Werner Lorbeer
Samstag, der 16. April 2011

Desert Tec #012 – Aufstieg und Fall des grün-monetären Komplex

Sie wollen ihr Häuschen renovieren? Über 60? Wir bieten Ihnen 0,75% über dem Marktzins! Aber wieso montieren Sie keine Fotovoltaikanlage aufs Dach? Die finanzieren wir gerne mit Vorzugsdarlehen!

Die Szene erinnert an den Schrottimmobilienboom in Deutschland Ost.

Nun wird offenbar, dass in den letzten 10 Jahren Subventionspolitik vom Teuersten betrieben wurde und die Gegenleistung dafür ein bisschen wie des Kaisers neue Kleider aussieht. Zwangseinspeisung am Markt vorbei. Keine Verpflichtung zum Netzbetrieb. Keine Abgaben zum Aufbau eines Stromnetzes oder gar zur Speicherung.

Es wäre nun an der Zeit, die Erzeuger alternativer elektrischer Energie an den Kosten des Netzbetriebs durch Erhebung von Steuern zu beteiligen. Denn Strom kommt eben aus der Steckdose. Seit 2001 sind 100 Milliarden € umverteilt worden, ohne Beitrag zum Netzbetrieb wie er von EVU selbstverständlich gefordert wird.

Wir werden sicher auch noch lange auf die Smart Grids warten müssen, die es erlauben, Windkrafträder und Solarfelder ebenso herauf und herunterzufahren wie die thermischen- und Wasserkraft Werke.

Da seien die alternativen Medien-Star-Heiligen vor und der heilige Florian.

Die Konsequenz sind die kreativen Finanzierungs Vorschläge, die seit heute (FAZ 16.4.2011) abenteuerliche Griffe in des Steuerzahlers Tasche vorhaben – machen wir doch jetzt die Stromnetze zur nationalen bundesstaatlichen Finanzierungsaufgabe und regeln die Durchleitung durch die Bundesnetzagentur!? Wieso floss eigentlich so wenig Investitionskapital in den Ausbau der Netze? Die Spinne im planwirtschaftlichen Netz ist die Bundesnetzagentur – staatstragend gibt sie sich und ist aus einem wirtschaftsliberalen Gesichtswinkel gesehen aberr nicht regulierend sondern in Wahrheit präskriptiv und investitionsverhindernd tätig.

Die Analyse des grün-monetären Komplexes wäre für die Medien sehr ergiebig. Interessenduplikationen finden sich inzwischen landauf-landab zu Hauf. Wer beispielsweise hat Interesse daran, dass der stadtnahe Kartoffelacker, von dessen tapferem Selbstvermarkter-Bauern ich meine Vorräte im Herbst aufstocke aus „übergeordneten Gesichtspunkten heraus“ zur Fotovoltaik-Verglasung vorgesehen wird. Mal sehen, wie der übergeordnete Gesichtspunkt dann heißen wird, wenn er im Grundbuch steht.

Die anstehenden Vorhaben zur Energiewende haben eine monetäre Größenordnung wie die Deutsche Einheit. Schade, dass wir die zusätzlichen Schulden von damals noch nicht bezahlt haben. So wird es für die nächsten Generationen immer enger. Es ist abzusehen, dass auch die BRD ihr triple A verlieren wird, wenn die große Aufgabe der Energiewende am Markt vorbei organisiert wird. Es ist besser die Verbraucher und die Industrie mit den richtigen Kosten zu belasten, damit die Zukunft nicht wieder einmal von der Generation der SUVs verfrühstückt wird.

Noch ein Wort zu Desert Tec. Ich wurde in einer sehr unfreundlichen Weise von einem Öffentlichkeitsarbeiter auf die Fehlschreibung hingewiesen – „DESERTEC“ wäre richtig und ich solle doch darauf achten.

wl

Be Sociable, Share!

4 Kommentare zu “Desert Tec #012 – Aufstieg und Fall des grün-monetären Komplex”

  1. rd (Sonntag, der 17. April 2011)

    Als Moderator ist mir die Schreibweise Desert Tec sehr wohl aufgefallen. Dachte mir, aber dass Werner (der Autor) damit etwas aussagen will. War auch nicht so schwierig 🙂

  2. Chris Wood (Sonntag, der 17. April 2011)

    The article and comment are based on solid facts, but I don’t like the polemic style of both. Instead of contrasting 100 Milliarden € (incidentally spread over 20 years) with 1% of electricity production, one could compare the few cents per unit of subsidy with the resulting millions of KWH generated cleanly per year in Germany.
    The subsidy is not paid from tax, but goes to increase the price of electricity. (Also quite a bit of it goes to the state as income tax). Electricity and other forms of power are anyway too cheap. If damage to the environment, (radioactivity, dust, climate change, ruined valleys, etc.), were properly accounted for, electricity would cost at least double, and German photovoltaic would be competitive, (at least on the scale we have). I hope for a lot of Sahara solar power in the future. This depends on political stability there, which it can help to produce. I just read that domestic power consumption is hardly affected by the price. This too indicates that it is too cheap (like petrol and diesel).
    I should declare that I am biased. My roof faces south and has the right slope. It has been covered in solar panels for a few years. I am sure that the network can cope with this, and that enough power is needed locally, even on sunny days, to use what I produce. My panels are Japanese; thoughtful of me to support those guys even before their disaster!
    Incidentally, nuclear power has been much safer, in terms of lives lost per GWH, than coal and even hydro electricity. Also electricity accounts for only 20% of power used in Germany; I do not know whether this is net or gross regarding the inefficiency of electricity generation.

  3. Hans Bonfigt (Sonntag, der 17. April 2011)

    In Ergänzung zum Kommentar von Chris Wood:

    Atomenergie war immer ein Subventionsgeschäft. Es sei nur einmal auf Asse II verwiesen, die Schätzungen für die Sanierung bewegen sich zwischen 3 und 30 Milliarden Euro.
    Das Experiment „THTR300“ in Hamm-Uentrop kostet den Steuerzahler bis heute Unsummen, es sind heute noch mehrere hundert Mitarbeiter in Permanenz mit dem Rückbau befaßt, dito übrigens in Greifswald, Lingen …

    Was die ganzen sinnvollen und sinnlosen („Vernebelungsanlage“) Sicherheitseinrichtungen kosten, darüber kann man nur spekulieren.

    Ich kriege ja auch nässenden Ausschlag, wenn ich Fischer, Künast oder Roth sehen oder hören muß, aber in einem Punkt hatten die Grünen schon immer recht:

    „Kernenergie ist unwirtschaftlich“.

    Da ist mir die unwirtschaftliche „saubere“ Energie doch lieber als die unwirtschaftliche schmutzige.

  4. rd (Sonntag, der 17. April 2011)

    Die Summe der direkten Subventionen für Atomkraft seit 1950 stand vor kurzem in der SZ – es war auch eine unvorstellbare hohe Milliarden-Zahl, besonders wenn man den Geldwert rückwärts einrechnet …

Kommentar verfassen

*