Werner Lorbeer
Mittwoch, der 20. Januar 2010

Desert Tec #007 – CCS und der Rohstoff CO2

Muschel und Wurmröhe in JurakalkSind bionische Lösungen möglich?

Zuerst eine kleine Rechnung für Journalisten und Juristen: Wenn 381 ppm CO2 in der Atmosphäre sind und die gesamte Gasmasse des Planeten auf 5,15 10^18 t Tonnen geschätzt wird, wie viele Tonnen CO2 sind dann jetzt in der Atmosphäre?

Spaß beiseite, eigentlich wollte ich fragen, ob diese Masse ausreichen würde, die Kalkriffe der Dolomiten neu zu erzeugen.

CO2 ist für Pflanzen und Organismen ein wunderbarer Rohstoff. Sie entlassen dafür das giftige Abfallgas O2 in die Atmosphäre, das es dort sonst nur in Spuren gäbe. Ganze Gebirge verdanken diesen Stoffwechselkreisläufen ihre Bildung. Es ist immer wieder faszinierend, wenn man auf den Wanderungen zum Monte Baldo auf erkennbare Reste von Korallen, Schwämmen und Schnecken stößt.

CaMg(CO3)2 ist die chemische Formel für Dolomit, Wikipedia hat unter „Kalkstein“ eine schöne Übersicht. Für die derzeitige Diskussion ist wichtig, dass es Prozesse gibt, die CO2 benötigen, für die CO2 also ein Rohstoff ist.

CCS bezeichnet die Abscheidung von Kohlenstoffdioxid aus dem Abgasstrom von Kraftwerken, die mit fossilem Material betrieben werden. Die Abscheidung drückt zwar den Wirkungsgrad des Kraftwerks stellt aber gleichzeitig eine wertvolle Gasfraktion her. Der Plan der RWE sieht eine Verpressung des Gases in geeignete Lagerstätten vor, um es dem atmosphärischen Kreislauf zu entziehen.

Letztes Jahr (2009) war ich Zeuge erregter Diskussionen in Bredstedt, Schleswig-Holstein, weil in diesem Abschnitt ein CO2 Endlager vorgesehen ist, das zunächst politisch an den Bürgern scheiterte.

Im Zeitalter des weltweiten CO2 Handels kann das Verpressen von CO2 im Untergrund durchaus monetär vorteilhaft sein. Aber es ist die eingeschränkte Rationalität und Sichtweise des Maschinenbaus. Die Natur dagegen behandelt CO2 als wertvollen Rohstoff, Schwämme, Korallenpolypen, Radiolarien, Foraminiferen, Schnecken … alles wertvolles Leben. Was liegt also näher, als in der Bindung von CO2 eine Anregung zu sehen, den Prozess im Sinne eines bionischen Konstruktionsmodells in irgendeiner Weise nachzuahmen.

CO2 ist dann nicht mehr nur eine Bedrohung sondern wertvoller Rohstoff für die Ernährung von Mikroorganismenzuchten, Verkettung zu Kohlenwasserstoffen oder wenigstens inerte Lagerung in fester Phase als Kalkstein. Und schon hätte Bredstedt ein Problem weniger.

wl

Kommentar verfassen

*