Detlev Six
Sonntag, der 24. August 2014

Strategie ist kein Blick in den Rückspiegel.

Sie könnten in die falschen Hände fallen – unsere Waffen.

Mit ziemlicher Sicherheit

Die Waffen, die der Westen an Gaddafi geliefert hat, treiben ihr Unwesen im gesamten nahen Osten.

Mit den westlichen Waffen an Afghanistan feuern die Taliban.

Der IS ist mit gepanzerten Waffen der USA unterwegs.

Und jetzt sollen wir Waffen an die Peschmerga liefern, gar an die PKK, die ja in Deutschland immer noch als Terroristen-Vereinigung eingestuft ist? Mit der vagen Aussicht, das noch schlimmere Übel des IS zu verhindern? 

Es gilt der Satz von Kierkegaard: Wir können das Leben nur rückwärts verstehen, müssen es aber vorwärts leben. Mit einer strategischen Entscheidung ist der Blick in die Zukunft verbunden, damit Spekulation und Risiko.

Die Spekulation:

Der kurdische Teil des Irak ist der dem Westen kulturell am ähnlichsten in der Region (von Israel abgesehen). Es könnte in Form eines (irakischen) Kurdistan ein Staat mit halbwegs westlichen Werten entstehen (Pluralismus, Demokratie, Marktwirtschaft). Die Hoffnung steht auf einer haltbaren Verbindung von Peschmerga und PKK mit der Aussicht auf Stabilität des neuen Staates. Der Zerfall des Staates Irak wird in Kauf genommen. In drei Teile. Kurdistan, schiitischer Staat, sunnitischer Staat. Der IS ist besiegt. Die Waffen bleiben in Kurdistan.

Das Risiko:

Der schlimmste Fall wäre der totale Sieg der IS und in Folge ein irakisch-syrisches Kalifat, der intoleranteste Staat unter der Sonne. Die Waffen fallen in die Hände des IS.

Die leichteste Verlust-Variante – die PKK verschwindet nach erfolglosem Kampf mit den westlichen Waffen in den türkischen Bergen oder in Syrien.

Dazwischen gibt es noch jede Menge Zwischen-Varianten.

Soweit der äußerliche Akt der Waffen-Entscheidung.

Für uns (Anmerkung des Verfassers: Die Ansprache richtet sich an die Mitglieder der Community „Strategische Moral“)  ist ja vor allem interessant, welche strategische Moral die einzelnen Spieler verfolgen, um den Waffen-Deal zu beeinflussen und um (im Fall des IS) ein Investment in die Gegenbewegung zu bekommen?

Die kurdischen Nord-Iraker an den Westen:
Wir sind die Hoffnungsträger Eurer Werte.

Die PKK an die Peschmerga und den Westen:
Das Blut der Brüder siegt am Ende immer.

Der IS an Mitstreiter und Geldgeber (Katar):
Nur mit uns könnt ihr die Herrschaft des Westens beenden.

Der Rest-Irak (Schiiten/gemäßigte Sunniten) an die USA:
Sollen alle Eure Opfer vergeblich gewesen sein?

Meine Prognose:
Der Westen liefert jede Menge Waffen, Kurdistan wird gegründet und gerät unter die Herrschaft der PKK.

SIX

Dieser Artikel wurde zuerst in der google+ community „Strategische Moral“ veröffentlicht.

2 Kommentare zu “Strategie ist kein Blick in den Rückspiegel.”

  1. Klaus Rabba (Dienstag, der 26. August 2014)

    Kurdistan bekommt eine Chance, der Irak zerfällt in drei Teile, Syrien zerfällt in noch mehr Teile, der Iran löst sich aus der Isolation. Europa und USA stehen vor dem Scherbenhaufen ihrer Politik und müssen sich gegen Übergriffe durch Terror und Erpressung erwehren.

  2. Klaus Rabba (Sonntag, der 9. November 2014)

    Lieber Roland, der irakisicher Teil Kurdistans ist beileibe nicht unserem westlichen System nah. Dort herrscht ein unduldsamer Islam und der Druck auf die Christen ist sehr stark. So stark, das viele konvertieren, um Ruhe zu haben. Frauen allein = Hure, ohne Schleier = Schlampe, die von jedem Beschimpft werden darf. Ein Islam von vor 200 Jahren. Auf der anderen Seite haben die Kurden dort Geld und nutzen es zum Ausbau einer modernen Infrastruktur. Man kann dort ohne Probleme hinreisen und Geschäfte machen. Es gibt amerikanische und deutsche Dörfer der dort arbeitenden Unternehmen. Es fand eine ethnische Säuberung von allen Arabern statt. Sie Isis bedroht lediglich die Einnahmen der Kurden, aber nicht die Menschen, da sie auch Sunniten sind.
    Wir müssen aufhören, in unseren eingefahrenen Kategorien zu denken, die nicht für den Orient taugen. Das heutige Syrien und der Irak sind Kunstgebilde, geschaffen von Frankreich und England. Was sich z. Zt. herausbildet, entspricht mehr der ethnischen und religiösen Aufteilung des Orients. Osttirols Shiiten passen mehr zum Iran, der auch ein Vielvölkerstaat ist. Kurdistan den Kurden und der Rest passt wirklich besser zum sunnitischen Teil Syriens. Das Syrien der vielen Völker und Religionen, die nur unter Druck zusammen lebten.
    Richtig wäre, nichts zu tun! Auch wenn es schwerfällt. Die amerikanischen Irakkriegenhaben mehr Menschenleben gekostet, als ISIS bisher verursachte. Niemand würde sich kümmern, wenn es in der Region kein Öl gäbe.
    Seit dem Untergang des Türkischen Reichs hat der Westen der Region kein Glück gebracht oder zumindest einen Lösungsweg gezeigt.
    Es ist deshalb normal, dass die Religion wieder ihren alten Zweck der Rückbesinnung auf eigene Werte bietet, denn wir haben den Menschen nichts geboten. Außerdem kann EUROPA mal gerade eben auf lächerliche siebzig Jahre beispielhafter Demokratie und Konsenz verweisen.
    Das irakische Kurdenland beweist, dass es Islam und Wohlstand durchaus geben könnte.

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