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homo oeconomicus ermittelt: Der Fall Thomas Sargent.

Posted By six On 17:07 In Kurzgeschichte,Unterhaltung,Wissenschaft | 5 Comments

Meine Digitaluhr zeigt 20 nach 8.

Seit ich diese alberne Analoguhr
abgeschafft habe, ist mein Leben
wieder etwas rationaler geworden.

Ich bin leicht benommen, um
nicht zu sagen, ein klein wenig
besoffen, für einen Detektiv
vielleicht nicht ungewöhnlich, für
einen Wirtschaftsdetektiv namens homo oeconomicus, der
der jedes Vergehen gegen das streng rationale wirtschaftliche
Handeln unnachsichtlich verfolgt, allerdings unerträglich,
wenn der Rausch nicht exakt vorhersehbar ist.

Ich bin gerade Teil eines Selbsttests mit einer exakt
viereckigen Whiskeyflasche, mit exakt viereckigen
Gläsern, verbunden mit einer logarithmischen Skala.
Dies schien mir ein gelungener Versuch, eine praktische
Mischung aus Lebensnähe und Exaktheit, wie ich aber
gerade anhand meines brummenden Schädels feststelle,
war dieser Versuch vielleicht praktisch, aber nicht exakt.
Stelle mir als nächstes einen wesentlich besseren Test vor,
mit einem Alkohohleffizienzer, der in seinem wunderbaren
Algorithmus sogar den Verdunstungseffekt am Lagerungsort
berücksichtigt – inkl. langfristiger Wetteraufzeichnung des
Mikroklimas, die wiederum erlaubt, den Verdunstungseffekt
durch Verlagerung der Lagerung optimal zu steuern.
Ein zukünftiger Rausch sollte dann exakt berechenbar sein.
Auf 0,001% Restrauschen innerhalb einer vorgegebenen
Zeit – mit der Sicherheit eines Signifikanzniveaus von 5%
des Kolmogorov-Smirnov-Tests. Das heißt, nur jeder
20.Rausch wäre unvorhersehbar.

Aber nun zu meinem neuen Fall, der mir sehr viel
Hoffung gibt, einer der wenigen Fälle, wo ich nur
fahnde, aber nicht ahnde.

New York City University.

Wie immer befrage ich den neuen Nobelpreisträger nicht
selbst. Störgeräusche des persönlichen Empfindens sind
nach wie vor unkalkulierbar und führen zu atemberaubenden
Fehlern im hohen Nanobereich.

Aber was seine Kollegen erzählen, ist für mich, nun wie
soll ich meine Begeisterung ausdrücken, also, ich würde
sagen, 100, ja genau 100 auf meiner Begeisterungsskala,
ohne die geringste heisenbergsche Unschärferelation.

Sie berichten.

Thomas Sargent geht von einem Verbraucher aus, der die
Zukunft gut einschätzen kann.

Beispielsweise erkennt er, dass, wenn die Regierung heute
mehr Schulden macht, um dadurch zusätzliche Ausgaben
der Wirtschaft anzukurbeln, später die Steuern steigen,
um das Defizit zu finanzieren. Das bedeutet, dass etwa
ein Konjunkturprogramm ins Leere läuft. Sein klares Ergebnis
ohne Wenn und Aber: Die Politik ist, auf längere Sicht, machtlos.

Thomas Sargent ist für mich der beste Wirtschaftswissenschaftler
der neueren Neuzeit und jetzt schon ein Klassiker der älteren
Altzeit. Der rationalen Wirtschaftslehre. Sein Ansatz, der völlig zu
Recht mit dem “Preis der Reichsbank Schwedens für die ökonomische
Wissenschaft zum Andenken an Alfred Nobel” (die 1000% Neidhammel
von den Natur-Wis verweigern uns rationalen Wirtschaftlern immer
noch den Nobel – Preis) ausgezeichnet wurde, sagt, dass die Akteure
sich immer ökonomisch rational verhalten und die Märkte perfekt
funktionieren.

Das ist es, was ich hören will.

Darauf werde ich mir jetzt meinen Lieblingsrausch mit einem
Restrauschen von… verdammt, den Alkohohleffizienzer
gibt es ja noch gar nicht. Wie komme ich denn jetzt zu meinem
exakten Lieblingsrausch?

SIX

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