Werner Lorbeer
Dienstag, der 8. Mai 2012

Desert Tec #016: Netzsteuer auf EEG Strom

Windmesgerät, Schulserver BW

Windmessgerät mit Eichung in m/s und Beaufort, Schulserver BW

Mein Windpark wird abgeschaltet, es läuft nur noch das Messrädchen und die Kohle fließt trotzdem. Nach einem Artikel im Handelsblatt ergeben sich über 300 verschiedene Einspeisungstarife für Solarstrom.

Wie weiland der im Subventionsbrüssel erfundene EU-Landwirt darf der nach EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) Energie produzierende seine Leistung ans Netz abgeben, ohne sich um den Verkauf des Produkts kümmern zu müssen.

Es war von Anfang an falsch, Produzenten ohne Netzverantwortung zuzulassen. Jeder Markt, der das Preisregulativ abschafft und Abnahmegarantien gibt, wird überschwemmt. Wenn man hier ins Bild noch die Netzregulierungsbehörde Bonn einbezieht, so ergibt sich das Struktogramm der klassischen Planwirtschaft.

Es wird höchste Zeit, alle Produzenten alternativer elektrischer Energie in die Verantwortung zu bringen. Denn es handelt sich nicht mehr um eine Randnotiz des Marktes, wenn beispielsweise Bayern 50% seiner elektrischen Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen will.

Nachdem die Erzeuger alternativer Energien sich aus technischen Gründen nicht an der Netzregulierung beteiligen können, müssen sie eben monetär durch entsprechende Beiträge beteiligt werden; schließlich ist ihr Produkt ohne das Netz nicht verkaufbar. Wie man Windparks in die Netzregulation einbindet kann man beim IWES – Fraunhofer Institut für Windenergieforschung – nachlesen.

Ganz anders sehe ich die Bemühungen von Bürgern um energetische Autarkie. Intelligenter Eigenverbrauch der produzierten Energie – netzautark – ist eine so schöne Sache wie mein Gemüsegarten.

Netzautarkie – sozial, energetisch, ökotrophisch – ist eine wunderbare Idee, erfrischend wie der Rückzug der römischen Philosophen auf die sommerlichen Inseln Griechenlands. Wobei wir leider zum nächsten Subventionsthema gelangt wären. Günter Öttinger, Europa-Kommissar für Energie, will in Griechenland Solarstrom für Italien produzieren lassen: Den Griechen kann das recht sein, Hauptsache einer zahlt’s.

wl

2 Kommentare zu “Desert Tec #016: Netzsteuer auf EEG Strom”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 9. Mai 2012)

    Certainly mistakes have been made in energy politics, but in all other politics too! See http://if-blog.de/en/cw/energie-forum/ for some of my views.
    The blame should not be put on the EU. Germany set the subvention level much higher than the proposed EU level. We wanted to get control of the industry in Europe. The German trick of getting power users to pay the subsidies has the advantage of encouraging power economy, and eventually autarky.
    Planning need not be bad. East Germany and the Soviet Union were extreme cases. Even then one must remember that it was Stalin’s planned industrialisation that put Russia into a position to defeat Hitler’s Germany. Planned China is overtaking cowboy USA economically. The environmental effects are problematic, but the „unplanned“ USA is at least as damaging. We need good planning.
    Autarky is fine, but the quantity of solar electricity I produce could be used at home only if we heated with it, and then I would need considerable storage capacity. It now seems to me that economy and storage are the main problems for lasting energy planning, unless nuclear fusion can be made to work properly.

  2. w.friederich (Mittwoch, der 14. November 2012)

    hi! die „energiemärkte“ sind sicherlich märkte aber preis- und das marktverhalten sind doch etwas anders als es der naive Schüler in der grundschule erklärt bekommt. Es sind politisch dominierte Märkte. Das bedeutet die preise sind wesentlich politisch bedingt und die marktmodelle und Regeln sind aus verschiedensten gründen anders gestaltet als man das bei „normalen“ märkten voraussetzt!

    Wir wollen als verbraucher denn auch nicht nur strom überhaupt sondern eine sichere versorgung. Das heißt wir kaufen zwei unterschiedliche Dinge ein und dafür müssen wir auch unterschiedliche Preise zahlen. Einmal eine strommenge über das Jahr zum anderen einen stromanschluß der jederzeit in der gewünschten weise belastbar ist. Wir wollen gegebenenfalls auch noch eine politisch zu definierende entwicklung hin zu weniger CO2 emissionen. Das richtige modell sorgt dafür, daß der, der CO2 emmitiert dafür bezahlen muß und zwar langfristig und in etwa kalkulierbar. das bisherige modell funktioniert so nicht, die kalkulation der investitionen für CO2 Minderung wird unnötig mit risiken versehen. Risiken müssen mit kalkuliert werden und verteuern die Angelegenheit in vermeidbarer Weise!
    Wir benötigen auch in zukunft das heutige netz mit den heutigen „konventionellen“ kraftwerkskapazitäten, die allerdings müssen umgestaltet werden: mehr Pumpspeicher mehr Gas weniger Kohle weniger Braunkohle, weniger Kernkraft Die Begründung ist zuerst einmal, daß diese Kraftwerke billiger sind, bezogen auf die Leistung. Theoretisch brauchen wir den park auch dann wenn der Kraftwrkspark nie zum einsatz kommt, denn er garantiert stromverfügbarkeit in der jeweiligen Leistung jederzeit. Also braucht der der ein kraftwerk in kaltreserve hat und es das ganze jahr nicht betreiben muß/kann einen Anreiz das Kraftwerk durchgehend Startklar zu halten. Das muß bezahlt werden! die erneuerbaren benötigen ebenfalls feste verträge und vergütungen aber nur für die Strommengen die sie ins netz liefern. mit denen werden Brennstoffe und CO2 eingespart, nicht aber Kraftwerke! Es kommt noch schlimmer der Netzbetreiber muß Anlagen ausschalten können wenn der strom nicht benötigt wird. Dieser nicht benötigte strom darf in bezug auf die einzelanlage ncht mehr als 5% der jahresenergiemenge sein, und folglich müssen gegebenenfalls immer wieder andere Anlagen erneuerbarer Energie vom Netz und auf etwas Vergütung verzichten.

    Bei den Netzentgelten wird es spannend und kompliziert, und kann hier nicht kurz erläutert werden. Unter dem Strich ist es nicht so klug die erneuerbaren differenziert zu fördern viel klüger ist es vergleichsweise hohe CO2 Abgaben festzulegen, denn wir wollen weniger CO2, das ist das Ziel „Erneuerbare“ sind ein Mittel zum Zweck! des weiteren ist es klug auch hier die märkte regieren zu lassen diese werden den PV Strom im norden teurer vergüten als im Süden und den windstrom im Süden teurer als im norden so daß keine ökonomisch suboptimalen netze erforderlich werden. Dezentrale Energei bedeutet eben auch daß nicht mehr Netze erforderlich werden, sondern im gegenteil die erneuerbaren zu Einsparungen an Netzentgelten führen.! Man muß einigermaßen tief in die Argumentationsoffenisive der Großen vier einsteigen um besser zu differenzieren hinsichtlich dem was sie wollen und dem für was sie werben! Wir brauchen den massiven netzausbau um trotz windenergie und PV die Braunkohlestinker hoch auslasten zu können, mehr nicht! da muß man nur in den bundesnetzplan hineingehen und selbst nachrechnen und kritisch Fragen stellen! höchst interessant!

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