitartikel der FAZ ertragen muss, der ihn wegen etwas schilt, was er doch für seine herausragende Tugend hält. Aber so, wie er 98,5% der Manager vertritt, wird er auch  in 98,5% der Zeiten durch die FAZs dieser Welt gut vertreten sein.

Und was machen wir nun mit dem Effektiv-Manager? Vielleicht gelingt es uns, ihn so zu erziehen, dass er „das Richtige“ besser erkennt. Möglicherweise wird dann eines Tages ein richtig guter Effizienz-Manager aus ihm.

SIX

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