Detlev Six
Samstag, der 13. September 2014

Sind wir alle Seescheiden?

Die Seescheide ist ein Meeresbewohner, der sich, sobald er einen passenden Platz zum Altwerden gefunden hat, sein Leben lang nicht mehr bewegt. Und da ein Gehirn beim Verharren auf einem Platz nur hinderlich ist, frisst die Seescheide es einfach auf.

Ist der IS-Kämpfer eine Seescheide?

Welches Gehirn könnte überflüssiger sein, als eines, das sich seit 1400 Jahren nicht mehr verändert hat?

Ist Putin eine Seescheide?

Eher weniger. Zwar glaubt er fest an Volk, Raum, Macht, bewegt sich gleichzeitig aber sehr erfolgreich in unseren Hirnen und manipuliert unsere Moral-Linien.

Sind wir Westler Seescheiden?

Leider ja. Wir haben unsere universellen Werte in die Menschenrechte gegossen und wundern uns, warum wir mangels Nachfrage der anderen jetzt alleine auf ihnen sitzen bleiben.

Die anderen denken überhaupt nicht daran, so zu denken wie wir denken. Und wir haben auch nicht immer so gedacht. Zum Beispiel im 30-jährigen Krieg oder bei den Nazis, die vor gerade einmal 70 Jahren dasselbe veranstaltet haben wie der IS, inklusive der Rituale der Machtspiele

Universelles Denken kann provinziell sein – wenn es sich für das einzige hält. Wir sollten schleunigst mit dem Lamentieren über das brutale Vorgehen der anderen, das so gar nicht mit unseren Werten übereinstimmt, aufhören und uns mit den Werten in den Köpfen der anderen beschäftigen.

Und wie wir sie knacken können.

Ohne immer mit unserer Bibel, der Menschenrechtsfibel zu kommen. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass bei den einen das Wort die Basis für ein Argument ist, bei den anderen das Gewehr

Kurz:
Wir müssen lernen, damit umzugehen, dass wir nicht das Werte-Monopol haben. Wer sich mit strategischer Moral auseinandersetzt, der muss in die Köpfe der Anderen. Dabei aber nicht den Fehler begehen, die Empathie mit Gleichgesinnten mit der Auseinandersetzung mit Feindgesinnten zu verwechseln.

Also, heute Abend für 10 Minuten raus aus dem eigenen Kopf, in den eines fremden, feindlichen.

Sonst gibt’s von mir einen Klaps auf den Hinterkopf.

SIX

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