Werner Lorbeer
Sonntag, der 23. Oktober 2011

So machten’s die Fugger: Schuldscheine verbrennen, Image retten

Die Wahlkampfkosten waren hoch, aber am 28. Juni 1519 war gewonnen und Karl V wurde in Frankfurt gekrönt. Die Augsburger Kinder kennen den Fortgang der Geschichte:

Das Reich war nicht ergiebig genug, die Sicherheiten reichten nicht und Jakob Fugger wurde wohl klar, dass er einen Schuldenschnitt akzeptieren müsste.

Für die Nachwelt dokumentiert in einem fabelhaften Gemälde:  „Wie der der reiche Kaufmann (Anton Fugger) die Schuldscheine aus Liebe zu seinem Kaiser verbrannte „. Es stimmt natürlich gar nichts außer dem Fakt, dass nicht mehr gezahlt wurde. Aber der Banker Fugger rettete wenigstens sein Image über die Jahrhunderte, wenn auch nicht sein Kapital.

Unglücklicherweise hat das Haus Fugger keine wirtschaftswissenschaftliche Fakultät gestiftet, auf der man das wirkliche Wissen des Kaufmannshauses hätte über die Zeiten konservieren können. In moderner Sprache: Es gibt keinen Staat, der jemals ein triple A verdient hätte. Das Risiko, dass ein Staatsschuldner durch Machtausübung einfach nicht zahlt war und ist immer gegeben.

Interessant ist, wie das Haus Fugger damals unter den Beschuss der Mächtigen geriet, nachdem die Banker nicht mehr leihen wollen und können. „Zerschlagt das Monopol. Nur noch maximal 50000 Gulden dürfen ausgeliehen werden. Beschränkt die Anzahl der Filialen“, so die Forderungen der Mächtigen und Liquiditätssüchtigen von damals. Von Beschränkung der Ausgaben war nie die Rede und der Kaiser wusste, dass er ohne seinen Bankier die Pleite vor Augen haben würde.

Es ist ausnahmsweise einmal leicht, die historischen Parallelen zu sehen, wenn man nur die Rollen der Liquiditätssüchtigen von damals mit den modernen Rollenbesetzungen aktualisiert.

Vom Propaganda-Trick „Euro-Rettung“ – auf den die Mehrzahl der Journalisten hereingefallen ist – bis zur Wahrheit „Wahrung der Kreditfähigkeit von Euro-Staaten“, vom „no bail out“ zum „bail out“ und jetzt zur langfristigen Staatsfinanzierung durch „Hebelung“ begleitet von der Banker-Beschimpfung durch die Schuldner … alles nachzulesen in den Augsburger Geschichtsbüchern, wenn man die Rollenaktualisierungen über die Texte legt.

Heute Abend, 23.10.2011 im Fernsehen.

wl

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3 Kommentare zu “So machten’s die Fugger: Schuldscheine verbrennen, Image retten”

  1. rd (Sonntag, der 23. Oktober 2011)

    Lieber Werner,

    schade, dass Du den Sender nicht angegeben hast. Habe via Twitter zahlreiche Fragen bekommen, habe aber im Fernsehprogramm nicht gefunden, wo die Sendung läuft.

    Kannst Du es noch mal kontrollieren? Vielleicht kommt es ja erst morgen.

    Oder aufnehmen und in youtube einstellen?

  2. wl (Dienstag, der 25. Oktober 2011)

    Hm. Ich habe einfach an die Tagesschau gedacht. Dort kann man dann die Fortsetzung der Lügen unter dem Aspekt der historischen Reprise mit anderen Augen sehen. Es wäre ein netter Versuch, die von mir postulierte Rollenmodernisierung aktuell zuzuordnen. Wer wäre der historische Sirtakisigi, wer wäre historsiche Steuerzahler, wer der tapfere EZB Verteidiger Weber damals, wer wäre der kluge Kaiser und dann die Frage, was machten dann … die Fugger wirklich. Haben die gelernt und sind aus dem Bett des Kaisers gestiegen? Was machten die kleinen Leute, deren Alterssicherung mit dem Geld zum Teufel ging? Mir als Augsbuger geht es so, dass ich den den Jargon Brechts verfallen möchte, der die kleinen Leute lobte.

  3. Thomas (Freitag, der 27. März 2015)

    Lieber Herr Lorbeer,
    es handelt sich auf dem gezeigten Stich nicht um Anton, sondern um Jakob Fugger. Siehe: http://www.bildindex.de/obj02531344.html#|home
    Viele Grüße

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