Werner Lorbeer
Montag, der 5. März 2012

Desert Tec #015: Energie physisch transportieren!

Endlich findet „power to gas“ auch in der Politik Einzug.

Was ist es im Kern: Mit Windstrom wird Wasser per Elektrolyse zerlegt in H2 und O2. Das H2 ist ein sehr kleines Molekül und schwierig zu speichern. Trotzdem könnte es bereits zum Energietransport verwendet werden, weil in den Gaspipelines 5% H2 Anteil zulässig ist. Nach einer möglichen Methanisierung ist es sowieso mit dem Erdgas identisch.

Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Die Gaswirtschaft hat das Speicherproblem im Griff, es existieren Druckspeicher und Kavernen, die dem Vernehmen nach in der Lage sind, den Bedarf für 2 Monate zu speichern (200 TWh). Eine realistische, sofort realisierbare Option, ohne Zerstörung von Landschaften durch den Bau von Speicherseen.

Außerdem ist damit verbunden der Vorteil, dass die Energietransportkapazität der BRD via der vorhandenen Gasleitungen auf einen Schlag auf das 80-fache steigt, ohne dass eine einzige neue Stromtrasse gegründet werden müsste.

Ein weiterer Aspekt lässt sich gewinnen, wenn das H2 Gas durch CO2 oder CO methanisiert wird. Aus dem Prozess entsteht „Biogas“, also reaktiv erzeugtes Methan, das beim Verbrennen wieder „CO2-neutral“ (in „Anführungszeichen“, weil das nur ein moderner Euphemismus ist) das CO2 an die Atmosphäre zurück gibt.

Der enorme Vorteil der Methanisierung ist, dass der gesamte Transportsektor auf bewährte Technologie der Erdgasautos oder der Brennstoffzellen zurückgreifen könnte. Die Fahrzeugproduktion der Elektrofahrzeuge, die unsägliche und wirklich unanständig große ökologische Fußstapfen der Batterietechnik, wäre erledigt und die Energiequelle der Elektrofahrzeuge könnte beispielsweise die mit Biogas betriebene Brennstoffzelle sein.

Dies wäre allein schon deshalb richtig, weil der Energieinhalt von 1 kg Batterie nur 2% von 1 kg Erdgas ist und das schiere Gewicht der Batterien die ganzen Fortschritte der Leichtbautechnik auf zu fressen droht.

Mein Resumé: Was mich wirklich sorgt ist die Aussage, wir könnten uns die Energiewende nicht leisten. Die europäischen Staaten verfrühstücken im Moment das zurückgelegte Kapital in der „Griechenlandrettung“ und bedenken nicht, dass es viel dringendere Baustellen gibt und man nicht beides gleichzeitig wird finanzieren können.

Moment bereits übersteigen die Targetforderungen der Bundesbank an die EZB das gesamte deutsche Auslandsvermögen. Nach Prof. Sinn sind das Forderungen, die „niemals fällig gestellt werden können“ (Konjunkturgespräch IHK Augsburg). Und dann kommen 300 Mrd. € für die Energiewende oben drauf. Liebes China, hilf den armen Europäern.

Es wird höchste Zeit, die Energiewende mit dem Rechenstift und nicht mit dem Subventionskarren zu begleiten! Ich vermute, dass power to gas eine wirklich gute Option wäre.

wl

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4 Kommentare zu “Desert Tec #015: Energie physisch transportieren!”

  1. rd (Dienstag, der 6. März 2012)

    Ich finde den Vorschlag vom Werner das beste, was ich bisher zu dem Thema gehört habe. Und möchte den Beitrag noch um einen Gedanken ergänzen:

    So würden auch Elektrofahrzeuge mit einer Gas-Brennstoffzelle einen Sinn machen und die Lebensqualität durch Lärmreduzierung erhöhen.

  2. Chris Wood (Samstag, der 10. März 2012)

    It seems to be accepted that electric cars will continue to be rare playthings for at least the next 20 years. I find the idea of generating hydrogen or methane has some advantages.
    In my posting http://if-blog.de/cw/solar-diesel, I advocated generation of hydrocarbon, e.g. by algae. I think heavier hydrocarbons have advantages over methane. I think liquids are more convenient than gasses. Some of the gas is sure to escape. I have seen an estimate that 30% of gas piped to houses in California escapes into the atmosphere! Methane has 25 times as strong greenhouse effect as carbon dioxide.
    Roland, can you explain why you find this idea better than my suggestion? I know little about fuel cells; do they have big advantages over diesel motors?

  3. rd (Sonntag, der 11. März 2012)

    @Chris
    Ich meine, dass die Elektrofahrzeuge (zwei- wie vierrädrig) viel früher als in 20 Jahren für Mobilität jenseits „playthings“ eingesetzt werden. Begründung: Tipping point scheint erreicht, Entwicklung in China.

    Zu Brennstoffzellen versus Diesel. Zumindest sind sie mal leiser als Dieselgeneratoren.

  4. w.friederich (Mittwoch, der 14. November 2012)

    Wir lesen, daß man aus Strom Erdgas machen kann. Eine feine Sache, gewiss! Aber sie hat einen gewaltigen Nachteil! Die Effizienz!! Das bedeutet, wenn man aus Strom Gas macht und aus Gas dann wieder Strom, dann bleiben mehr als 2/3 der ursprünglich im Strom enthaltenen Energie auf der Strecke! Viel klüger ist es die alte Elektrowiderstands-Heizung wieder flott zu machen. Damit spart man immerhin Gas im Verhältnis 1 zu 1. Nur, aus Umweltschutz- und Energiegründen will man diese Heizung durch effizientere Systeme ersetzen! Richtig! Der Weg zu deutlich mehr Ineffizienz hingegen ist grundsätzlich falsch! Egal wer ihn bewirbt, egal wer Forschungsgelder haben möchte!

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