Werbematerial für die Begebung von KriegsanleihenDas DIW argumentiert in seiner Pressemitteilung „Vermögensabgaben, ein Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen in Europa“ betont sachlich:

Die Privatvermögen übersteigen die Staatsschulden!

Ach was, braucht man dazu ein Institut? Oder kennen Sie jemand, der seine Spargroschen ausschließlich in Staatsanleihen anlegt?

Jenseits der Feststellung, dass das DIW sich selbst intellektuell ständig weiter demontiert, ein Kommentar:

Die Briefmarkensammler in der Familie haben sie noch alle, die wertlos gewordenen Versprechungen eines Napoleon, die Verbriefung der Kriegsanleihen, die VW Sparbriefe …

Oma ist dahin gestorben auf den Tag, an dem die Hoffnung auf Lastenausgleich in Erfüllung gehen sollte.

Wir haben vor dem Gericht der Geschichte eine Staatsschuldenkrise, keine Währungskrise. Im Frieden, der uns in Europa nun seit 67 Jahren treu ist, wurde zu viel konsumiert.

Und nun muss der Frieden bezahlt werden durch Striche auf beiden Seiten der Bilanz: Privatvermögen gegen Staatsschulden?

Das ist viel leichter als die Wahrheit zu verkünden, die heißt dass unsere Gesellschaften in Europa weit über ihre Verhältnisse leben. „… Denn die glaubt sowieso keiner“ (Frisch, Biedermann und die Brandstifter).

Wir leben in einer Wohlstandsblase, die platzen wird. Europa kann sich nicht mehr selbst finanzieren. Regling (der neue ESM-Chef Klaus Regling) eilt nach China und in die 3. Welt, denn auch Deutschland ist kein „guter Schuldner“. 2,1 Bio € sprechen für sich.

Es gilt der Satz des Ökonomen List:

„Bisher hat noch kein Staat seine Schulden zurückbezahlt.“

Als Fazit ergibt sich:

Friedensstaatsanleihen zeichnen!

Und weg mit dem Papier in die Briefmarkensammlung für die nächste Generation zum Anschauen und Studieren.

Und für Euch, liebe Kinder ein kleiner Trost – Euch bleibt auf jeden Fall Eure Bildung:

„Travaillez jeunes gens, il n’y a qu’une force, c’est le travail!“ (Émil Zola)

wl

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7 Kommentare zu “DIW schlägt Vermögensabgabe vor – Kriegsanleihe für 67 Jahre Frieden in Europa”

  1. rd (Mittwoch, der 11. Juli 2012)

    Lieber Werner,
    zum einen:
    die 2,1 Billionen EURO waren mal. Wir rasen auf die 2,2 zu und die 3.0 sind schon in Sicht. Wie heißt es: Gib Gas, ich will Spaß …
    Und zum anderen:
    Der DIW ist doch auch so ein nicht mehr zeitgemäßer Verband, der nur noch den Erhalt von sich selbst als Zweck hat.

  2. six (Donnerstag, der 12. Juli 2012)

    Ein seltsam gespaltener Post. Wahrscheinlich ironisch gemeint, da aber nur 13% der Deutschen Ironie verstehen, bin ich wohl bei den anderen 87%. Einerseits der übliche Reflex, sich vom Staat zu distanzieren (dieses seltsame fremde Wesen, das aber vertrauterweise immer alles falsch macht) und dann die versauten Wohlstandsbürger, die demnächst platzen (abzüglich der 3000 monatlichen IF-Blog-Besucher, die immer die kompletten Checker sind und unser aller Zukunft voll im Griff hätten, würde man sie nur lassen).

    Wenn das private Vermögen die staatlichen Schulden überschreitet und sich das Vermögen nicht nur bei ein paar Tausend Kleptokraten wie in Griechenland ballt, dann kann der Staat nicht alles falsch gemacht haben. Oder hätten wir das auch komplett ohne ihn geschafft?

  3. Chris Wood (Donnerstag, der 12. Juli 2012)

    The statement by DIW is not quite so obviously true. DIW is referring to German private savings and state debt. Who knows how much of the debt is borrowed from foreigners? (Similarly, who knows how much of foreign national debt is borrowed from Germans)?

    I calculate that €2.1 million million works out at about €23 thousand per head. This is not a huge sum, considering the value of all the houses, roads, factories, etc. This is not a sign that we have been living far beyond our means.

    The situation is really much worse. Exponential growth in world population and also „living standard“ is leading to a crisis in resources and environment. Democratic governments continue this, or try hard to. Other governments are hardly better. The result of this competition may well be horrible. Can we all cut back without wars?

  4. six (Donnerstag, der 12. Juli 2012)

    Chris, das mit dem Weltbevölkerungswachstum hatten wir schon öfter im Blog, reicht mir auch nicht aus – da kann noch viel passieren (Kriege, Seuchen, Schwarze Schwäne, Evolutions/Mutations/Selektions/Überraschungen und und und). Ich wünsche mir einen eindeutigen Befund und ein klares Bekenntnis zum Untergang.

  5. Chris Wood (Donnerstag, der 12. Juli 2012)

    Hi Six; leider kommt kein klares Bekenntnis von mir, weil das Wort „Bekenntnis“ zu unklar ist. It seems to mean a declaration of (religious) belief. But my only moderately religious belief is that God does not exist. I avoid making firm predictions about the future. I see various possible futures, such as that the Chinese take control of the World, or that the USA wipes them out. I even see a small chance that the situation will be saved through education and birth control.

  6. six (Donnerstag, der 12. Juli 2012)

    Hi Chris, dieses Bekenntnis gefällt mir, der Glaube an die Unvorhersehbarkeit der Zukunft. Dieser Glaube ist wohltuend bescheiden gegenüber so frevelhaften Glaubensgemeinschaften wie die der Physiker, die nicht nur glauben, das sie die Leitwissenschaft im wissenschaftlichen Denken sind, sondern mit dem Glauben an eine lineare Kausalität auch noch glauben, das sie in die Zukunft sehen können. Oder gar die Ökonomen, die den Physikern das mit der Leitwissenschaft glauben und sie nachäffen. In diesem Sinn ist natürlich auch der IF-Blog eine reine Glaubensgemeinschaft. Allerdings mit dem „if“ im Namen und der Aufforderung ein was-wäre-wenn automatisch mitzudenken eine angenehm pluralistische Religion. Ich nenne sie Ifismus.

  7. Chris Wood (Montag, der 16. Juli 2012)

    We in Germany are living beyond our means in another sense. We are not producing enough well educated children and grandchildren to support us later. But of course these offspring would also waste the Earth’s resources.
    Hi SIX. I will predict that the future will see huge conflicts. At present these are kept inn check because life is getting (slowly) better for so many people, (except that we are all getting older). But this improvement can hardly continue for very long.

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