Werner Lorbeer
Sonntag, der 20. Dezember 2009

Desert Tec #003 – Paradies jetzt

ChristrosenVerständigung„Kopenhagen ist gescheitert.“ Mit großer Anstrengung sollte unter dem Schirm des Slogans „2 Grad, non plus“ eine globale Vereinbarung von industriepolitisch größten Ausmaßen beschlossen werden. Das Ende des Kohle- und Öl- und Erdgas-Zeitalters, ebenso revolutionär wie das Ende der Dampfmaschine. Der Treibsatz dazu ist die Angst vor der Eigendynamik des Planeten, der mit seinen Selbstregulatorien den Lebensraum des Ausufernden homo sapiens – „sapiens“ -, zu beschneiden droht.

Auf der Basis historischer Erfahrungen erscheint es nicht sehr klug, die Lösung auf der Ebene der Pakte zu suchen. Pacta sunt servanda! Und wenn nicht? Langlebiger haben sich die technologischen Änderungen erwiesen – die Zeit der Windmühlen dauerte immerhin 3000 Jahre, in denen viele Reiche kamen und gingen. Mit der Folgerung: Es ist vielversprechender, neue CO2 neutrale Zivilisationstechniken zu konstruieren und ins Werk zu setzen als über Zertifikate zu verhandeln.

Treten wir noch einen Schritt zurück: Die Erde war, unabhängig vom Eingreifen des Menschen, in den letzten 450 Mio Jahren sowohl Eisplanet wie Wüstenplanet. Der Planet hat also gar keine subtilen Selbstregulatorien, die ihn im Zustand der heutigen Ausgeglichenheit zwischen den beiden polaren Eiskappen halten würde.

Die Naturgeschichte ist voll von Großereignissen: Das heutige Mittelmeer war eine trockene Senke bis der Damm bei Gibraltar brach … Noch vor 4000 Jahren, in historischer Zeit, war die Sahara wasserreich und grün … Vor 450 Mio Jahren erlösten Vulkane die Erde von ihrem Eispanzer … Die Konsequenz wäre Lufthüllen und Klima Engineering um das Gesamtsystem dem Zivilisationsprozess zu unterwerfen, Desert Tec im globalen Maßstab.

Die kurze Evolutionsgeschichte des homo sapiens, die einige Male schon knapp am Aussterben der Art vorbeiging, in der Katastrophen die Populationen verinselten, etc., spielte sich bisher unter den evolutiv freundlichsten Bedingungen ab. Was wir heute sehen sind langsame Klimaverschiebungen, die zu Bevölkerungsverschiebungen führen. Einander fremde Völker werden aufeinander geschoben und müssen integriert werden – fürwahr, eine große Aufgabe und die eigentliche Aufgabe für die Politik.

Was ist von einem Planeten zu halten, den die Politik mit einem „2 Grad Ziel“ in den Zaum nehmen will? Ist er schlicht ungeeignet für das Menschengeschlecht? Haben die mosaischen Religionen recht, die die Geschichte der Zivilisation mit der Vertreibung aus dem Paradies beginnen. Mit der Ursünde der Erkenntnis – also des Selbstbewusstseins und der Durchbrechung der last border der Evolution! Fußend darauf die notwendige Erlösung, nicht nur eschatologisch gedacht sondern auch ganz materiell „Gestrüpp und Dornen soll das Feld tragen“.

Treten wir zu Weihnachten nochmal einen Schritt zurück und erkennen, dass der Planet seit 4 Mrd. Jahren ohne Unterlass neue Lebensformen produziert. In seinen Ausdünstungen versät er unermüdlich seit dieser Zeit in Form von komplexen Molekülen Leben hinaus ins Universum (leider kenne ich zu dieser Hypothese keine Untersuchung).

Und auch wenn es uns bis heute nicht gelungen ist, draußen Spuren von Leben zu finden, die Erde hört nicht auf Leben zu spenden und zu säen. Wenn der Begriff „Paradies“ nicht von allen Religionen ins jenseitige und transzendente gedacht worden wäre und damit der Begriff verbraucht wäre – ich nehme ihn trotzdem, denn er bezeichnet einen Inbegriff von allem – und wage ich die These:

Das Paradies ist hier auf diesem Planeten und es spielt sich ab in unserem evolutiv erweitert gedachten jetzt seit dem Ende der letzten großen, mutmaßlich exogen induzierten planetaren Katastrophe.

So gesehen – so wie auch der amerkanische Präsident Obama es artikulierte – ist Kopenhagen ein großer evolutiver Fortschritt. Homo sapiens „sapiens“ betrachtet und bewundert nicht nur sein ICH sondern auch sein GEGEN-ICH, den Planeten, der ohne ICH nicht denken könnte so wie ICH ohne GEGEN-ICH nicht leben könnte.

wl

5 Kommentare zu “Desert Tec #003 – Paradies jetzt”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 23. Dezember 2009)

    There are many mistakes in this posting. It is not the self-regulation of the planet that is the problem. It is what humans are doing. It makes little sense to regard us as part of the planet. Were the Americans on the moon part of it or of the Earth? Except for followers of the (crazy) extreme Gaia theory, the planets are not self-regulating, but are subject to random effects.
    Of course we need technical developments, but we need pacts too. It would be similarly silly to rely on weapon development to bring an end to war. Of course pacts are broken, but some are very useful. The European Union has certainly contributed to peace in Europe, and probably also to prosperity. The American civil war has not started over again. Nearer to the climate situation, agreements have helped as regards acid rain and the ozone layer. Even the shaky nuclear non-proliferation may have at least postponed the disaster.
    The trouble with the climate problem is that without rules (pacts), it benefits each person (and each small group) to ignore the problem (whether or not the others act like that). People and countries must get together to avoid such selfishness. This is difficult. Even after the feeble Copenhagen agreement, business people at least in USA and Germany have warned about the danger that jobs will be exported. The most similar case is that of fishing in international waters, where it has been obvious for decades that stronger regulation is needed. Perhaps the finance world is a similar case.
    The theory behind the carbon certificates is to use the mechanisms of capitalism to steer the necessary investments towards the areas where they are most effective. I agree that this is not the most important component for solving the problem, particularly as the industrialised countries have arranged the initial allocations for their own benefit. It would be fairer to give out certificates per head of population. But particularly the Americans would not accept that.
    Life is a compromise between cooperation and competition. (This corresponds with the political left-right axis. But we see that the main parties differ rather little). In the various problems of humanity, sometimes one is more important, sometimes the other. As regards climate change, cooperation is vital.

    The ice planet theory is not generally accepted. Certainly there were periods of heavy glaciation, culminating in the worst one, a little more than 500 million years ago. I do not believe that the Earth was completely covered in ice. There would not have been enough time afterwards for all the archosaurs to evolve. These ice ages were brought on by plants removing CO2 from the atmosphere, first with the first photosynthesis, later the first complex plants, and then the first land plants. The sun’s radiation was then much weaker. Each such ice age was terminated either by the animals catching up on the plants, or by intense out-gassing from volcanoes. These ice ages were much worse than the ones in the last million or so years. I have not heard that the earth was ever a desert (except before life started).

    The current climate change is not slow, though probably there have been faster ones. It may be a nice idea that the people who are ok in the changed world will make room for those who are flooded out or otherwise ruined, but such behaviour has rarely been observed and is less likely in a crowded world. The most serious continuing modern form of discrimination is that according to nationality.

    The mosaic religions are wrong, particularly concerning genesis. If they are right about man having been driven out of paradise, how can the Earth here and now be paradise? Of course man will disappear from the Earth. I believe less than 1% his period of existence remains.

    It seems to me unlikely that the Earth has spewed life out into space (except for Americans on the moon). If it has, then it is unlikely to be unique in this respect.

    I think it was a mistake to organise the Copenhagen conference in December. It is hard to get people to worry about global warming when it is snowing! Las Vegas in July with the air-conditioning switched off would be good for the next such conference.

  2. rd (Donnerstag, der 24. Dezember 2009)

    Der Kommentar ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie schwierig Kommunikation und eine saubere dialektische Auseinandersetzung ist. Der Artikel beschreibt ganzheitlich eine Problematik auf einer hohen, abstrahierenden Denkebene.

    Der Kommentar verlässt bewusst diese Ganzheitlichkeit und versucht mit einer bewusst willkürlichen und natürlich völlig unzureichenden Auswahl von Details einer ganz anderen Ebene (mir fallen wahrscheinlich 100 weitere ein) die Aussagen des Artikels zu widerlegen.

    Und bestätigt damit den Artikel damit nur!

    Aber der schlimmste dialektische Fehler ist, dass auf zwei der zentralen Thesen des Artikels:

    Es ist vielversprechender, neue CO2 neutrale Zivilisationstechniken zu konstruieren und ins Werk zu setzen als über Zertifikate zu verhandeln.

    und

    Das Paradies ist hier auf diesem Planeten und es spielt sich ab in unserem evolutiv erweitert gedachten jetzt seit dem Ende der letzten großen, mutmaßlich exogen induzierten planetaren Katastrophe.

    im Kommentar gar nicht eingegangen wird.

    RMD

  3. Chris Wood (Donnerstag, der 24. Dezember 2009)

    Dear Roland; I did deal with the first point, generally in the sense of agreeing with Werner. I tried to say that the idea behind the certificates makes some sense, but has been spoiled by the initial allocations. I do not like to keep repeating myself, so I did not make clear that I also believe in a technical fix or fixes. In an earlier comment, I made clear that I believe in technical fixes more than you do. You seem to think that we can convince people to change how they live. (I cannot persuade anybody to do anything).
    The trouble here is that the necessary technical fixes will be used enough only if governments agree.
    Regarding the second point, I must admit that I did not understand the point of what Werner wrote. He seems confused about whether we have been thrown out of paradise. According to general use of the word, we certainly do not now have paradise. About 1000000000 people are starving, and life is pretty bad for most animals. I also did not much understand „spielt sich ab in unserem evolutiv erweitert gedachten“. He cannot really mean that our thoughts have constituted paradise since dinosaur days?
    You are right that I intentionally avoided the vague comprehensive approach and just tried to point out the clear mistakes. But I think I did a fairly good job. I did not intend to be random and inadequate.
    Being a bit more „ganzheitlich“, I can say that I find such quasi-religious musings unscientific, unhelpful and probably dangerous. (I have argued elsewhere for the advantages of science, which many people regard as more dangerous than religion).
    I too have great hope in Obama. What he says convinces me, but my experience warns me that it may all go wrong. His contribution in Copenhagen was precious little; at most a small step forward. It has been clear for many decades that mankind is able to improve or ruin our planet. One does not need to think in terms of ICH and GEGEN-ICH to see that.

  4. rd (Donnerstag, der 24. Dezember 2009)

    Lieber Chris,

    zum zweiten Punkt. Rein gefühlt kann ich mir gut vorstellen, dass bei aller menschlicher Unzulänglichkeit und gefühlter Grausamkeit wir tatsächlich in unserer Existenz die ganz seltene Sekunde des Paradies erleben. Ist das nicht großartig?

    Alles Rationale und Wissenschaftliche ist doch nur Katzengold, total unbedeutend angesichts einer vielleicht vorhandenen großen Wahrheit völlig außerhalb unserer Möglichkeit des Begreifens. Wie wollen wir in der Unwissenheit unserer in einem einzigen Universum gefangenen Existenz es auch nur wagen, anzunehmen, wir könnten etwas verstehen.

    Deshalb ist meine pragmatische Folgerung für mich persönlich, dass ich versuche, allfällige Gewissheiten zu hinterfragen, aber nie glauben, über Wahrheit zu verfügen (auch wenn ich ab und zu so tue, als ob). Und da gefällt mir die Metapher von Werner besser als viele rationale „Gewissheiten“.

    Zum ersten Punkt: Wenn ich Werner richtig verstanden habe, helfen technische Fortschritte zuerst mal mehr als politische Übereinkünfte. Das sehe ich auch so.
    Daraus folgt aber noch lange nicht, dass technische Fortschritte sonderlich hilfreich sind.

    RMD

  5. Mickael (Sonntag, der 13. März 2011)

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