Ulf D. Posé
Freitag, der 8. November 2013

Der Sprachschnabel

Wie der Sprachschnabel halt so gewachsen ist.

Wir leben in einer Zeit des unverantworteten Geschwätzes. Die Folge ist, wir prostituieren uns völlig hemmungslos mit den Abfallprodukten unserer Großhirnrinde. Besonders fällt das bei der Prominenz auf. Und wir hören ihnen gern zu, denn die sprachliche Unterdurchschnittlichkeit der Prominenten gibt uns das Gefühl, besser zu sein, ohne beweisen zu müssen, dass das stimmt.

Wir leben in einer bemerkenswerten Zeit. Wir unterscheiden nicht mehr zwischen Sprachzeichen und Denkzeichen. So füllen wir unsere Worthülsen nicht mehr mit Denkzeichen, sondern mit Gefühlen. Dafür müssen wir uns dann nicht mehr anstrengen, Gefühlsduselei statt Qualität. Wir unterziehen uns nicht mehr der Mühsal des Begriffs, wie Adorno es uns gesagt hat. Wir geben uns gebildet, sind jedoch nicht mehr klug, nicht mehr intelligent. Intelligent ist ein Mensch, wenn er sich konzentrieren kann, Regelmäßigkeiten erkennt und Prioritäten zu setzen weiß. So gibt es durchaus sehr gebildete Menschen, die jedoch im Sinne der Intelligenz saudumm sind.

So nimmt die intellektuelle Redlichkeit derzeit ein ziemlich ausgiebiges Bad, eine gehörige Auszeit. Das dürfen wir nicht mehr zulassen. Dafür haben wir Verantwortung. Also lassen Sie uns gemeinsam nach Antworten suchen, Antworten finden.

Es gilt zu bedenken:

  • Sprache kann heilen.
  • Sprache kann aber auch Beziehungen stören und zerstören.
  • Sprache kann töten.

Das gilt es zu erkennen. Und vom Baum der Erkenntnis sollte man nie satt werden wollen! Allerdings habe ich manchmal das Gefühl,  der Baum der Erkenntnis scheint verdorrt zu sein.

Sprache kann sehr mächtig sein. Es reichen schon fünf Wörter, um die Welt in Bewegung zu setzen:

  • En arche en ho logos (Am Anfang war das Wort).
  • Ceterum censeo carthaginem esse delendam
  • Und sie bewegt sich doch
  • Proletarier aller Länder vereinigt euch
  • Wollt ihr den totalen Krieg
  • Niemand will eine Mauer errichten
  • Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort

Sprache kann töten, kann Würde vernichten, vor allem, wenn wir Menschen und nicht nur deren Taten be- und verurteilen. Und wenn wir Menschen funktionalisieren, wenn sie nicht mehr Ziel unseres Handeln sind, sondern nur noch Mittel zum Zweck. Allerdings ist Würde für Manche nur ein Verb im Konjunktiv.

Ethisches Missverständnis

Viele Menschen, vornehmlich professionelle Redner, auch key-note-speaker genannt,  leben nach dem Motto: Was nützt die weiseste Weisheit, wenn man sie nicht weise darstellen kann? Man muss es nur richtig sagen!

Das könnte ein ethisches Missverständnis sein.

Also schauen wir uns gemeinsam der Kern der Sprache an, denn wer den Kern einer Sache verstehen will, sollte aufhören nur an der Peripherie zu wildern.

Es ist schon erstaunlich, wie ungenau unsere Sprache geworden ist. Wir verwenden dieselben Wörter, jedoch kaum noch dieselben Begriffe, die diesen Wörtern zu Grunde liegen.  Wir sind in hohem Maße sprachinkompetent geworden.  Das ist eigentlich leicht zu erklären. Wir leben in einer Sprachwelt. Allerdings nicht von Geburt an. Zunächst wachsen wir in der Welt der Begriffe auf, in einer Welt, in der uns als Kleinkind noch die passenden Wörter für zahlreiche Begriffe fehlen. Als Kleinkind hören wir viele Wörter, wir wissen jedoch noch nicht, was sie bedeuten.

Wenn Menschen auf die Welt kommen, dann können sie noch nicht sprechen. Aber ab diesem Moment des In-die-Welt-Kommens sind sie von Begriffen umgeben. Sie wissen ganz genau, was ein Schnuller ist, wissen nur nicht, wie das Ding heißt. Kleine Kinder verfügen sehr schnell über Begriffe; sie wissen, was das Wesen eines Gegenstandes ausmacht. Sie kennen sich aus ohne Worte. Erst langsam entwickelt sich dann die Sprache, mit der sie Begriffe bezeichnen können. Jetzt können sie sagen, was sie längst wissen. Und dann wundern sich Eltern, wenn die Sprache der Kinder explodiert, in der Regel ab dem zweiten Lebensjahr. Dabei ist es keine Hexerei: Die Begriffe haben die Kinder längst erfasst und gelernt. Es haben nur die passenden Wörter gefehlt.

Kinder wachsen zunächst mit Denkzeichen auf, die Sprachzeichen lernen sie erst ab Mitte des 2. Lebensjahres. Warum ich das betone? Der Grund ist einfach: Im Laufe des Lebens lernen wir so viele Wörter aus der Welt der Sprachzeichen, dass es vielen Menschen gleichgültig ist, auch die dazu notwendigen Begriffe aus der Welt der Denkzeichen zu beherrschen. So geben wir uns mit Wörtern zufrieden, deren Inhalt und Begriff uns oft nicht mehr klar sind, nicht mehr mit den Inhalten der Denkzeichen abgeglichen  wird.

Da wir die Begriffe verloren haben, obwohl wir die Wörter noch beherrschen, suchen Menschen nach einem Ersatz für den Begriff, einem Ersatz für die passenden Denkzeichen. Menschen sind kreativ, sie werden schnell fündig. Statt der Denkzeichen wählen Menschen dann ihre Gefühle als vollwertigen Ersatz.

Wörter werden immer zunehmender mit Emotionen aufgeladen. Und so schwimmen Menschen auf einem See von Gefühlen, wenn sie Wörter in den Mund nehmen. Was das Wort eigentlich bedeutet, wird ihnen immer gleichgültiger.

Die Folge daraus ist fast tragisch oder bestenfalls komisch. Wir wissen nicht mehr um die Bedeutung von Wörtern, nutzen sie jedoch, um daraus unser Handeln abzuleiten. Warum machen wir das? Weil es bequem ist. Über die Gefühle zu sprechen, ist weitaus bequemer, als sich der Mühsal eines Begriffs zu widmen, herausfinden zu wollen, was ein Wort eigentlich bedeutet, eigentlich meint. Diese intellektuelle Redlichkeit strengt an.

Wir müssten also wieder werden wie Kleinkinder und lernen, Wörter mit ihrem sachlich richtigen Inhalt, mit ihrem Begriff zu füllen.

Leider sind immer weniger Menschen an Begriffen interessiert, geschweige denn an intellektuellen Fähigkeiten. Sie verlassen sich auf ihre Gefühle nach dem Motto: „Was stört mich Wissen, wenn ich doch schon eine Meinung habe.“ So gehen sie dann mit Meinungen ohne Substanz hausieren und leisten Überzeugungsarbeit. Damit stecken sie andere Menschen mit Meinungen an, die kaum einer kritischen Prüfung standhalten: So werden inhaltsleere Worte zu Überzeugungen, und wenn dann viele Menschen diese Überzeugungen teilen, schließen wir daraus, diese seien richtig. Wir prüfen sie nicht mehr – damit aber bleibt auch die Stichhaltigkeit eines Arguments auf der Strecke.

Wer sich einmal mit Philosophie beschäftigt, wird schnell erfahren, dass diese Wissenschaft nur zwei Fragen beantwortet haben will.

  • Erstens: Warum ist das so?
  • Zweitens: Woher weißt du das?

Redliche Menschen wissen, wer diese beiden Fragen beantworten kann, der bemüht sich um Kompetenz im Wissen.
Es geht also um Sprachkompetenz. Das ist die Basis für Entscheidungskompetenz. Sie bedeutet:

  • Bevor Du Dir eine Meinung bildest, kümmere Dich um Fakten
  • Frage Dich, ob Du ein Wort auch definieren kannst.
  • Frage Dich, ob Du nur etwas fühlst oder etwas von der Sache selbst weißt.
  • Sage nur etwas zu Dingen, von denen Du die Begriffe kennst und verstehst.
  • Frage nach, wenn Du etwas nicht weißt oder nicht verstehst.
  • Freue Dich, wenn jemand von Dir wissen will, wie du etwas meinst oder was du darunter verstehst.

Labern und Dummes Zeug reden

Warum hören wir nicht auf zu sprechen, wenn alles gesagt ist? Manche Menschen leiden unter Logorrhoe (Sprechdurchfall). Der Milliliter Einsicht wird in eine Tonne Wortschwall geschüttet.

Es ist schon erstaunlich und befremdlich, dass heute wichtige zentrale Begriffe unserer Gesellschaft ausschließlich benutzt werden, um Emotionen zu transportieren. Das bedeutet das Verenden des Denkens in der Floskel.

Das Denken stirbt inzwischen in Sprache.

Das bedeutet, man denkt nicht mehr nach, sondern spricht einfach nur.
Es ist für jede Art von Kommunikation in der Partnerschaft, in Unternehmen, in Politik wichtig, zu wissen, dass wir heute in einer Welt voller Floskeln leben, mit denen Emotionen hin- und hertransportiert werden ohne dass Semantik (Bedeutung), verantworteter Denkzeichen dahinter stehen.

Die Kultur des Denkens ist die Voraussetzung für jede andere Form von Kultur

Schon Aristoteles empfahl, Menschen in zwei Kategorien zu unterteilen: in Redliche und Unredliche. Redlich war für ihn derjenige, der noch wusste, worüber er sprach. Das bedeutete, der redliche Mensch sprach von den Dingen selbst, nicht nur von den Gefühlen, die er hatte, wenn er an eine Sache dachte. Der redliche Mensch gibt erst einmal das Wesen einer Sache bekannt, bevor er in Gefühlen schwelgt. Der redliche Mensch unterscheidet Wissen von Meinen.

Der redliche Mensch kann sagen, was die Merkmale einer Sache sind, was deren semantischer Inhalt ist. Den alten Griechen war es wichtig, erst einmal zu klären, worüber gesprochen wird, bevor eine Entscheidung gefällt werden kann. Das Mittel dazu war die Definition, die hilft, den Gebrauch einer Sache so zu beschreiben, dass derjenige, der die Beschreibung versteht, die damit gemeinte Sache angeben kann.

Adorno hat noch von der Mühsal eines Begriffs gesprochen. Er hatte sicher erkannt, dass wir uns dieser Mühsal unterziehen müssen, wenn wir verantwortungsvoll mit gesellschaftlich wichtigen Begriffen umgehen wollen. In einer Spaßgesellschaft scheinen nicht wenige Menschen diese Mühsal für lästig zu halten. Dabei ist sie notwendige Voraussetzung, damit wir in Wirtschaft, Politik, Kultur, in unserer Gesellschaft zu Entscheidungen gelangen, die auch tatsächlich in der Lage sind, ein Problem sach- und fachgerecht zu lösen.

Wieso haben wir diesen Zustand? Spätestens seit 1903 George Edward Moore seinen Emotivismus in der Ethik entwickelte, haben wir uns einer Ethik der Neigungen verschrieben. Es ist seit Moore ethisch gut, wenn Menschen sich bei dem was sie tun, gut fühlen. Nicht Wenigen reicht das, anstatt sich zu fragen, ob dass, was sie tun auch gut ist. Dieser emotionale Brei trägt einen Großteil der Verantwortung für die Unredlichkeit im Sprechen und Handeln.

Der zweite Aspekt ist der Hang zu einer Gesinnungsethik. Wenn meine Gesinnung eine redliche ist, dann fragen sich viele Menschen nicht mehr, ob sie diese Gesinnung auch an eine entsprechende Handlungskompetenz koppeln. So kommt es zu einer unsäglichen Paarung von gutem Gewissen und Inkompetenz. Ich richte Unheil an und fühle mich auch noch gut dabei. Dann haben wir drittens eine das Gewissen beruhigende Betroffenheitskultur entwickelt. Bei Lichterketten mitzumachen erscheint uns sinnvoller, als etwas konkret zu unternehmen. Manche Menschen rührt das Elend in Afrika mehr, als das Elend nebenan. So leiden wir unter Fernstenliebe; die Nächstenliebe ist auf der Strecke geblieben. Das scheinen mir die grundsätzlichen, generellen Merkmale einer neuen Unredlichkeit zu sein.

Auf der Strecke geblieben sind dabei die Bedeutungen unserer gesellschaftlich wichtigen Begriffe. Ob Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Leistungsprinzip, Freiheit, all diese Begriffe lösen Gefühle aus, die keineswegs durch Kenntnis der tatsächlichen Bedeutungen dieser Wörter gedeckt ist. Die wichtigsten Begriffe unserer Gesellschaft werden so nicht mehr auf ihre semantische, sondern nur noch auf ihre emotionale Bedeutung hin untersucht. Daraus folgen semantische Verbrechen und inkompetente Handlungen, und es fällt kaum noch auf. Lassen Sie mich dies an einigen Wortbeispielen unserer Gesellschaft erläutern.

Politiker sprechen von Freiheit und berauben uns ihrer, indem sie dafür sorgen, dass der Staat immer mehr die Verantwortung für unser Wohlergehen tragen soll. Dass unser Staat dabei pleitegeht, stört offensichtlich kaum noch jemanden. Dabei meint Freiheit doch, sein Leben selbstverantwortet und nicht fremdverantwortet führen zu können.

So greifen Politiker fröhlich in unsere Freiheiten ein, und reglementieren uns mit Ideen wie vegetarischer Donnerstag, Abschaffen der ersten Klasse bei der Bahn, striktes Rauchverbot etc. etc.

Politiker und Gewerkschaftler fordern Soziale Gerechtigkeit und verkennen, dass Gerechtigkeit der feste Wille ist, einem jeden Menschen sein Recht zukommen zu lassen. Es fällt nicht mehr auf, dass das Adjektiv ‚sozial“, genau diesen festen Willen konterkariert. So entsteht eher „Sozialgesäusel“ statt Soziale Gerechtigkeit.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Professor A.F. Hayek, bezeichnete Adjektive wie »sozial« als weasel-words. Diese haben die Eigenschaft, einen Begriff auszuhöhlen, und ihm eine neue Bestimmung zu geben, die mit dem Substantiv nichts mehr zu tun hat.

Und ein Letztes zur semantischen Bedeutung der sozialen Gerechtigkeit: Bis heute ist es nicht gelungen, soziale Gerechtigkeit verbindlich und zutreffend zu definieren. Jeder benutzt sie sehr emotional für seine Zwecke, und vergisst, dass die soziale Gerechtigkeit eine Erfindung der alten Griechen war, die damit den Neid bekämpfen wollten. Der Kampf misslang, die Methode wurde damals wieder abgeschafft.

Ähnliches wie bei der sozialen Gerechtigkeit erlebe ich bei Verwendung des Wortes Demokratie. Wir halten Demokratie für die beste aller Regierungsformen und verleugnen, dass diese altgriechische Erfindung ‚Demokratie’ schon vom Wort her eine starke Herrschaft des ‚Demos’, also der Oberschicht war und als Regierungsform nur entwickelt wurde, um von einem Herrschaftssystem zu einem anderen überzuleiten. Die alten Griechen lebten in der Überzeugung, man solle ein Volk nicht länger regieren lassen, als unbedingt notwendig. Gleichzeitig verbinden wir  heute mit der Demokratie den Liberalismus.

Dabei fällt uns nicht mehr auf, dass Demokratie und Liberalismus sich gegenseitig ausschließen.  Liberalismus will immer so viel Freiheit wie nur irgendwie möglich, und nur so viel Zwang wie unbedingt erforderlich, also notwendig. Demokratie und Liberalismus sind eigentlich zwei verschiedene Dinge. Die Verbindung ist uns aber so selbstverständlich, so lieb geworden, dass wir über die Bedeutung der Wörter nicht mehr nachdenken, uns eine Trennung der beiden nicht mehr vorstellen können. Kritisch betrachtet, ist so manches von dem, was wir als undemokratisch bezeichnen, nur illiberal.

Überdies haben wir vergessen, dass sich in einer liberalen Demokratie Freiheit und Gleichheit ausschließen. Das Ganze ist ein Gegensatz. Jede Form von Gleichmacherei beschneidet zugleich auch jede Form von Freiheit. Wir sind nicht gleich. Die Unklarheit über die semantische Bedeutung des Wortes Demokratie führt schlussendlich dazu, dass wir nicht mehr in der Lage zu sein scheinen, kritisch zu überprüfen, ob in unserer Demokratie auch unsere Verfassung eingehalten wird. Unser Grundgesetz sieht nämlich die Regierung von Parteien nicht vor. Im Grundgesetz steht,  ‚Die Parteien sind an der politischen Willensbildung des Volkes beteiligt.’ Von Regieren steht da nichts. So wäre der Fraktionszwang eigentlich verfassungswidrig. Es stört zwar keinen, aber er bleibt verfassungswidrig.

Und dann wundern sich die großen Parteien, wenn das Volk anfängt, sich zu weigern, sie zu wählen. Bevor unsere Politiker über Demokratie sprechen, sollten sie sich wenigstens darüber informieren, was Demokratie ist.

Unsere Wirtschaftskapitäne sind leider nicht besser. Ein Beispiel. Die Wirtschaft kämpft für eine Wirtschaftsordnung, in der das Leistungsprinzip dominieren soll und verkennt, dass das Leistungsprinzip eine idealtypisch sozialistische Entlohnungsmethode ist, die von Karl Marx gefordert und eingeführt wurde, und in der Markt und Nutzen keine Rolle spielen. Das Leistungsprinzip ist eine Entlohnungsmethode, in welcher der Mitarbeiter nach Maßgabe seiner erbrachten Leistungen honoriert wird. Leistung ist entweder das Maß der Erfüllung von Zielvorgaben oder die Menge der Arbeit pro Zeiteinheit. So weit, so klar!  Ist aber Leistung tatsächlich die Grundlage unserer Entlohnung?

Früher war es ganz einfach: Wer arbeiten wollte, bot seine Arbeit auf dem Arbeitsmarkt an. Arbeit bekam im Verhältnis zu anderen Anbietern einen Marktwert. Diese Arbeit wurde nun von Unternehmern auf dem Arbeitsmarkt eingekauft. Sie taten dies, weil sie sich einen Nutzen von dieser Arbeit versprachen. Arbeit hatte einen Nutzwert. Stieg der Nutzen an, bekam der Arbeiter mehr Lohn, denn er konnte am gestiegenen Nutzen beteiligt werden. Sank der Nutzen, dann wollte der Unternehmer diese Arbeit nicht mehr haben, er entließ den Mitarbeiter. Das Entlohnungsprinzip war das Marktwert-Nutzwert-Prinzip. Auch heute noch ist der vom Unternehmer erwartete Nutzen die entscheidende Größe bei der Kalkulation des Lohns! Es ist also der Nutzen, der über den Wert der Arbeit entscheidet, und nicht die Leistung. Somit ist es zwar hochemotional, jedoch semantisch unsinnig, das Leistungsprinzip als kapitalistische Entlohnungsmethode zu fordern.

Die Beispiele zeigen, es ist dringend an der Zeit, semantische Redlichkeit zu fordern. Sprechen wir endlich wieder von den Dingen selbst, und nicht nur von den Gefühlen, die Wörter in uns auslösen. Es lohnt sich. Sonst müssten wir Bernhard Shaw Recht geben, der einmal sagte: Manche Menschen sind nur bereit für Dinge zu sterben, die ihnen zureichend unklar sind.

Ulf D. Posé

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4 Kommentare zu “Der Sprachschnabel”

  1. rd (Freitag, der 8. November 2013)

    Mit diesem Artikel hat der Ulf mir in vielen Aussagen so richtig aus dem Herzen gesprochen. Danke Ulf!

  2. six (Dienstag, der 12. November 2013)

    Wer es gerne ein bisschen knackiger hätte, wird unter Radiophilosophie (Wortwundertüten und Rededurchfall) fündig.

  3. Joachim Schnurrer (Sonntag, der 17. November 2013)

    In Verbindung mit dem immer weiter um sich greifenden Ethozentrismus, kann mit Sprache noch viel mehr „Unheil“ angestellt werden.
    Hir findet man mehr dazu:
    http://www.omnisophie.com/dd201-ethnozentrismus-oktober-2013/

  4. Joachim Schnurrer (Freitag, der 22. November 2013)

    Deutschlands Talkshow-Profis wissen, was zu tun ist, sobald sie auf Sendung sind.
    Ein interessanter Blog hierzu:
    http://heutigentags.de/2013/11/21/talkshows/

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