Werner Lorbeer
Freitag, der 29. Juni 2012

Zinsgejammer und historische Fakten

„8% Zins überfordert die Staaten im südlichen Europa.“ „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“. Ach du lieber Junker!

Die historische Wahrheit liegt so nah. Erstens waren die Ratings der südlichen Länder (und auch noch anderer) sicher falsch. Die Agenturen haben ihre Leser in falscher Sicherheit gewiegt, dafür sind sie zu tadeln. Aber sicher nicht dafür, dass sie sich jetzt der Wahrheit nähern.

Und nun zum Markt: Er will jetzt, wo ihm die Augenbinde abgenommen wurde, das Risiko entlohnt haben. Klar und das ist auch der einzige Weg, die politischen Klassen von ihren Wunschphantasien zu befreien: Ich glaube nicht an die von Deutschland gewünschte Selbstverpflichtung zur Mäßigung. Aber bei der mäßigenden Wirkung der Zinsen wäre ich mir sicher.

Daraus folgt natürlich, Herr JunkerHollandeMontiundCo, keine Zinshilfen. Aber, meine Herren und Damen, Sie dürfen gerne ihr ganzes sicher nicht unbeträchtliches Vermögen in südliche Staatsanleihen stecken.

Man wäre schon gerne Mäuschen: Welche Staatsanleihen kaufen Roth und Steinbrück? Wirklich aus Sympathie nur die griechischen, portugiesischen und spanischen? Und dann, wenn das Ganze Bergwerk kracht, tanzen wir gemeinsam mit Anthony Quinn den Sirtaki. „Sei nicht traurig Boss, das Leben ist zu kurz“.

Für die Wahrheit, was für Staaten verkraftbar ist und was sie in der Vergangenheit schon verkraftet haben, eine Graphik für die 10-jährigen Anleihen von Markt-Daten.de.

Viele Staaten sind schon mit höheren Zinsen zurecht gekommen. z.B. die BRD bei der Finanzierung der Wiedervereinigung. Ich erinnere mich noch gut an die Häme vom Finanzplatz London, die sich über die hohen Zinsen freuten – wollte da einer die Wiedervereinigung mitfinanzieren? Nein, ganz Finanz-London freute sich über den hohen Zins aus Deutschland.

Aber jetzt für die Lebensfreude dieses Sommers, für all die Junkers, Roths, Steinbrücks, Trittins und all die guten Menschen! Das Ende der Investition, das Ende des Films, Anthony Quinn und der düpierte Finanzier, das ist ultimativ, das ist alternativlos, das ist das wahre Leben ohne Alter, ohne Zivilisation, das ist nur das Jetzt ohne Morgen … unendlich schön und selbstvergessen.

wl

2 Kommentare zu “Zinsgejammer und historische Fakten”

  1. six (Freitag, der 29. Juni 2012)

    Die 5 Sterne sind vor allem für den Abgang. Großartig. Ich hatte den Film längst vergessen und das ist doch unsere Gnade auch ohne ausgeprägte Demenz. Wir vergessen das Vernünftige, weil außer uns Deutschen sowieso keiner weiß, was das ist. Let it crash. Kein Haus wird einstürzen, wenn’s den Euro nicht mehr gibt, in den Nachrichten ist wieder Platz für die wahren Katastrophen und wir tanzen völlig vergessen in eine neue Zeit, die einfach wieder von vorne anfängt.

  2. rd (Samstag, der 30. Juni 2012)

    Ja Detlev, so sehe ich es auch …

    Wie aber konntest Du Zorba vergessen ;-). Für mich sind Buch und Film unvergesslich!

    Wenn wir den Rotwein gemeinsam trinken, um uns über Transparenz zu unterhalten, sollten wir uns vorher den Film reinziehen. Habe ihn auf DVD. Und einen Fernseher mit großer Leinwand! Wir werden es genießen.

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