Werner Lorbeer
Donnerstag, der 28. März 2013

Staatsbankrott: Was ist so üblich?

Man ist überrascht, was alles überrascht!

Wer Geld in eine Bank einlegt, ist Gläubiger der Bank! Keineswegs sichert die Bank „mein Geld“. Lediglich bis zu 100.000 € ist es versichert, der Rest ist bei jeder Pleite Gegenstand des Konkursverfahrens. Natürlich ist das Kapital der Eigner perdu und auch jenes von denen, die der Bank „Papiere“, die von ihr besichert sind, abgekauft haben, wie Bankanleihen oder Derivate etc.

Unheilvoll aber auch nicht überraschend: Wenn die Staaten zahlungsunfähig sind, dann auch die Banken. Weil große Teile der Staatsschulden von den Banken mit den Einlagen ihrer Kunden gekauft wurden. Oder sollten die Banken auf die Staatsfinanzierung verzichten? Private Gläubiger können sich ihrer Schulden jedenfalls nur innerhalb der Rechtsordnung entledigen, damit sind die Schulden der Privaten sicherer, was sich in den letzten Jahren am Anleihemarkt auch wider spiegelt.

Aber wie sollten die enormen Sparkapitalien investiert werden, die die Bürger anhäufen, wenn nicht über Staat und Gebietskörperschaften? Natürlich könnten die Bürger in Sachkapital investieren, aber gerade in Deutschland ist das seltener als im Rest von Europa. Wir haben beispielsweise weniger Wohnungseigentum als die Bürger von Zypern. Es kommt also – von der Altersvorsorge bis zum Ausbildungssparen – vor allem darauf an, die Staaten bei guter Bonität zu halten, um eine wichtige Eigenschaft des Geldes, Aufbewahrung von Wert, zu organisieren.

Wenn ein Staat mehr Geld ausgibt als er per Steuern, Abgaben, Zölle etc. von den Bürgern erhält, reduziert er seine Bonität. Aber er hat die Möglichkeit, auf die Vermögen der Bürger zuzugreifen, weil wir Demokraten alle Rechte an den Souverän abgegeben haben.

Was sind die Möglichkeiten des Staates, um nach der Zahlungsunfähigkeit des Staates ( = niemand ist bereit ihm weiteres Kapital zu geben) wieder zu einer Grundlage für die Einführung einer neuen Währung zu kommen?

Hier eine Liste von Folterinstrumenten, sicherlich unvollständig:

  1. Währungsschnitt im Tauschverhältnis
  2. Zwangshypothek auf Immobilien
  3. Zwangsanleihe für alle Bankguthaben und Depots
  4. Devisenbewirtschaftung
  5. Geldersatz durch Berechtigungskarten
  6. Verbot der Haltung von Gold
  7. Vermögenssteuer
  8. Zwangsenteignung von Vermögen
  9. Erbschaftssteuer
  10. Rückfall von Grund-und Boden an den Staat
  11. Steuererhöhungen, Abgabeerhöhungen aller Art
  12. Inflationierung
  13. Schuldenschnitt durch Weigerung der Rückzahlung von Staatsanleihen

Eine beachtliche Liste!

wl

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3 Kommentare zu “Staatsbankrott: Was ist so üblich?”

  1. Chris Wood (Samstag, der 30. März 2013)

    I find this about buying and selling „Schulden“ confusing and probably confused. Buying and selling „Schuldpapiere“ is normal. But debts have negative value. So when one „buys“ a debt, one does not hand over money, but rather receives money. If it is normal in the German language to refer to „Schuldpapiere“ as „Schulden“, this is unfortunate, and illustrates how confused the world (outside England) is.

  2. rd (Samstag, der 30. März 2013)

    @Chris:
    In der ersten Relation (direktes Geschäft, keine Derivate) ist das ganz einfach:
    Ein „Schuldpapier“ ist eine einseitige Verpflichtung einer juristischen oder natürlichen Person, am Ende einer festgelegten Laufzeit zu einem bestimmten Zeitpunkt den Inhaber des Papieres auszuzahlen. Zusätzlich kann z.B. jährlich ein Zahlung an den Inhaber garantiert werden, das waren z.B. die berühmten „Coupons“.
    Das heißt, so ein Papier ist stellt ein „relationship“ dar mit zwei „Entities“: Dem Schulder (der sich zur Rückzahlung verpflichtet) und dem „Gläubiger“, dem aktuelle Inhaber des Papiers. Und der Gläubiger hat an den Schuldner eine Forderung, die zu einem festgelegten Zeitpunkt beglichen werden muss (soll).
    Solche Papiere heißen nun mal Schuldpapiere. Die kann man verkaufen und kaufen. Und wenn die Bonität des Schuldners schlecht ist, dann werden sie halt billiger (in Relation zum Nennwert).
    Ein Sonderfall, der Dich vielleicht verwirrt könnte sein, dass der Schuldner natürlich auch seine eigenen Schuldpapiere zurückkaufen kann. Das haben die Griechen ja vor kurzem gemacht. Sie haben einen Teil ihrer Schuldpapiere wohl zum halben Preis zurückgekauft und scheinbar ein gutes Geschäft gemacht. Ob das so war, wird die Zukunft zeigen.

  3. Chris Wood (Samstag, der 30. März 2013)

    Dear Roland, my comment primarily concerned the buying and selling of „Schulden“, not of „Schuldpapiere“. I understand German very well. Remember „Fahnenbildung“.

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