Nun scheint das Ende der Lügengeschichten nahe. Solarstrom für 48 cent Einspeisevergütung kann die ganze Republik versorgen, so geschehen am Pfingstmontag 2012!

Aber:
Ich will diesen Strom nicht bezahlen und mache mich lieber energieautark!

Wie der Butterberg und der Milchsee wird nun der Energiesee geschaffen. Die hohen Subventionen und die Abnahmegarantie sind das Agens (Agens – in der Philosophie die verursachende Kraft).

Fazit:
Produzieren können heißt noch lange nicht auch liefern dürfen.

Statt wie bisher einem meritokratischen Modell zu folgen (es liefert, wer es am günstigsten kann), gibt es nun in Summe 100 Milliarden € Subventionszusagen (verteilt auf 20 Jahre) für Energie, die für ihren Betrieb Schattenkraftwerke braucht. Die lohnen sich natürlich nicht, weil sie billig wären, aber nicht liefern dürfen. In der Konsequenz baut EON nicht rentable Kraftwerkskapazität zurück. Also, so räsonieren die Planwirtschaftler, muss man dem Betreiber verbieten, Kraftwerke abzubauen. So gebiert die Marktferne des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) ein bürokratisches Monster nach dem anderen: Hunderte von Tarifen, etliche neue Behörden und es geht munter so weiter.

Planwirtschaft – das schreckt heute keinen mehr, obwohl wir die Schulden aus unserem ostdeutschen Planwirtschaftsabenteuer noch nicht bezahlt haben.

Nun naht Rettung:
Brüderle (FDP) schlägt vor, das EEG durch ein Mengenmodell zu ersetzen. Nicht dumm: Dann liefern die günstigsten Windkraftanlagen und eben nicht alle, es gäbe endlich Wettbewerb auch zwischen den Anlagen zur Erzeugung alternativer Energien.

Auch Bundespräsident Gauck warnt:
„Es wird uns nicht gelingen, allein mit planwirtschaftlichen Verordnungen. Schon gar nicht mit einem Übermaß an Subventionen“, sagte Gauck am Dienstag im Park von Schloss Bellevue zur Eröffnung der Woche der Umwelt. Es gebe keinen besseren Nährboden für Problemlösungen als eine Gesellschaft mit offenen Märkten und freiem Wettbewerb.

Ich halte es mit Brecht statt mit denen, die ständig neue Masterpläne aus ihrer Glaskugel lesen und in Wirklichkeit nur auf anderer Leute Kosten reisen wollen: „Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht, mach auch einen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht“.

Bravo, Herr Präsident!

wl

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2 Kommentare zu “Energie produzieren können heißt noch lange nicht auch liefern zu dürfen: Desert Tec #17”

  1. Chris Wood (Montag, der 11. Juni 2012)

    This criticism is in general OK. But in two or three points the emphasis should be changed.
    1
    A pure (FDP) market politic in energy generation does not work properly, because there is no proper control of (payment for) the damage done to the world. Politics (politicians and voters) realised too late that coal mining causes subsidence, that the waste from nuclear fission is a huge problem, and that we are ruining the climate. Particularly the climate is affected world-wide, so that the current world organisation has so far proved unable to get to grips with it.
    2
    It is unfair to criticise the EU so much for photovoltaic subvention. The EU started it, but Germany added considerable extra subvention, in an attempt to snatch the world market in this technology. Now small German firms are in trouble, as Germany reduces its subvention.
    3
    The situation in Germany has been worsened by the government’s panic reaction to Fukushima, closing relatively safe cheap power stations. The damage caused by CO2 emissions is already much worse than that caused by nuclear power, and is increasing rapidly.

  2. Justus Schütze (Mittwoch, der 20. Juni 2012)

    Danke für den inspirierenden Artikel!
    Die energiepolitische Lügengeschichte fing natürlich schon lange vor dem EEG an. Mit Subventionen für die konventionellen, fossilen Energieträger. Mit dem EEG hat man also nur den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben versucht.
    Ordnungspolitisch jetzt nur den Beelzebub anzugreifen, wie es die vermeintlich marktbeflissene FDP tut, greift zu kurz.
    Richtig wäre es, zunächst einen fairen Markt mit Einpreisung der Footprints *aller* Energieträger zu etablieren, z. B. durch die Einführung von Cap-and-Trade auf weitere Parameter als nur CO2. Denkbar wären hier Strahlungsrechte, Biodiversitätszerstörungsrechte etc.
    Als Folge würden sich wahre Preise am Markt einstellen, mit einer echten „Meritokratie“, in der sich erneuerbarer und effizient produzierter Strom aufgrund seiner Kostenführerschaft von alleine durchsetzt. Subventionen könnten dann entfallen – hüben wir drüben.

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